Budgetdefizit bleibt deutlich über EU-Obergrenze
Das österreichische Budgetdefizit wird 2027 bei 4,1% des BIP liegen. Für das Regierungsziel von 3,5% sind zusätzliche Einsparungen erforderlich.
Das Fiskalratsbüro prognostiziert für die Jahre 2026 und 2027 weiterhin hohe Budgetdefizite von 4,0% bzw. 4,1% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit bleibt Österreich deutlich über der EU-Obergrenze von 3% und verfehlt die Budgetziele der Bundesregierung.
Um das von der Bundesregierung angestrebte Defizitziel von 3,5% des BIP bis 2027 zu erreichen, sind zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen im Umfang von 4,4 Milliarden Euro erforderlich. Bereits 2025 konnte das Budgetdefizit zwar von 4,6% auf 4,2% des BIP gesenkt werden, bleibt aber weiterhin deutlich über der europäischen Obergrenze.
"Rasch wirksame zusätzliche Konsolidierungsschritte sind daher nötig", warnt das Fiskalratsbüro. Die bisherigen Konsolidierungsmaßnahmen, darunter die Streichung des Klimabonus und der Rückgang von Subventionen, zeigten zwar Wirkung, reichten aber nicht aus.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung der Staatsschuldenquote. Das Fiskalratsbüro erwartet einen kontinuierlichen Anstieg von derzeit 81,5% auf 85% des BIP bis 2027. Damit nähert sich Österreich seinem historischen Höchststand von 85,6% aus dem Jahr 2015 an.
Im Gegensatz zum damaligen Anstieg durch die Bankenverstaatlichung ist der aktuelle Schuldenanstieg nicht mit dem Erwerb von Vermögenswerten verbunden. "Eine automatische Rückführung der Verschuldung ist damit ausgeschlossen", stellt das Fiskalratsbüro fest.
Trotz moderater Ausgabensteigerungen von 3,6% im Jahr 2025 (2024: +9,3%) bleibt das strukturelle Ausgabenwachstum hoch. Verantwortlich dafür sind vor allem:
Die voranschreitende Alterung der Gesellschaft, steigende Finanzierungskosten durch die Zinsnormalisierung und der erhöhte österreichische EU-Beitrag im Rahmen des neuen EU-Budgetrahmens werden die Ausgabendynamik auch mittelfristig hoch halten.
Die makroökonomische Entwicklung unterliegt laut Fiskalrat hoher geopolitischer Unsicherheit. Die sich Anfang 2026 abzeichnende Konjunkturerholung schwäche sich aufgrund der angespannten geopolitischen Lage und der jüngsten Kriegshandlungen in Nahost ab.
"Das Risiko einer drastischen konjunkturellen Eintrübung und damit Verschlechterung des Budgetsaldos steigt mit Fortdauer des Krieges im Iran", warnt das Fiskalratsbüro. Als Faustregel gelte: Sinkt das reale BIP um 1 Prozent, verschlechtert sich der Budgetsaldo um 0,5% des BIP.