Juristin und Soziologin folgt auf Christoph Koss nach dessen 35-jähriger Vereinstätigkeit
Die erfahrene Menschenrechtsexpertin Dina Nachbaur leitet seit März die sozialarbeiterischen Bereiche des österreichweit tätigen Vereins NEUSTART.
Der Verein NEUSTART, eine der größten Non-Profit-Organisationen Österreichs im Bereich der Straffälligenhilfe, hat eine neue Geschäftsführerin: Dina Nachbaur übernahm am 1. März die Leitung der Sozialarbeit und Organisation der Einrichtungen in allen Bundesländern. Sie tritt damit die Nachfolge von Christoph Koss an, der nach 35 Jahren beim Verein im April seinen wohlverdienten Ruhestand antrat.
NEUSTART setzt weiterhin auf eine geteilte Geschäftsführung: Während Nachbaur für die fachlichen und organisatorischen Bereiche der Sozialarbeit verantwortlich ist, bleibt Alfred Kohlberger als wirtschaftlicher Geschäftsführer im Amt. Kohlberger verantwortet bereits seit 2012 die finanziellen und betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten des Vereins.
Diese bewährte Aufgabenteilung ermöglicht es, sowohl die fachliche Expertise in der Sozialarbeit als auch die wirtschaftliche Stabilität der Organisation optimal zu gewährleisten. Mit 1.750 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern zählt NEUSTART zu den bedeutendsten sozialen Einrichtungen des Landes.
Dina Nachbaur bringt eine beeindruckende fachliche Qualifikation mit: Als Juristin und Soziologin verfügt sie über eine ideale Kombination für die komplexen Aufgaben bei NEUSTART. Seit 2021 war sie bereits beim Verein tätig und leitete die wichtigen Bereiche "Gewaltpräventionsberatung" und "Elektronisch überwachter Hausarrest".
Vor ihrer Tätigkeit bei NEUSTART sammelte Nachbaur wertvolle Erfahrungen in verschiedenen Bereichen: Sie arbeitete in leitenden Positionen in der öffentlichen Verwaltung und war im Opfer- und Gewaltschutz tätig. Besonders prägend war ihre wissenschaftliche Mitarbeit am Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte, die ihre Grundhaltung nachhaltig beeinflusste.
"Menschenrechte sind nach wie vor eine Leitschnur in meinem Handeln", betont Nachbaur ihre Arbeitsphilosophie. "In der Bewährungshilfe und bei anderen Dienstleistungen von NEUSTART arbeiten wir mit Menschen, die verpflichtet sind, unsere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Gerade in diesen Zwangskontexten ist eine Rückkoppelung an die Menschenrechte besonders wichtig."
Diese Haltung ist für die Arbeit bei NEUSTART von zentraler Bedeutung, da der Verein hauptsächlich mit Menschen arbeitet, die durch gerichtliche Auflagen oder behördliche Anordnungen zu bestimmten Maßnahmen verpflichtet sind. Die Balance zwischen notwendiger Kontrolle und respektvollem Umgang stellt eine der größten Herausforderungen in diesem Arbeitsfeld dar.
Christoph Koss kann auf eine bemerkenswerte Laufbahn bei NEUSTART zurückblicken: 35 Jahre war er für den Verein tätig, davon 13 Jahre als Geschäftsführer. Unter seiner Führung gelang es, NEUSTART strategisch weiterzuentwickeln und neue Arbeitsfelder zu erschließen.
Ein besonderer Erfolg seiner Geschäftsführungszeit war die Übernahme der Gewaltpräventionsberatung nach einem Betretungs- und Annäherungsverbot in fünf Bundesländern. Dieses Angebot entwickelte sich unter seiner Leitung zur zweitgrößten Dienstleistung des Vereins nach der klassischen Bewährungshilfe.
Alfred Kohlberger würdigt die Verdienste seines langjährigen Kollegen: "Ich bedanke mich ausdrücklich bei Christoph Koss für die hervorragende Zusammenarbeit und seinen unermüdlichen Einsatz. Er verbindet sozialarbeiterisches Fachwissen, strategisches Know-How und kriminalpolitische Visionen wie wenige andere Menschen."
Kohlberger hebt besonders hervor, dass Koss eine gut aufgestellte Organisation hinterlässt: "Christoph Koss übergibt eine gut aufgestellte Organisation und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit meiner neuen Kollegin in der Geschäftsführung Dina Nachbaur."
Seit 1957 ist NEUSTART in Österreich ein wichtiger Akteur im Bereich der Straffälligenhilfe, Opferhilfe und Prävention. Der Verein bietet sowohl Einzelpersonen als auch der Gesellschaft konkrete Hilfen und Lösungen zur Bewältigung von Konflikten und zum Schutz vor Kriminalität.
Das Angebotsspektrum von NEUSTART umfasst verschiedene Bereiche:
Mit der Übernahme der Geschäftsführung steht Dina Nachbaur vor verschiedenen Herausforderungen. Die Sozialarbeit in Zwangskontexten erfordert nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch ein hohes Maß an Sensibilität im Umgang mit den Klienten.
Die österreichische Gesellschaft sieht sich zunehmend mit komplexeren Formen von Kriminalität und Gewalt konfrontiert. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine erfolgreiche Resozialisierung und Gewaltprävention. NEUSTART muss seine Angebote kontinuierlich an diese sich wandelnden Bedürfnisse anpassen.
Nachbaurs Schwerpunkt auf Menschenrechte könnte neue Impulse für die Arbeit des Vereins bringen. In Zeiten, in denen der Ruf nach härteren Strafen oft laut wird, ist es wichtig, dass Organisationen wie NEUSTART den Fokus auf Rehabilitation und Prävention nicht verlieren.
Die neue Geschäftsführerin bringt mit ihrer Expertise die besten Voraussetzungen mit, um NEUSTART in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Ihre Erfahrung in der Gewaltpräventionsberatung und ihr menschenrechtlicher Ansatz könnten dabei helfen, die Wirksamkeit der Angebote weiter zu steigern.
Der Führungswechsel bei NEUSTART ist nicht nur für den Verein selbst, sondern für die gesamte österreichische Soziallandschaft von Bedeutung. Als eine der größten Non-Profit-Organisationen des Landes hat NEUSTART eine wichtige gesellschaftliche Funktion und trägt maßgeblich zur Kriminalprävention und Resozialisierung bei.
Die erfolgreiche Übergabe der Geschäftsführung zeigt, dass etablierte soziale Einrichtungen auch bei Führungswechseln ihre Kontinuität und Qualität aufrechterhalten können. Dies ist besonders wichtig in einem Arbeitsfeld, das auf Vertrauen und langfristige Beziehungen angewiesen ist.