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Bio-Landwirtschaft als Schutzschild gegen Krisen

ETÖ: Geopolitische Konflikte zeigen Schwächen des konventionellen Ernährungssystems auf

8. April 2026 um 08:21
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Steigende Energie- und Düngerpreise belasten Lebensmittelproduktion. Bio-Landwirtschaft bietet mehr Stabilität und Unabhängigkeit.

Die aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten machen sich nicht nur an den Tankstellen bemerkbar. Auch die Lebensmittelpreise stehen unter Druck, da die gesamte Produktionskette von steigenden Energiekosten und Transportpreisen betroffen ist. Besonders drastisch zeigt sich dies bei den Kunstdüngerpreisen, die derzeit die Kosten der konventionellen Landwirtschaft massiv in die Höhe treiben.

Abhängigkeiten des konventionellen Systems werden sichtbar

"Diese Entwicklung legt erneut eine zentrale Schwäche unseres Ernährungssystems offen: seine Abhängigkeit von fossiler Energie, fragilen globalen Lieferstrukturen und externen Betriebsmitteln. All das gefährdet die Versorgungssicherheit im Lebensmittelbereich", warnt Andreas Achleitner, Obmann von Enkeltaugliches Österreich (ETÖ). Die Organisation sieht in der bioregionalen Landwirtschaft einen wesentlichen Weg zur Stärkung der Resilienz des österreichischen Ernährungssystems.

Die konventionelle Landwirtschaft ist in hohem Maße von externen Faktoren abhängig: Energieintensive Kunstdüngerproduktion auf Basis fossiler Rohstoffe, chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Futtermittelimporte aus Übersee machen das System anfällig für globale Krisen und Preisschwankungen.

Bio-Landwirtschaft setzt auf Unabhängigkeit

Im Gegensatz dazu arbeitet die biologische Landwirtschaft mit einem grundlegend anderen Ansatz. "Bio ist deutlich weniger anfällig für die Folgen geopolitischer Krisen. Biobäuerinnen und Biobauern setzen auf Fruchtfolgen, Humusaufbau und weiter geschlossene Nährstoffkreisläufe. Diese Produktionsweise reduziert die Anfälligkeit gegenüber externen Preisschocks und macht das System insgesamt robuster", erklärt Markus Leithner, strategischer Leiter von ETÖ.

Die Bio-Landwirtschaft verzichtet bewusst auf energieintensive Kunstdünger und chemisch-synthetische Spritzmittel. Stattdessen nutzt sie natürliche Prozesse wie Kompostierung, Gründüngung und biologische Schädlingsbekämpfung. Diese Methoden machen Betriebe unabhängiger von schwankenden Weltmarktpreisen und globalen Lieferketten.

Fruchtfolgen und Humusaufbau als Grundlagen

Ein zentraler Baustein der biologischen Landwirtschaft ist die durchdachte Fruchtfolge. Verschiedene Kulturen werden so aufeinander abgestimmt, dass sie sich gegenseitig ergänzen und den Boden natürlich mit Nährstoffen versorgen. Leguminosen wie Klee oder Bohnen reichern beispielsweise Stickstoff im Boden an, der von nachfolgenden Kulturen genutzt werden kann.

Der Humusaufbau spielt eine weitere wichtige Rolle: Ein humusreicher Boden speichert nicht nur mehr Kohlenstoff, sondern auch mehr Wasser und Nährstoffe. Dies macht die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Trockenheit und reduziert den Bedarf an externen Düngern.

Bio als Inflationsbremse im Supermarkt

Die Preisstabilität der biologischen Landwirtschaft zeigt sich auch konkret im Supermarktregal. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 stiegen die Preise für Bio-Lebensmittel deutlich moderater an als jene für konventionelle Produkte. Während konventionelle Lebensmittel um 11,5 Prozent teurer wurden, betrug der Preisanstieg bei Bio-Produkten nur 7,5 Prozent, wie Daten der RollAMA zeigen.

Diese Preisstabilität ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der geringeren Abhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten. Bio-Betriebe sind weniger stark von schwankenden Öl-, Gas- und Düngemittelpreisen betroffen, was sich in stabileren Endverbraucherpreisen niederschlägt.

Politik hinkt eigenen Zielen hinterher

Trotz der offensichtlichen Vorteile der biologischen Landwirtschaft für die Versorgungssicherheit sieht ETÖ erhebliche Defizite bei der politischen Umsetzung. "Bio ist ein strategischer Baustein für die Stabilität des Ernährungssystems in Österreich. Von der Politik erwarten wir uns daher, dass sie die Bio-Landwirtschaft als wichtigen Bestandteil zur Versorgungssicherheit anerkennt und die Rahmenbedingungen für Bio deutlich verbessert", fordert Obmann Achleitner.

Öffentliche Beschaffung als Hebel

Ein konkretes Beispiel für die schleppende Umsetzung ist der "Aktionsplan Nachhaltige Beschaffung" (NaBe). Seit 2025 sollen mindestens 30 Prozent der Lebensmittel in Einrichtungen des Bundes in Bio-Qualität eingekauft werden. Doch dieser Wert wird derzeit meist drastisch verfehlt.

Die öffentliche Verpflegung in Schulen, Krankenhäusern, Kasernen und anderen Bundeseinrichtungen wäre ein wichtiger Hebel zur Stärkung der bioregionalen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Durch die garantierte Nachfrage könnten Bio-Betriebe Planungssicherheit gewinnen und ihre Produktion entsprechend ausweiten.

Bio-Flächenausbau stockt

Auch beim Ausbau der biologisch bewirtschafteten Fläche hinkt Österreich den eigenen Zielen deutlich hinterher. Bis 2030 sollen 35 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaftet werden. Derzeit sind es erst 27 Prozent, obwohl Österreich bereits jetzt einen der höchsten Bio-Anteile weltweit hat.

"Jetzt muss die Politik in die Gänge kommen. Denn wenn es um die Erhöhung der Krisenfestigkeit in der Lebensmittelversorgung geht, führt kein Weg an einer Stärkung von Bio vorbei", betont Leithner abschließend.

Internationale Erfahrungen bestätigen Trend

Österreich ist mit seinen Erkenntnissen nicht allein. Auch in anderen europäischen Ländern zeigt sich, dass biologische Landwirtschaft in Krisenzeiten stabilere Preise und verlässlichere Erträge liefert. Die EU hat dies in ihrer Farm-to-Fork-Strategie anerkannt und strebt bis 2030 einen Bio-Anteil von 25 Prozent in der gesamten Union an.

Die aktuellen geopolitischen Verwerfungen unterstreichen die Dringlichkeit dieser Transformation. Ein resilientes Ernährungssystem braucht eine starke biologische Säule, die unabhängig von volatilen Weltmärkten funktioniert und gleichzeitig positive Effekte für Umwelt und Biodiversität erzielt.

Ausblick: Bio als Zukunftsstrategie

Die Diskussion um Versorgungssicherheit zeigt, dass Bio-Landwirtschaft mehr ist als ein Nischensegment für umweltbewusste Konsumenten. Sie ist ein strategischer Baustein für ein krisenfestes Ernährungssystem. Die Politik steht nun vor der Aufgabe, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und die eigenen Ziele konsequent umzusetzen.

Für Verbraucher bedeutet dies: Der Griff zu Bio-Produkten ist nicht nur ein Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch zur Stabilisierung der heimischen Lebensmittelversorgung. In einer Zeit zunehmender globaler Unsicherheiten wird die Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen und instabilen Lieferketten zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Schlagworte

#Bio-Landwirtschaft#Versorgungssicherheit#ETÖ#Lebensmittelpreise#Nachhaltigkeit

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