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Grüne fordern Gesundheitsreformen zum Weltgesundheitstag

Schallmeiner kritisiert Zwei-Klassen-Medizin und Stillstand in der Regierung

7. April 2026 um 11:21
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Ralph Schallmeiner von den Grünen prangert am Weltgesundheitstag die Ungleichheit im österreichischen Gesundheitssystem an und fordert Reformen.

Gesundheit als Postleitzahl-Lotterie: Grüne mahnen dringenden Reformbedarf ein

Zum Weltgesundheitstag am 7. April richtet der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner, deutliche Kritik an das österreichische Gesundheitssystem und die aktuelle Regierungspolitik. In einer scharfen Stellungnahme prangert er die zunehmende Ungleichheit in der medizinischen Versorgung an und fordert substantielle Reformen statt bloßer Ankündigungspolitik.

"Gesundheit ist ein Grundrecht, kein Glücksspiel"

"Wer krank wird, darf nicht davon abhängig sein, wo er lebt oder wie viel Geld er hat", betont Schallmeiner in seiner Kritik. Gesundheit sei ein Grundrecht und keine Frage des Wohnorts oder der finanziellen Möglichkeiten. Diese klare Positionierung zielt direkt auf die aktuellen Missstände im österreichischen Gesundheitswesen ab, wo sich regionale Unterschiede und soziale Ungleichheit zunehmend bemerkbar machen.

Der Grünen-Politiker sieht das System an mehreren neuralgischen Punkten versagen: Lange Wartezeiten prägen den Alltag von Patientinnen und Patienten, die Versorgungsqualität variiert erheblich zwischen den Bundesländern, und der Druck hin zu einer Mehr-Klassen-Medizin nimmt kontinuierlich zu. Diese Entwicklung steht im direkten Widerspruch zum Anspruch eines solidarischen Gesundheitssystems.

Regierungsblockaden behindern notwendige Reformen

Besonders kritisch sieht Schallmeiner die politischen Blockaden innerhalb der Bundesregierung. Während Patientinnen und Patienten auf dringend benötigte Termine warten oder zur Privatfinanzierung gedrängt werden, blockiere sich die Regierung gegenseitig, anstatt mutige Entscheidungen zu treffen. "Während Patient:innen auf Termine warten oder privat zahlen müssen, wird politisch klein-klein gespielt", kritisiert der Gesundheitssprecher scharf.

Diese Kritik richtet sich insbesondere an Sozial- und Gesundheitsministerin Korinna Schumann, von der Schallmeiner konkrete Taten statt großer Ankündigungen ohne Substanz fordert. Die derzeitige Herangehensweise der Regierung sei den komplexen Herausforderungen des Gesundheitswesens nicht gewachsen.

Bundesweite Angleichung als zentrale Forderung

Als Lösungsansatz fordert Schallmeiner ein bundesweit gleichmäßig funktionierendes Gesundheitssystem. Die derzeit bestehenden regionalen Unterschiede in der medizinischen Versorgung müssten durch klare Planung und eine solidarische Finanzierung aus einer Hand beendet werden. Dies würde bedeuten, dass die Qualität der medizinischen Behandlung nicht mehr vom Wohnort oder der finanziellen Ausstattung der Patientinnen und Patienten abhängen dürfte.

"Es darf nicht sein, dass die Qualität der Behandlung davon abhängt, ob man in der Stadt oder am Land lebt oder wie dick die Geldbörse ist", unterstreicht Schallmeiner seine Forderung nach einer grundlegenden Systemreform.

Konkrete Reformvorschläge für ein modernes Gesundheitssystem

Der Grünen-Politiker präsentiert auch konkrete Lösungsansätze für die strukturellen Probleme des österreichischen Gesundheitswesens. An oberster Stelle steht dabei die Forderung nach einer besseren Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung. Diese drei Ebenen müssten ihre Zusammenarbeit deutlich intensivieren und koordinieren, um ein effizientes und gerechtes System zu schaffen.

Ausbau der niedergelassenen Versorgung

Ein wesentlicher Baustein der geforderten Reformen ist der Ausbau des niedergelassenen Bereichs. Hier sieht Schallmeiner erhebliches Potenzial, um die Versorgungsqualität zu verbessern und Wartezeiten zu reduzieren. Gleichzeitig fordert er einen klaren Kompetenzshift zu nicht-ärztlichen Berufen, um das Gesundheitssystem effizienter zu gestalten und Ressourcen optimal zu nutzen.

Diese Neuverteilung der Kompetenzen könnte dazu beitragen, dass mehr Gesundheitsfachkräfte eigenverantwortlich arbeiten können und damit die Gesamtkapazität des Systems erhöht wird. Solche Reformen sind in anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich implementiert worden.

Modernisierung des Berufsrechts

Als weiteren wichtigen Reformbereich identifiziert Schallmeiner das Berufsrecht im Gesundheitswesen. Insbesondere mahnt er ein neues Sanitätergesetz an, das Professionalisierung und Kompetenzerweiterung in den Mittelpunkt stellt. Ein modernes Berufsrecht könne dazu beitragen, dass Gesundheitsfachkräfte ihre Fähigkeiten optimal einsetzen können und das System flexibler auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten reagiert.

Politik muss Verantwortung übernehmen

Schallmeiner fordert von der Politik den Mut, Verantwortung zu übernehmen, anstatt sich hinter formalen Zuständigkeiten zu verstecken. "Das wird Konflikte und harte Verhandlungen brauchen, aber genau diese Auseinandersetzungen sind nötig", betont er. Diese klare Ansage richtet sich an alle politischen Ebenen, die oft lieber Verantwortung delegieren, als schwierige Entscheidungen zu treffen.

Die notwendigen Reformen würden zwangsläufig zu politischen Konflikten führen, da sie etablierte Strukturen und Interessenslagen betreffen. Doch gerade diese Auseinandersetzungen seien unumgänglich, um ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem zu schaffen.

Weltgesundheitstag als Auftrag zum Handeln

Für Schallmeiner ist der Weltgesundheitstag kein Anlass für unverbindliche Sonntagsreden, sondern ein klarer Auftrag zum politischen Handeln. "Ein solidarisches, gerechtes und leistungsfähiges Gesundheitssystem ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine politische Entscheidung und diese Entscheidung muss jetzt getroffen werden", so sein abschließender Appell.

Diese Aussage unterstreicht die Dringlichkeit der geforderten Reformen und macht deutlich, dass aus Sicht der Grünen keine Zeit mehr für weitere Verzögerungen bleibt. Das österreichische Gesundheitssystem stehe an einem Scheideweg, und nur durch entschlossenes politisches Handeln könne eine weitere Verschlechterung der Situation verhindert werden.

Herausforderungen für die Zukunft

Die von Schallmeiner angesprochenen Probleme spiegeln internationale Trends wider, mit denen viele entwickelte Länder kämpfen. Demografischer Wandel, steigende Behandlungskosten und Personalmangel stellen Gesundheitssysteme weltweit vor große Herausforderungen. Österreich steht dabei vor der Aufgabe, sein traditionell solidarisches System zu modernisieren, ohne die Grundprinzipien der sozialen Gerechtigkeit aufzugeben.

Die Forderungen der Grünen zielen darauf ab, diese Balance zu wahren und gleichzeitig die Effizienz und Qualität des Systems zu verbessern. Ob und wie diese Vorschläge politisch umgesetzt werden können, wird maßgeblich von der Bereitschaft aller beteiligten Akteure abhängen, über Partei- und Interessensgrenzen hinweg zu kooperieren.

Schlagworte

#Gesundheitspolitik#Grüne#Weltgesundheitstag#Gesundheitsreform#Ralph Schallmeiner

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