Neue Informationsoffensive zur sicheren Entsorgung von Lithium-Batterien startet 2026
36 schwere Brände in Österreichs Entsorgungsbetrieben: Falsch entsorgte Lithium-Akkus werden zur Gefahr. Kampagne soll Bewusstsein schärfen.
Österreich startet eine neue Offensive gegen eine wachsende Gefahr in der Abfallwirtschaft: Falsch entsorgte Lithium-Akkus verursachen immer häufiger schwere Brände in Entsorgungsbetrieben. Allein 2025 verzeichneten heimische Betriebe 36 größere Brandereignisse, die vermutlich auf unsachgemäß entsorgte Batterien zurückzuführen sind. Die Kampagne "Her mit Leer II" soll nun das Bewusstsein der Bevölkerung für die richtige Entsorgung schärfen.
Die Herausforderung liegt oft im Verborgenen: Moderne Alltagsgegenstände wie kabellose Kopfhörer, elektrische Zahnbürsten oder sogar singende Grußkarten enthalten leistungsstarke Lithium-Akkus, die von Verbrauchern häufig nicht als solche erkannt werden. Diese landen dann im Restmüll und werden zu "tickenden Zeitbomben" in der Abfallwirtschaft.
"Lithium-Akkus haben in den letzten Jahren einen technologischen Wandel ermöglicht. Doch diese Fortschrittstechnologie birgt bei unsachgemäßer Entsorgung enorme Gefahren", erklärt Norbert Totschnig, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft.
Die Zahlen zeigen deutlichen Handlungsbedarf: Während die Sammelquote für Altbatterien in Österreich 2022 noch unter dem EU-Schnitt lag, konnte durch die erste Kampagnenphase von 2021 bis 2024 bereits eine Steigerung erzielt werden. Aktuell liegt Österreich mit 53 Prozent zwar über der derzeitigen EU-Mindestmarke von 45 Prozent, doch die Anforderungen steigen drastisch.
"Die neue EU-Batterieverordnung stellt uns vor ambitionierte Ziele: Ab 2028 wird die Sammelquote auf 63 Prozent und bis 2031 sogar auf 73 Prozent angehoben", erklärt Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK).
Die 36 Brandereignisse von 2025 verdeutlichen die Dringlichkeit des Problems. "Solche Vorfälle sind ein ernsthaftes Risiko. Sie gefährden Mitarbeitende und die Funktionsfähigkeit unserer systemrelevanten Entsorgungsinfrastruktur und können bis zum Totalausfall ganzer Anlagen führen", warnt Minister Totschnig.
Besonders problematisch sind E-Zigaretten im Restmüll, die durch mechanische Beschädigungen in Behandlungsanlagen zur Selbstentzündung neigen. Johannes Pressl, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes, appelliert daher eindringlich: "Ich bitte alle inständig, Batterien gesondert zu entsorgen. Denn fast täglich brennt es irgendwo in einer Müllentsorgungsanlage."
Die neue Kampagne "Her mit Leer II" wird von einer breiten Allianz getragen: Neben dem Bundesministerium (BMLUK) und der EAK sind der Österreichische Gemeindebund und die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) beteiligt. Diese Kooperation ermöglicht eine flächendeckende Umsetzung der Informationsoffensive.
"Mit 'Her mit Leer II' wollen wir die Bevölkerung umfassend aufklären und motivieren. Jeder einzelne Beitrag zählt, um die akute Brandgefahr durch Fehlwürfe zu bannen", betont Minister Totschnig. Sein Ziel ist es, dass Österreich bei der Sammelquote nicht nur zum EU-Schnitt aufschließt, sondern eine Vorreiterrolle in der sicheren Kreislaufwirtschaft einnimmt.
Die österreichischen Gemeinden haben bereits die Infrastruktur geschaffen: An mehr als 2.000 Sammelstellen können Bürger ihre Altbatterien kostenlos abgeben. "Die Gemeinden stehen bereit, ihren Teil zu leisten. Jetzt gilt es, die Bevölkerung noch stärker mitzunehmen", erklärt Gemeindebund-Präsident Pressl.
Eine zentrale Rolle spielt der Elektro- und Einrichtungsfachhandel. "Als flächendeckende Nahversorger sehen wir uns als unverzichtbare Partner für die sichere Rücknahme von Batterien", betont Robert Pfarrwaller, Obmann des entsprechenden Bundesgremiums in der WKO.
Der stationäre Handel leistet dabei erhebliche Zusatzarbeit: "Wir nehmen als kostenloses Service auch Altbatterien aus Onlinekäufen in Drittstaaten an und sorgen für deren hochprofessionelle Entsorgung", erklärt Pfarrwaller. Er appelliert an die Konsumenten, die unkomplizierte Rückgabe direkt beim nächsten Einkauf im Fachhandel zu nutzen.
Kreativ setzt die Kampagne auf Wiedererkennung: Die bereits bekannte Batterien-Figur "Hermit" erhält ein Alter-Ego namens "Li-Zifer". Während Hermit die personifizierte sichere Batterie darstellt, verkörpert Li-Zifer die Gefahr bei falscher Entsorgung.
"Information allein reicht nicht mehr aus – wir müssen eine Verhaltensveränderung herbeiführen", erklärt EAK-Geschäftsführerin Giehser. Der begleitende Slogan "Sei kein Zündler" vermittelt die klare Botschaft, dass falsch entsorgte Batterien Brände verursachen und Umwelt sowie Abfallwirtschaft schaden.
Die Kampagne startet im April 2026 und läuft drei Jahre lang. Der Maßnahmen-Mix umfasst:
Die neue EU-Batterieverordnung verschärft den Handlungsdruck erheblich. "Diese verbindlichen Vorgaben sind rechtlich wegweisend, doch die bloße Anhebung der Quote reicht nicht aus", warnt EAK-Geschäftsführerin Giehser. Das drängendste Problem bleiben die gestiegenen Brandereignisse in Recyclingbetrieben.
Die Kampagne zielt darauf ab, die Rückgabe und Entsorgung so selbstverständlich zu machen wie den Neukauf. "Nur wenn wir dies erreichen, können wir die Brandgefahr minimieren und wertvolle Rohstoffe dauerhaft im Kreislauf halten", so Giehser.
Eine besondere Herausforderung stellt die Kluft zwischen Wissen und Handeln dar. Obwohl das Wissen der Bevölkerung über die richtige Entsorgung von Lithium-Akkus seit 2016 stetig gestiegen ist, stimmt das Bewusstsein oft nicht mit dem tatsächlichen Verhalten überein.
Die Kampagne "Her mit Leer II" soll diese Lücke schließen und eine nachhaltige Verhaltensänderung in der österreichischen Bevölkerung bewirken. Dabei geht es nicht nur um Umweltschutz, sondern um die Sicherheit der gesamten Abfallwirtschaftsinfrastruktur und den Schutz von Menschenleben.