Arbeiterkammer Oberösterreich prüft 68 Produkte - erschreckende Ergebnisse
Von fruchtig bis herzhaft - doch hinter bunten Verpackungen verbergen sich oft ungesunde Inhaltsstoffe. AK-Test zeigt große Qualitätsunterschiede.
Das Kinderregal im Supermarkt lockt mit bunten Verpackungen und gesunden Versprechungen: Knabbersnacks mit Früchten und Gemüse sollen den Nachwuchs gesund ernähren. Doch ein aktueller Test der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt eine andere Realität. Von 68 untersuchten Produkten enthalten viele zugesetzten Zucker, Salz und diverse Zusatzstoffe - besonders jene ohne Altersempfehlung schneiden schlecht ab.
Was einst mit simplen Reiswaffeln und Maisstangen begann, hat sich zu einem millionenschweren Marktsegment entwickelt. Heute finden Eltern im Supermarkt eine schier endlose Auswahl: von fruchtig-süßen Varianten bis hin zu herzhaft-pikanten Snacks mit Gemüsegeschmack. Die Hersteller werben geschickt mit Abbildungen bunter Früchte und knackigem Gemüse, vermitteln ein rundum gesundes Image.
Für den umfassenden Produktvergleich untersuchte die AK Oberösterreich verschiedenste Knabbersnacks auf Getreide- oder Hülsenfruchtbasis. Das Spektrum reichte von klassischen Reis- und Maiswaffeln über Flips und Knusperstangen bis hin zu kleinen Tierformen. Viele Produkte trugen spezielle Altersempfehlungen - von Babys ab dem 7. Monat über ein- bis dreijährige Kinder bis zum Grundschulalter. Andere kamen ganz ohne Altersangabe aus.
Der erste Eindruck trügt: Trotz verlockender Namen und bunter Früchte-Abbildungen auf den Verpackungen haben die meisten Produkte nur wenig mit hochwertigem Obst oder Gemüse zu tun. Die beworbene "natürliche" Süße entpuppt sich bei genauerer Betrachtung oft als problematisch.
Besonders bedenklich: Bei 26 der 68 getesteten Produkte stammt die vielfach beworbene Süße aus Früchten und Gemüse lediglich aus Saftkonzentraten. Noch problematischer sind sechs Produkte, die sogar zugesetzten Zucker oder Sirup enthalten. Die Folge sind extreme Unterschiede beim Zuckergehalt - dieser variiert zwischen 0,9 und erschreckenden 30,8 Gramm pro 100 Gramm.
Diese hohen Zuckerwerte sind besonders bei Kinderprodukten bedenklich, da sie bereits früh an einen süßen Geschmack gewöhnen und damit die Geschmacksvorlieben für das ganze Leben prägen können.
Auch beim Fettgehalt zeigen sich gravierende Unterschiede zwischen den Produkten. Je nach Verarbeitung und verwendeten Speiseölen liegt der Fettanteil zwischen mageren 0,7 und üppigen 30 Prozent. Diese Schwankungen wirken sich direkt auf den Energiegehalt aus, der zwischen 324 und 531 Kilokalorien pro 100 Gramm variiert.
Für Eltern macht diese große Bandbreite die Produktauswahl zur Herausforderung - ohne genaues Studium der Nährwerttabelle lässt sich kaum einschätzen, was das Kind tatsächlich zu sich nimmt.
Besonders problematisch wird es bei den verwendeten Zusatzstoffen. Sieben Produkte erhalten ihre Geschmacksnote durch künstliche Aromen, zwei Produkte werden sogar mit Farbstoffen "aufgehübscht". In den Zutatenlisten finden sich außerdem Emulgatoren und Säureregulatoren - Stoffe, die in Kinderprodukten eigentlich nichts verloren haben.
Selbst beim Salzgehalt wird nicht gespart: Fünf Produkte weisen einen mittleren Salzgehalt auf, eines sogar einen bedenklich hohen. Dies ist besonders kritisch, da Kinder bereits früh an salzige Geschmäcker gewöhnt werden und dadurch später häufiger zu salzreichen Lebensmitteln greifen.
Die kleinen Packungsgrößen von durchschnittlich 30 Gramm erwecken zunächst den Eindruck günstiger Preise. Mit Kosten zwischen 75 Cent und 2,99 Euro wirken die Kindersnacks durchaus erschwinglich. Doch der Schein trügt: Umgerechnet auf 100 Gramm zeigt sich ein anderes Bild.
Die Preise pro 100 Gramm variieren zwischen 1,25 und stolzen 9,93 Euro - damit sind manche Kindersnacks teurer als hochwertige Nüsse oder andere gesunde Alternativen. Diese Preisgestaltung macht deutlich, wie sehr Hersteller von der Zahlungsbereitschaft besorgter Eltern profitieren.
Der AK-Test zeigt deutliche Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen Produktkategorien. Besonders schlecht schneiden Produkte ohne spezielle Altersempfehlung ab - diese enthalten überdurchschnittlich häufig problematische Inhaltsstoffe wie zugesetzten Zucker, Salz und Aromen.
Aber auch einige Produkte, die explizit für Kindergarten- oder Schulkinder beworben werden, erweisen sich als nur mäßig empfehlenswert. Hier zeigt sich, dass eine Altersempfehlung allein noch keine Garantie für gesunde Inhaltsstoffe darstellt.
Besonders bedenklich: Produkte von Non-Food-Discountern sowie Snacks für größere Kinder enthalten besonders häufig problematische Zusätze. Dies deutet darauf hin, dass bei der Produktentwicklung primär der Preis und weniger die gesunde Ernährung im Vordergrund steht.
Die AK Oberösterreich rät Eltern zu einem kritischeren Umgang mit den beworbenen Gesundheitsversprechen. Fertige obst- oder gemüsehaltige Knabbersnacks mögen gesund wirken, sind aber stark verarbeitete Industrieprodukte. Saftkonzentrate können frisches Obst oder Gemüse keineswegs ersetzen - im Gegenteil erhöhen sie den Zuckergehalt und gewöhnen Kinder bereits früh an süße Geschmäcker.
Als gesündere Alternative empfehlen die Experten geschmacksneutrale und salzarme Getreidesnacks in Kombination mit frischem Obst oder Gemüse. So erhalten Kinder nicht nur die beworbenen Vitamine und Nährstoffe, sondern lernen auch den natürlichen Geschmack kennen.
Beim Kauf von Kindersnacks sollten Eltern einige wichtige Punkte beachten. Zunächst lohnt sich immer ein Blick auf die Zutatenliste - je kürzer diese ist, desto weniger verarbeitet ist das Produkt meist. Begriffe wie "Saftkonzentrat", "Sirup" oder "Dextrose" sind Hinweise auf zugesetzten Zucker.
Auch die Nährwerttabelle gibt wichtige Hinweise: Produkte mit mehr als 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm gelten als zuckerreich und sollten gemieden werden. Beim Salzgehalt sind mehr als 1,5 Gramm pro 100 Gramm bereits bedenklich hoch.
Zusatzstoffe erkennt man an den E-Nummern in der Zutatenliste. Je weniger davon enthalten sind, desto naturbelassener ist das Produkt. Besonders Farbstoffe und Aromen haben in Kinderprodukten nichts verloren.
Die Bedeutung gesunder Kinderernährung geht weit über den momentanen Genuss hinaus. In den ersten Lebensjahren werden die Geschmacksvorlieben geprägt, die oft ein Leben lang bestehen bleiben. Kinder, die früh an sehr süße oder salzige Lebensmittel gewöhnt werden, greifen auch später häufiger zu ungesunden Produkten.
Gleichzeitig können stark verarbeitete Lebensmittel zur Entstehung von Übergewicht und späteren Gesundheitsproblemen beitragen. Eine bewusste Auswahl von Kindersnacks ist daher eine wichtige Investition in die zukünftige Gesundheit des Nachwuchses.
Der AK-Test macht deutlich: Nicht alles, was gesund aussieht und beworben wird, ist auch tatsächlich empfehlenswert. Eltern sollten sich nicht von bunten Verpackungen und Gesundheitsversprechen täuschen lassen, sondern genau hinschauen. Gelegentlicher Verzehr der getesteten Produkte ist zwar unproblematisch, doch für die regelmäßige Ernährung gibt es deutlich bessere Alternativen.
Die große Preisspanne zeigt außerdem, dass teuer nicht automatisch besser bedeutet. Ein kritischer Vergleich von Inhaltsstoffen und Preisen kann dabei helfen, sowohl die Gesundheit des Kindes als auch den Geldbeutel zu schonen.