Bildungsminister informiert über Inklusions-Pläne und digitale Schulangebote
Ab 2027/28 sollen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf Rechtsanspruch auf das 11. und 12. Schuljahr erhalten.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat im Bildungsausschuss des Nationalrats wichtige Neuerungen für das österreichische Schulsystem angekündigt. Der Rechtsanspruch auf das 11. und 12. Schuljahr für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf "soll und werde" kommen und sei ab dem Schuljahr 2027/28 vorgesehen, erklärte Wiederkehr während einer aktuellen Aussprache.
Wiederkehr informierte die Abgeordneten über die Regierungspläne zur Stärkung der Inklusions- und Sonderpädagogik. Das Verfahren zur Feststellung von sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) solle "neu aufgestellt" werden. Zudem betonte der Minister, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf bestmöglich ausgebildete Lehrkräfte benötigen.
Auf die Forderung nach Entlastung der Lehrkräfte antwortete Wiederkehr, dass die Reduktion von Bürokratie hohe Priorität habe. Als Beispiel nannte er die Initiative "Freiraum Schule". Auch die Einführung eines mittleren Managements an Pflichtschulen trage zur Entlastung bei, wovon durch ein "gestaffeltes Modell" auch Kleinschulen profitieren würden.
Bei der Nutzung von ChatGPT an Schulen zeigte sich Wiederkehr zurückhaltend. Die Finanzierung dieses Programms für Schulen empfehle das Bildungsministerium nicht, da dessen Nutzung aus Datenschutz-Perspektive problematisch sei. Stattdessen verwies er auf "andere Lösungen" und stellte eine Erweiterung des KI-Angebots für Lehrkräfte in Aussicht.
Für Lern-Apps verwies der Minister auf die Initiative "Marktplatz Lernapps" und deren Zulassungsverfahren, um den Mehrwert der digitalen Angebote sicherzustellen.
Zu Ganztagsschulen erklärte Wiederkehr, dass diese die Chancengerechtigkeit verbessern und zu besseren Leistungen führen können. Die Forschung arbeite derzeit an wissenschaftlichen Befunden aus Österreich zu diesem Thema.
Für eine nachhaltige Erhöhung des Leistungsniveaus setze das Ministerium einerseits auf die Stärkung von Grundkompetenzen als Fundament, andererseits auf "neue" Kompetenzen in den Bereichen Digitalisierung, KI sowie "Medien und Demokratie".
Der Bildungsausschuss nahm mehrheitlich den Bericht über EU-Vorhaben im Bildungsbereich für 2026 zur Kenntnis. Das Jahr 2026 steht im Zeichen der "fortschreitenden Umsetzung" des Europäischen Bildungsraums bis 2030. Für Österreich stehen 2026 rund 76,5 Millionen Euro für Mobilitäts- und Kooperationsprojekte zur Verfügung.
Wiederkehr bezeichnete 2026 als bedeutendes Jahr für die europäische Bildungszusammenarbeit, da die Weichen für das Nachfolgeprogramm von Erasmus+ für 2028 bis 2034 gestellt werden. Österreich setze sich dafür ein, dass mehr Lehrlinge das Programm nutzen können.