Österreichs Energiesystem steht vor der größten Transformation seit Jahrzehnten. Während Politiker über Klimaziele diskutieren, investieren die Netzbetreiber bereits Milliarden in die Zukunft der E...
Allein die fünf großen Verteilernetzbetreiber planen bis 2030 Investitionen von 4,7 Milliarden Euro. Laut einer Studie des Economica Instituts aus 2023 zeigen Investitionen in die Energie-Infrastruktur eine besonders hohe indirekte Beschäftigungswirkung; der Studie zufolge sichern die Investitionen der Branche über 100.000 Arbeitsplätze bei heimischen Partnerbetrieben.
Thomas Angerer, Geschäftsführer der Wiener Netze, sagte beim Energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit am 23. März: "Die Netze sind Treiber der Energiewende, Rückgrat der Wirtschaft und überdies noch Wachstumsmotor als Treiber von Innovationen und Investitionen." Er verwies zudem auf die Notwendigkeit langfristiger Planungssicherheit für Netzbetreiber.
Die fünf Mitgliedsunternehmen des Forums Versorgungssicherheit – Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich – planen bis 2030 den genannten Ausbau. Diese Investitionen bilden die Grundlage für die Transformation des Energiesystems, heißt es im OTS.
Laut der von der E-Control Austria veröffentlichten Ausfall- und Störungsstatistik sind die Wiener Stromkund*innen statistisch nur alle vier Jahre von einer Versorgungsunterbrechung betroffen; der europäische Durchschnitt liegt bei 15 Monaten. Der System Average Interruption Duration Index (SAIDI) im Wiener Stromnetz liegt mit 18 Minuten unter dem Österreichschnitt von 23 Minuten. Angerer erklärte dazu: "Das ist die Jahressumme von kleineren, oft nur Sekunden dauernden Unterbrechungen, wahrscheinlich wurden die meisten nicht einmal wahrgenommen."
Angerer betonte, dass Strom, erneuerbare Gase sowie Wärme- und Kältenetze künftig stärker miteinander verknüpft werden müssen. Er nannte als Beispiel: "Wenn in einem Gebiet das Gasnetz stillgelegt werden soll, muss als Alternative entweder Fernwärme zur Verfügung stehen, oder die Haushalte stellen auf Wärmepumpen um, wodurch der Strombedarf steigt. Der Aus- oder Umbau dieser drei Netze muss daher abgestimmt geplant werden."
Er wies außerdem darauf hin, dass für Netzbetreiber derzeit noch eine Anschlussverpflichtung gilt: "Wir müssen also auf Wunsch jeden neuen Gaskunden versorgen. Es braucht daher klare politische Vorgaben, wo in Zukunft fossiles Gas durch einen anderen Energieträger ersetzt werden soll."
Die Wiener Netze vereinen mehrere leitungsgebundene Energieformen und arbeiten laut OTS eng mit anderen Netzbetreibern zusammen, um die Infrastruktur effizient weiterzuentwickeln.
Um für die künftigen Aufgaben gewappnet zu sein, planen die Wiener Netze bis 2030 Investitionen in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro. Rund Dreiviertel davon entfallen auf die Aufrüstung des Stromnetzes. Bei den fünf Mitgliedsunternehmen des Forums Versorgungssicherheit summieren sich die Ausbaupläne bis 2030 auf rund 4,7 Milliarden Euro.
Angerer zitierte die Economica-Studie aus 2023: "Demnach zeigen Investitionen in die Energie-Infrastruktur eine besonders hohe indirekte Beschäftigungswirkung. Laut Economica Studie sichern die Investitionen der Branche über 100.000 Arbeitsplätze bei heimischen Partnerbetrieben."
Die Stadt Wien hat das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden, so Angerer. Im OTS wird ausgeführt, dass Fernwärme künftig eine zentrale Rolle spielen werde, ergänzt durch Nahwärmelösungen, Geothermie sowie Wärmepumpen, und dass das Stromnetz zunehmend zum Rückgrat der Wärmewende werde. Fossiles Gas werde nach und nach ersetzt; es wird im OTS zudem aufgeführt, dass Teile der bestehenden Gasinfrastruktur künftig für klimaneutrale Gase genutzt werden können.
Angerer sagte außerdem: "Gas befindet sich bereits auf dem Rückzug. In den letzten Jahren wurden pro Jahr etwa 10.000 Zählpunkte von Gasbeziehern abgemeldet."
Er betonte die Notwendigkeit einer langfristigen Energieraumplanung, um Doppelgleisigkeiten und Stranded Costs zu vermeiden, und verwies auf die noch in den Anfängen stehende Rolle von Wasserstoff: "Dennoch braucht der mögliche Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur frühzeitige strategische Entscheidungen."
Für die Netzbetreiber sind klare strategische Entscheidungen von Seiten der Stadt- und Regionalplanung unerlässlich. Im OTS werden das Gaswirtschaftsgesetz (GWG) und das Erneuerbare-Gase-Gesetz (EGG) als Gesetze genannt, die die Zukunft der Gasinfrastruktur neu regeln sollen. Angerer sagte: "Die Grundsatzentscheidungen darüber, welche Netzteile stillgelegt werden sollen, wo eine alternative Versorgung aufgebaut werden muss oder wo Biomethan zum Einsatz kommt – diese Vorgaben erwarten wir uns von der Politik. Ein rechtssicherer Rahmen ist die Voraussetzung dafür, die nötigen Investitionsentscheidungen tätigen zu können."
Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich.