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S1-Nordostumfahrung: Wien startet Großprojekt für Seestadt

Asfinag beginnt Vorarbeiten für klimafitte Stadtentwicklung

2. April 2026 um 09:20
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Die S1-Nordostumfahrung soll 60.000 Menschen in neuen Stadtteilen Wiens Platz bieten. Planungsstadträtin Sima sieht darin Schlüssel für leistbaren Wohnbau.

Wien macht einen entscheidenden Schritt in Richtung klimafitter Stadtentwicklung: Die Asfinag hat mit den Vorarbeiten für den Nordteil der S1-Nordostumfahrung begonnen. Das Projekt zwischen Groß-Enzersdorf und dem Knoten Süßenbrunn soll die Grundlage für massive Wohnbauprojekte in der Donaustadt schaffen und gleichzeitig den Verkehr in der Hauptstadt entlasten.

Seestadt Nord: 25.000 neue Bewohner geplant

Das Herzstück der Wiener Stadtentwicklung ist die Seestadt Aspern, wo künftig 25.000 Menschen wohnen und rund 20.000 arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren sollen. Während im südlichen Teil bereits 12.000 Menschen leben, wartet der Nordteil noch auf seine Entwicklung – hauptsächlich wegen fehlender Straßenanbindung.

"Wir wollen endlich mit der Entwicklung der Seestadt weitermachen und weiteren leistbaren Wohnraum schaffen", erklärt Planungsstadträtin Ulli Sima. Die S1-Nordostumfahrung sei dabei nicht nur wünschenswert, sondern behördlich vorgeschrieben: Für die Errichtung des Großteils der Seestadt Nord ist sie in der städtebaulichen Umweltverträglichkeitsprüfung zwingend erforderlich.

Infrastruktur-Puzzle: Spange S1 und Stadtstraße Aspern

Das Verkehrsprojekt ist Teil eines größeren Systems: In die S1-Nordostumfahrung mündet die geplante Spange S1, die wiederum an die bereits im Bau befindliche Stadtstraße Aspern anknüpft. Diese Verkehrsachsen bilden zusammen die Grundlage für die weitere Stadtentwicklung im Norden Wiens.

Die Finanzierung erfolgt durch die Asfinag aus Maut- und Vignetteneinnahmen, was die Bundeshauptstadt finanziell entlastet. Der geplante Freilandabschnitt betrifft dabei den Nationalpark Donau-Auen nicht, wie Sima betont.

Öffentlicher Verkehr bereits massiv ausgebaut

Wien hat in der Donaustadt bereits umfangreiche Investitionen in den öffentlichen Verkehr getätigt. Das Gebiet verfügt über U-Bahn, S-Bahn, Bus- und Straßenbahnlinien. Erst kürzlich ging die neue Straßenbahnlinie 27 in Betrieb, die Donaustadt und Floridsdorf verbindet. Auch das Radwegenetz wurde kontinuierlich erweitert.

"Wir haben in Wien unsere Hausaufgaben gemacht und die Öffis in der Donaustadt massiv ausgebaut", so Sima. "Aber es braucht eben auch eine Straßenanbindung für so große Stadtentwicklungsgebiete."

60.000 neue Bewohner in drei Stadtteilen

Neben der Seestadt sind auch die Entwicklungsgebiete Hausfeld und Am Haidjöchl auf die neue Straßeninfrastruktur angewiesen. Insgesamt sollen in diesen drei Gebieten rund 60.000 Menschen leben – etwa so viele wie in der Landeshauptstadt St. Pölten.

"Die komplette Infrastruktur in der Seestadt ist vorhanden, die Bauträger stehen in den Startlöchern und warten seit Jahren darauf, endlich bauen zu können", erläutert Sima die aktuelle Situation. Der Bau tausender leistbarer und klimafitter Wohnungen mit Fernwärmeanschluss hätte bereits beginnen sollen, wurde aber durch politische Verzögerungen aufgehalten.

Donaustadt als Wachstumsmotor

Der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy unterstützt das Projekt vehement: "Die Donaustadt ist der am schnellsten wachsende Bezirk Wiens. Das bedeutet, dass auch die Infrastruktur mitwachsen muss." Für leistbaren Wohnraum, Arbeitsplätze, Kindergärten und Schulen brauche es eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur.

Nevrivy sieht in der Nordostumfahrung auch eine überfällige Verkehrsentlastung für Wien und die Donaustadt: "Der Verkehr, vor allem der Transitverkehr, muss endlich außen herumgeführt werden, wie es in den meisten Großstädten Europas längst üblich ist."

Klimafitte Stadtentwicklung mit wenig Bodenverbrauch

Die geplanten Wohnbauprojekte setzen auf klimafitte Architektur mit Fernwärmeanschluss und geringem Bodenverbrauch. Dies entspricht den Klimazielen der Stadt Wien, die bis 2040 klimaneutral werden will. Die Seestadt gilt dabei als Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Wohnen und Arbeiten.

Politische Hindernisse überwunden

Das Projekt war in den vergangenen Jahren durch politische Meinungsverschiedenhisse verzögert worden. Sima kritisiert den "Stopp der Nordostumfahrung durch die ehemalige Grüne Verkehrsministerin", der die Entwicklung massiv verzögert habe. Mit dem Regierungswechsel auf Bundesebene scheinen nun die Weichen für eine Umsetzung gestellt.

Die nun gestarteten Vorarbeiten der Asfinag markieren einen wichtigen Meilenstein für die Stadtentwicklung Wiens. Nach Jahren der Planung und politischen Diskussionen kann die Realisierung eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Österreichs beginnen.

Schlagworte

#S1-Nordostumfahrung#Seestadt Aspern#Wohnbau Wien#Verkehrsinfrastruktur#Stadtentwicklung#Donaustadt

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