Am 28. Oktober 2025, einem kühlen Herbsttag in Wien, versammelten sich Journalisten, Mediziner und Interessierte, um einer besonderen Preisverleihung beizuwohnen. Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Johannes Steinhart, überreichte den prestigeträchtigen „Preis für besondere publizistisch
Am 28. Oktober 2025, einem kühlen Herbsttag in Wien, versammelten sich Journalisten, Mediziner und Interessierte, um einer besonderen Preisverleihung beizuwohnen. Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Johannes Steinhart, überreichte den prestigeträchtigen „Preis für besondere publizistische Leistungen im Interesse des Gesundheitswesens“. Diese Auszeichnung, die seit 1975 verliehen wird, ehrt journalistische Arbeiten, die gesundheitspolitische Themen auf umfassende, faktentreue und nachvollziehbare Weise darstellen.
Für das Jahr 2024 wurden Constanze Ertl vom ORF und Christian Haberhauer von der APA für ihre intensive Berichterstattung über ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom) ausgezeichnet. Diese Erkrankung, die oft missverstanden und unterschätzt wird, rückt dank ihrer Arbeit in den Fokus der Öffentlichkeit.
Constanze Ertl hat in ihren Beiträgen für Ö1 und den ORF die persönlichen Herausforderungen der ME/CFS-Betroffenen eindrucksvoll geschildert. In ihren minutiös recherchierten Reportagen gibt sie den Betroffenen und ihren Angehörigen eine Stimme. Sie beschreibt eindrücklich, wie jede Bewegung zur Qual, jede Berührung schmerzhaft und jeder Lichtstrahl unerträglich sein kann. Ihre Beiträge sind nicht nur emotional und berührend, sondern bieten auch Hoffnung und Orientierung für die Betroffenen. Johannes Steinhart lobte diese Arbeiten als „emotional und berührend, ohne dabei effektheischend zu sein“.
Christian Haberhauer, der aufgrund einer Erkrankung durch seinen Kollegen Christian Hammer vertreten wurde, erhielt den Preis für seine tiefgehenden Analysen, die in der APA veröffentlicht wurden. Er betont die Gefahren, wenn ME/CFS mit psychischen Erkrankungen verwechselt wird, was zu Fehlbehandlungen führen kann. Seine Artikel bieten eine fachübergreifende Perspektive, die sowohl Neurologen als auch Psychiater und Psychologen einbezieht. Steinhart würdigte diese Arbeiten als „fundiert und dennoch leicht verständlich“.
ME/CFS ist eine komplexe Erkrankung, die das österreichische Gesundheitssystem vor erhebliche Herausforderungen stellt. Die Krankheit ist durch anhaltende Erschöpfung gekennzeichnet, die nicht durch Ruhe gelindert wird. Betroffene können oft ihren Alltag nicht mehr bewältigen. Die Arbeiten von Ertl und Haberhauer verdeutlichen nicht nur die Belastungen der Betroffenen, sondern auch die systemischen Mängel, wie unzureichende Forschung und fehlende Behandlungsstellen.
Die Geschichte von ME/CFS reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als ähnliche Symptome erstmals beschrieben wurden. Doch erst in den letzten Jahrzehnten wurde die Krankheit als eigenständige Diagnose anerkannt. In Österreich ist die Forschung noch in den Kinderschuhen, was die Arbeiten von Ertl und Haberhauer umso wichtiger macht.
In Ländern wie den USA und Großbritannien wird ME/CFS bereits intensiver erforscht und behandelt. Österreich hinkt hier noch hinterher, was auf eine lange Tradition der Verharmlosung und Stigmatisierung zurückzuführen ist. Die Anerkennung der Krankheit durch die Ärztekammer und die Auszeichnung der Journalisten sind wichtige Schritte, um das Bewusstsein zu schärfen.
Für Betroffene bedeutet ME/CFS oft einen drastischen Einschnitt ins Leben. Sie sind nicht nur körperlich eingeschränkt, sondern müssen auch mit sozialer Isolation und Missverständnissen kämpfen. Die Berichterstattung von Ertl und Haberhauer hilft, diese Barrieren abzubauen und das Verständnis in der Gesellschaft zu fördern.
Die Ärztekammer betont die Notwendigkeit weiterer Forschung und die Schaffung von Behandlungszentren. Die Berichterstattung über ME/CFS soll auch in Zukunft fortgesetzt werden, um kontinuierlich aufzuklären und Verbesserungen einzufordern. Steinhart erklärte abschließend, dass die Ärztekammer weiterhin daran arbeiten wird, die Situation der Betroffenen zu verbessern.
Ein anonymer Experte aus dem Gesundheitswesen sagte: „Die Anerkennung von ME/CFS ist ein wichtiger Schritt. Doch es bedarf noch viel Arbeit, um die Versorgung der Betroffenen zu verbessern. Die Auszeichnung der Journalisten zeigt, dass die Thematik ernst genommen wird.“
Die Preisverleihung der Ärztekammer ist ein bedeutendes Signal für die Anerkennung von ME/CFS in Österreich. Die journalistischen Arbeiten von Ertl und Haberhauer tragen entscheidend dazu bei, das Bewusstsein für diese oft übersehene Krankheit zu schärfen und den Betroffenen eine Stimme zu geben. Die Zukunft wird zeigen, ob die notwendigen Schritte unternommen werden, um die Forschung und Behandlung in diesem Bereich zu verbessern.