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Caritas und Lebenshilfe warnen vor Inklusions-Rückschritt

Pressekonferenz zu Kürzungen im Sozialbereich und deren Auswirkungen auf Menschen mit Behinderung

7. April 2026 um 07:50
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Caritas und Lebenshilfe kritisieren Sparmaßnahmen im Sozialbereich, die Menschen mit Behinderung besonders hart treffen.

Menschen mit Behinderung in Österreich stehen vor einer besorgniserregenden Entwicklung: Während das Land noch weit von der vollständigen Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention entfernt ist, verschärfen aktuelle Kürzungen im Sozialbereich die bereits prekäre Situation der Betroffenen zusätzlich. Caritas und Lebenshilfe schlagen Alarm und laden am 13. April 2026 zu einer gemeinsamen Pressekonferenz, um auf die dramatischen Auswirkungen der Sparmaßnahmen aufmerksam zu machen.

Kürzungen treffen besonders vulnerable Gruppen

Die aktuellen Budgetkürzungen im Sozialbereich haben weitreichende Konsequenzen für Menschen mit Behinderung. Während Förderungen gestrichen werden, die eigentlich Eigenständigkeit und den Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglichen sollten, wird gleichzeitig beim letzten sozialen Sicherheitsnetz gespart. Die Folge: Betroffene verlieren hunderte Euro pro Monat – bei Leistungen, die für sie existenzsichernd sind.

Klaus Schwertner, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, und Philippe Narval, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich, sehen diese Entwicklung mit großer Sorge: "Durch die aktuellen Kürzungen rückt das Ziel auf echte Inklusion und Fairness für Menschen mit Behinderung in noch weitere Ferne. Wir sollten Barrieren abbauen, nicht die Unterstützungsleistungen für Betroffene."

UN-Behindertenrechtskonvention noch nicht erfüllt

Österreich hat sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, die Rechte von Menschen mit Behinderung zu schützen und zu fördern. Doch 2026 ist das Land noch weit davon entfernt, diese internationalen Standards zu erfüllen. Die Konvention fordert unter anderem gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Selbstbestimmung und den Abbau von Barrieren in allen Lebensbereichen.

Statt Fortschritte zu machen, bewegt sich Österreich durch die aktuellen Sparmaßnahmen in die entgegengesetzte Richtung. Expert*innen warnen, dass die Kürzungen nicht nur die aktuelle Situation verschlechtern, sondern langfristig zu einer Verfestigung der Ausgrenzung führen können.

Konkrete Auswirkungen im Alltag

Die Auswirkungen der Kürzungen sind für Betroffene bereits jetzt spürbar und betreffen verschiedene Lebensbereiche:

  • Reduzierte Assistenzleistungen im täglichen Leben
  • Weniger Unterstützung beim Übergang in den Arbeitsmarkt
  • Eingeschränkte Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten
  • Verminderte Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe
  • Erhöhtes Armutsrisiko durch wegfallende finanzielle Unterstützung

Armutsgefährdung als wachsendes Problem

Menschen mit Behinderung sind in Österreich überdurchschnittlich von Armut betroffen. Diese strukturelle Benachteiligung wird durch die aktuellen Kürzungen weiter verstärkt. Wenn staatliche Unterstützung wegfällt, haben Betroffene oft keine alternativen Einkommensquellen, da der Zugang zum regulären Arbeitsmarkt nach wie vor mit erheblichen Barrieren verbunden ist.

Die Sparmaßnahmen schaffen einen Teufelskreis: Weniger Unterstützung führt zu weniger Selbstständigkeit, was wiederum die Chancen auf eine eigenständige Lebensführung und Erwerbstätigkeit verringert. Langfristig könnte dies zu höheren Kosten für das Sozialsystem führen, da mehr Menschen auf dauerhafte Unterstützung angewiesen sind.

Perspektiven der Betroffenen

Bei der Pressekonferenz am 13. April werden auch Menschen mit Behinderung und ihre Interessenvertreter*innen zu Wort kommen. Sie schildern aus erster Hand, wie sich die Kürzungen auf ihren Alltag, ihre Selbstbestimmung und ihre gesellschaftliche Teilhabe auswirken. Diese persönlichen Erfahrungen verdeutlichen, dass hinter den abstrakten Zahlen und politischen Entscheidungen konkrete Lebensschicksale stehen.

Forderungen für eine inklusive Gesellschaft

Caritas und Lebenshilfe fordern einen Kurswechsel in der Sozialpolitik. Statt bei den Schwächsten der Gesellschaft zu sparen, sollten Investitionen in Inklusion und Barrierefreiheit verstärkt werden. Dazu gehören:

  • Ausbau der Assistenzleistungen statt deren Kürzung
  • Verstärkte Förderung des inklusiven Arbeitsmarktes
  • Investitionen in barrierefreie Infrastruktur
  • Bessere Bildungs- und Ausbildungschancen
  • Stärkung der Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung

Langfristige gesellschaftliche Kosten

Die beiden Organisationen weisen darauf hin, dass Sparmaßnahmen im Bereich der Inklusion langfristig teurer werden können als Investitionen. Wenn Menschen mit Behinderung nicht die Unterstützung erhalten, die sie für ein selbstbestimmtes Leben benötigen, sind sie dauerhaft auf kostenintensive Betreuungsstrukturen angewiesen. Inklusive Ansätze hingegen ermöglichen es vielen Menschen, eigenständiger zu leben und eigene Beiträge zur Gesellschaft zu leisten.

Pressekonferenz als Aufruf zum Handeln

Die für den 13. April 2026 im Café Museum in Wien angesetzte Pressekonferenz soll nicht nur über die problematische Entwicklung informieren, sondern auch konkrete Lösungsansätze aufzeigen. Neben den Vertretern von Caritas und Lebenshilfe werden auch Betroffene und ihre Interessenvertreter*innen sprechen und ihre Perspektiven einbringen.

Die Veranstalter hoffen, durch die Pressekonferenz eine breitere gesellschaftliche Diskussion über die Bedeutung der Inklusion anzustoßen. Sie betonen, dass es nicht nur um finanzielle Aspekte geht, sondern um grundlegende Menschenrechte und die Frage, welche Art von Gesellschaft Österreich sein möchte.

Information in Leichter Sprache

Bemerkenswert ist, dass die Presseankündigung auch in Leichter Sprache verfügbar gemacht wurde. Dies zeigt das Bemühen der Organisationen, ihre Botschaft auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder anderen kognitiven Beeinträchtigungen zugänglich zu machen. Diese inklusive Kommunikation ist ein praktisches Beispiel dafür, wie Barrierefreiheit in der Praxis umgesetzt werden kann.

Ausblick und nächste Schritte

Die Pressekonferenz von Caritas und Lebenshilfe markiert einen wichtigen Moment in der österreichischen Inklusionsdebatte. Sie macht deutlich, dass die aktuellen Sparmaßnahmen nicht nur kurzfristige Budgetprobleme lösen, sondern langfristige gesellschaftliche Herausforderungen schaffen können.

Die Organisationen rufen Politik, Medien und Gesellschaft dazu auf, sich für eine inklusive Zukunft einzusetzen, in der Menschen mit Behinderung als gleichberechtigte Bürger*innen teilhaben können. Dies erfordert nicht nur finanzielle Investitionen, sondern auch einen Wandel in der gesellschaftlichen Haltung gegenüber Behinderung und Inklusion.

Die Veranstaltung findet am 13. April 2026 um 10 Uhr im Café Museum in der Operngasse 7 im 1. Wiener Bezirk statt. Medienvertreter*innen sind herzlich eingeladen und können sich unter [email protected] anmelden.

Schlagworte

#Inklusion#Behinderung#Caritas#Lebenshilfe#Soziales#Wien#UN-Behindertenrechtskonvention

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