Erste umfassende Schau zur Wiener Werkstätte-Keramikerin ab April 2026
Das MAK zeigt ab 29. April 2026 die erste große Retrospektive zu Vally Wieselthier mit 160 Objekten aus Europa und den USA.
Das MAK – Museum für angewandte Kunst präsentiert von 29. April 2026 bis 10. Jänner 2027 die Ausstellung "VALLY WIESELTHIER: Bild und Ton". Die Schau rückt erstmals umfassend die Karriere der berühmten Gestalterin (1895-1945) in Europa und den Vereinigten Staaten ins Zentrum. Anhand von 160 Objekten zeigt das MAK ihre nachhaltige Wirkung auf die österreichische Kunstkeramik bis heute.
Anlass der Ausstellung ist die teilweise Übernahme von Wieselthiers Nachlass aus dem Besitz ihrer US-amerikanischen Familie. Das MAK verfügt bereits über einzigartige Quellen und Objekte zu ihrem Leben und Werk aus dem Archiv der Wiener Werkstätte, die nun durch die Schenkung des gesamten Papier-Nachlasses substanziell bereichert werden.
Wieselthier war Schülerin von Josef Hoffmann und Michael Powolny an der Wiener Kunstgewerbeschule und gilt als prominenteste Vertreterin der ganz von Künstlerinnen geprägten Wiener-Werkstätte-Keramik. Ab 1927 leitete sie die Produktionsstätte und entwickelte eine neue Form der Keramikskulptur von bis dahin unbekannter Expressivität.
1914 machte sie heimlich die Aufnahmeprüfung an der Kunstgewerbeschule und studierte bei Koloman Moser, Josef Hoffmann, Michael Powolny und der Textilkünstlerin Rosalia Rothansl. 1917 holte Hoffmann seine Studentin in die Wiener Werkstätte, wo sie in der Künstlerwerkstätte alle Freiheiten hatte, mit diversen Materialien zu experimentieren. Die ersten Jahre bezeichnete Wieselthier später als die glücklichsten ihres Lebens.
Eine der herausragenden Arbeiten der Ausstellung ist die 1928 in der Wiener Werkstätte entstandene Keramikfigur "Flora" – eine kniende Frau, deren Körper von orangefarbenen Blüten und wilden blauen Schraffuren bedeckt ist. Als zentrales Werk expressiver Keramik verkörpert sie das neue Frauenbild der Zwischenkriegszeit: souverän, unabhängig und selbstbestimmt.
Der Untertitel "Bild und Ton" verweist auf einen zentralen Aspekt ihres Schaffens: Zeichnungen, Illustrationen und Entwürfe spielten eine ebenso wesentliche Rolle wie die Keramik. Dies wird besonders deutlich in ihrer Wiener-Werkstätte-Zeit, aber auch in den frühen Illustrationen für die Mappenwerke "Mode Wien 1914/5" und "Das Leben einer Dame".
Anlässlich der "International Exhibition of Ceramic Art" im Metropolitan Museum of Art reiste Wieselthier 1928 nach New York, um schließlich dort zu bleiben. Einen ihrer ersten Aufträge erhielt sie von Architekt Ely Jacques Kahn, der sie bat, Lifttüren für ein Hochhaus in Manhattan zu gestalten.
In den USA arbeitete Wieselthier nicht nur als Keramikerin, sondern auch als Modedesignerin, Illustratorin und Schaufenstergestalterin. Ein Nachruf in der "New York Times" anlässlich ihres Todes am 1. September 1945 würdigte sie als "internationally known as a leader of the modern school of ceramic art".