Am 11. Dezember 2025 veröffentlichte die Ärztekammer Wien die Ergebnisse einer aufschlussreichen Umfrage, die die Unzufriedenheit der Wiener Ärztinnen und Ärzte mit dem Wohlfahrtsfonds (WFF) offenlegt. Die Umfrage, durchgeführt von Peter Hajek, zeigt, dass nur 5 % der Befragten den WFF als „sehr gut
Am 11. Dezember 2025 veröffentlichte die Ärztekammer Wien die Ergebnisse einer aufschlussreichen Umfrage, die die Unzufriedenheit der Wiener Ärztinnen und Ärzte mit dem Wohlfahrtsfonds (WFF) offenlegt. Die Umfrage, durchgeführt von Peter Hajek, zeigt, dass nur 5 % der Befragten den WFF als „sehr gute Sache“ zur Pensionsvorsorge betrachten. Diese Zahlen sind alarmierend, insbesondere angesichts der Tatsache, dass es sich um eine von der Ärztekammer selbst in Auftrag gegebene Studie handelt.
Der Wohlfahrtsfonds, der als Zusatzpensionssystem für Ärztinnen und Ärzte in Wien fungiert, steht massiv in der Kritik. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass 45 % der Befragten den Fonds sehr kritisch sehen, während weitere 29 % ihn zumindest kritisch bewerten. Ein Hauptkritikpunkt ist die verpflichtende Mitgliedschaft, die 41 % der Befragten als problematisch empfinden. Hinzu kommen die hohen Beiträge, die bei gleichzeitiger geringer Rendite von 36 % der Umfrageteilnehmer bemängelt werden.
Der Wohlfahrtsfonds wurde ursprünglich als Sicherheitsnetz für die Pensionsvorsorge der Ärztinnen und Ärzte eingeführt. Historisch gesehen sollte er die finanzielle Sicherheit im Alter gewährleisten und eine Ergänzung zur staatlichen Pensionsversicherung bieten. Doch im Laufe der Jahre hat sich gezeigt, dass die Verwaltung des Fonds nicht immer optimal verlief. Schon in der Vergangenheit kam es zu Verlusten und Unregelmäßigkeiten, die das Vertrauen der Mitglieder erschütterten.
Ein besonders umstrittener Punkt ist die Investitionsstrategie des Fonds. Rund 50 % des Vermögens sind in Immobilien angelegt, was zu einem erheblichen Klumpenrisiko führt. Der Kauf des Wiener Grabenhofs im Jahr 2021 für 340 Millionen Euro, finanziert durch einen Kredit über 300 Millionen Euro, wurde vom Rechnungshof kritisiert. Diese Investition wird als riskant angesehen, da der Kredit endfällig ist und die Rückzahlung erst in der Zukunft fällig wird, wenn die Verantwortlichen bereits in Pension sind.
Im Vergleich zu ähnlichen Systemen in Deutschland und der Schweiz zeigt sich, dass der österreichische Wohlfahrtsfonds in Bezug auf Transparenz und Rendite hinterherhinkt. In der Schweiz beispielsweise sind Pensionskassen oft transparenter und bieten den Versicherten mehr Mitspracherecht. Auch in Deutschland gibt es Modelle, die eine freiwillige Mitgliedschaft in Zusatzpensionssystemen ermöglichen, was in Österreich derzeit nicht der Fall ist.
Die Unzufriedenheit mit dem Wohlfahrtsfonds hat direkte Auswirkungen auf die Ärztinnen und Ärzte in Wien. Viele von ihnen fühlen sich durch die hohen Beiträge finanziell belastet, ohne dass sie im Gegenzug eine adäquate Rendite oder Unterstützung erhalten. Ein Beispiel hierfür ist die Krankenunterstützung, die 83 % der Befragten noch nie in Anspruch nehmen konnten. Diese finanzielle Belastung führt dazu, dass viele Ärztinnen und Ärzte nach alternativen Möglichkeiten der Altersvorsorge suchen.
Die Umfrageergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: 77 % der Befragten sind mit der Beitragshöhe „gar nicht“ oder „nicht“ zufrieden. Selbst unter denjenigen, die bereits eine WFF-Pension beziehen, liegt die Unzufriedenheit bei 70 %. Nur 6 % der Befragten sind mit der Servicequalität des Fonds zufrieden, und das Vertrauen in die Verwaltung ist mit 3 % sehr gering. Diese Zahlen verdeutlichen den enormen Vertrauensverlust, den der Fonds in den letzten Jahren erlitten hat.
DDr. Christian Fiala, ein prominenter Kritiker des Wohlfahrtsfonds, fordert eine grundlegende Reform des Systems. Er plädiert für eine freiwillige Mitgliedschaft und schlägt vor, den Fonds vollständig in die Sozialversicherungsanstalt (SVA) zu überführen, ähnlich wie es bei der Ziviltechnikerkammer bereits 2015 geschehen ist. Diese Schritte könnten dazu beitragen, das Vertrauen der Mitglieder zurückzugewinnen und die finanzielle Stabilität des Fonds zu sichern.
Die Zukunft des Wohlfahrtsfonds hängt maßgeblich davon ab, wie die Verantwortlichen auf die Kritik reagieren. Eine stärkere Einbindung der Mitglieder in Entscheidungsprozesse und eine transparentere Verwaltung könnten erste Schritte in die richtige Richtung sein.
Die Ergebnisse der Umfrage sind ein Weckruf für die Verantwortlichen des Wohlfahrtsfonds. Angesichts der weit verbreiteten Unzufriedenheit ist es an der Zeit, die Weichen für eine Reform zu stellen. Die Einführung einer freiwilligen Mitgliedschaft und eine transparentere Verwaltung könnten dazu beitragen, das Vertrauen der Ärztinnen und Ärzte zurückzugewinnen. Die Zukunft des Fonds hängt davon ab, ob es gelingt, die Mitgliederbedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen und die finanzielle Stabilität langfristig zu sichern.
Weitere Informationen zum Wohlfahrtsfonds finden Sie auf der offiziellen Website: Wohlfahrtsfonds.