Arbeitgeber betonen Grenzen der finanziellen Belastbarkeit
Georg Imlauer und Alois Rainer sehen Gastgewerbe unter Druck und fordern tragfähige Kollektivvertrags-Abschlüsse.
Die Obleute der gastgewerblichen Verbände in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Georg Imlauer und Alois Rainer, bekräftigen ihre Position in den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen: Die Abschlüsse müssen sich an der wirtschaftlichen Realität orientieren.
Die Arbeitgebervertreter verweisen auf bereits erfolgte Zugeständnisse: "Wir sind der Gewerkschaft in den Verhandlungen sehr weit entgegengekommen, haben zuletzt nachgeschärft und zwei faire Angebote vorgelegt", so Rainer und Imlauer. Sie kritisieren, dass trotz deutlicher Lohnsteigerungen weitere Forderungen gestellt werden.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In den vergangenen vier Jahren sind die Mindestlöhne und -gehälter um 27,1 Prozent gestiegen. Sämtliche Kollektivvertrags-Abschlüsse lagen über der Inflationsrate. Zusätzlich wurde mit dem neuen Rahmenkollektivvertrag ein umfassendes Paket mit strukturellen Verbesserungen für die Beschäftigten umgesetzt.
Die wirtschaftliche Lage des Gastgewerbes zeichnet ein angespanntes Bild. Die operativen Ergebnisse bleiben unter Druck, während Umsatzsteigerungen vielfach kostengetrieben sind und sich nicht in besseren Margen niederschlagen. Umsatz und Ertrag entwickeln sich zunehmend auseinander.
Prognosen von WIFO, IHS, Statistik Austria sowie der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank bestätigen die anhaltend angespannte gesamtwirtschaftliche Lage, die durch geopolitische Entwicklungen zusätzlich belastet wird.
Besonders deutlich zeigen sich die Probleme im internationalen Geschäft. "Wir beobachten eine deutlich verhaltene Nachfrage aus Fernmärkten, vor allem aus Asien. Reisegruppen bleiben aus, gleichzeitig sind Flugverbindungen teurer oder schwieriger geworden", erklärt Imlauer.
Strukturelle Veränderungen im Flugangebot verschärfen die Situation zusätzlich. Der teilweise Rückzug von Airlines wie Ryanair und Wizz Air aus Wien führt zu spürbaren Gästeverlusten, was sich unmittelbar auf die Nachfrage auswirkt.
In der Wiener Stadthotellerie ist der Druck besonders hoch. "In Wien verzeichnen wir derzeit Rückgänge von rund 15 Prozent sowohl bei der Auslastung als auch bei den erzielbaren Preisen", analysiert Imlauer. Dies zeige klar, dass die Preisdurchsetzung nicht funktioniere und die wirtschaftliche Lage angespannt bleibe – insbesondere für international ausgerichtete Betriebe sowie die 4- und 5-Sterne-Hotellerie.
Auch in der Gastronomie zeigt sich ein deutlich geändertes Konsumverhalten. "Vor allem heimische Gäste gehen seltener auswärts essen und konsumieren pro Besuch weniger. Das spüren vor allem unsere vielen kleinstrukturierten Wirtshäuser", hält Rainer fest.
Die aktuelle Branchenanalyse "Fitness-Check Gastronomie" bestätigt, dass besonders kleine Betriebe massiv unter Druck stehen.
Vor diesem Hintergrund ziehen die Arbeitgeber eine klare Linie: "Als Arbeitgeber tragen wir Verantwortung für Betriebe und Beschäftigte. Diese beginnt mit einem klaren Blick auf die wirtschaftliche Realität. Wunschdenken ersetzt keine wirtschaftliche Grundlage – entscheidend sind tragfähige Lösungen, die auch langfristig Bestand haben", so Imlauer und Rainer abschließend.