Die Welt der Weine steht Kopf! Immer mehr Menschen, vor allem die jüngeren Generationen, wenden sich vom Alkohol ab und suchen nach alkoholfreien Alternativen. Doch wie gut sind diese wirklich? Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat zusammen mit der Arbeiterkammer Steiermark einen umfassend
Die Welt der Weine steht Kopf! Immer mehr Menschen, vor allem die jüngeren Generationen, wenden sich vom Alkohol ab und suchen nach alkoholfreien Alternativen. Doch wie gut sind diese wirklich? Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat zusammen mit der Arbeiterkammer Steiermark einen umfassenden Test durchgeführt, um genau das herauszufinden. Die Ergebnisse sind überraschend – und nicht immer positiv.
Alkoholfreier Wein, oder präziser gesagt entalkoholisierter Wein, gewinnt zunehmend an Beliebtheit. Laut einer Umfrage des VKI verzichten immer mehr Menschen bewusst auf Alkohol, um gesünder zu leben oder einfach, um den Kopf klar zu behalten. Besonders junge Menschen unter 30 Jahren sind Vorreiter dieses Trends. Doch was bedeutet eigentlich 'entalkoholisiert'?
Entalkoholisierung ist ein Verfahren, bei dem der Alkohol aus dem Wein entfernt wird. Dies geschieht in der Regel durch Vakuumdestillation oder Umkehrosmose. Beide Methoden haben das Ziel, den Alkohol zu extrahieren, ohne die Aromen des Weins zu stark zu beeinflussen. Doch das ist leichter gesagt als getan.
Der VKI hat 25 alkoholfreie Weine getestet, darunter Rotweine, Rosé, Weißweine und sogar einen Perlwein. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur 8 der getesteten Produkte erhielten die Bewertung „gut“. Die Mehrheit, nämlich 14 Produkte, wurde als „durchschnittlich“ bewertet, während 3 Produkte als „weniger zufriedenstellend“ eingestuft wurden.
Eine der größten Herausforderungen bei der Herstellung von alkoholfreiem Wein ist der Erhalt der Aromen. Während der Entalkoholisierung gehen viele der für Wein typischen Geschmacksnuancen verloren. Diese müssen dann durch Zusatzstoffe wie weineigene Aromen, Traubensaft oder Kohlensäure kompensiert werden. Dennoch erinnern viele der getesteten Produkte eher an Traubensaft als an echten Wein.
Besonders schlecht schnitt der Chardonnay von La Baume ab, der von den Experten als „dumpf“ und „muffig“ beschrieben wurde. Besser kam der Oleada Fizzy-Blanc weg, der einzige Perlwein im Test, der als Geschmackssieger hervorging.
Ein weiteres großes Problem ist die Kennzeichnung der Produkte. Viele der getesteten Weine sind in Wirklichkeit aromatisierte alkoholfreie Getränke, die nur so aussehen, als wären sie Wein. Begriffe wie Rosé, Pinot Noir, Chardonnay oder Sangiovese auf dem Etikett können täuschen.
Die gesetzlich vorgeschriebene Sachbezeichnung ist oft nur auf der Rückseite oder klein in der Zutatenliste zu finden. Dies führt dazu, dass Konsumenten oft nicht wissen, was sie tatsächlich kaufen. Ernährungswissenschafterin Nina Eichberger vom VKI fordert daher eine klarere und transparentere Kennzeichnung.
Ein positiver Aspekt der alkoholfreien Weine ist ihr geringer Kaloriengehalt. Mit durchschnittlich 22 Kalorien pro 125 Milliliter sind sie deutlich kalorienärmer als herkömmliche Weine. Mikrobiologisch waren ebenfalls alle Produkte in Ordnung.
Die internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) berichtet, dass die weltweite Weinproduktion 2024 um fast 5 Prozent zurückgegangen ist. In Österreich war der Rückgang mit 8,8 Prozent sogar noch deutlicher. Neben klimatischen Faktoren spielt auch der Wandel der Konsumgewohnheiten eine Rolle.
Österreich ist bekannt für seine Weinproduktion, doch der Rückgang der Nachfrage nach alkoholischen Weinen könnte langfristig Auswirkungen auf die Winzer haben. Die Branche muss sich anpassen und möglicherweise mehr auf alkoholfreie Alternativen setzen.
Für Konsumenten bedeutet der Trend zu alkoholfreien Weinen, dass sie mehr Auswahl haben, aber auch genauer hinschauen müssen. Die Gefahr, ein Produkt zu kaufen, das nicht den Erwartungen entspricht, ist groß.
Experten raten, sich vor dem Kauf genau zu informieren und auf die Kennzeichnung zu achten. Wer sicher sein will, ein echtes alkoholfreies Weinprodukt zu kaufen, sollte auf die gesetzlich vorgeschriebene Sachbezeichnung achten.
Der Trend zu alkoholfreien Getränken wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlich fortsetzen. Die Hersteller werden weiter an der Verbesserung der Qualität arbeiten müssen, um den Ansprüchen der Konsumenten gerecht zu werden.
Die Nachfrage nach klarer Kennzeichnung und Transparenz wird ebenfalls zunehmen. Gesetzgeber könnten in Zukunft strengere Vorschriften erlassen, um den Verbraucherschutz zu stärken.
Alkoholfreier Wein bietet eine interessante Alternative für all jene, die auf Alkohol verzichten möchten, aber dennoch nicht auf den Genuss eines Glases Wein verzichten wollen. Doch der Markt steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Qualität und Kennzeichnung sind Bereiche, in denen es noch viel zu tun gibt.
Verbraucher sollten sich gut informieren und bei der Auswahl ihrer Weine auf Transparenz und Qualität achten. Der VKI-Test bietet dabei eine hilfreiche Orientierung.