Der steirische Technologiekonzern ANDRITZ AG aus Graz hat trotz schwieriger globaler Wirtschaftslage ein beeindruckendes Geschäftsjahr 2025 abgeschlossen. Am 5. März 2026 gab das Unternehmen bekann...
Der steirische Technologiekonzern ANDRITZ AG aus Graz hat trotz schwieriger globaler Wirtschaftslage ein beeindruckendes Geschäftsjahr 2025 abgeschlossen. Am 5. März 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass der Auftragseingang auf 8,9 Milliarden Euro gestiegen ist – ein Plus von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders bemerkenswert: Der Auftragsstand erreichte mit 10,5 Milliarden Euro eine nie dagewesene Rekordhöhe.
Die positive Entwicklung verdankt ANDRITZ hauptsächlich zwei Geschäftsbereichen: Hydropower (Wasserkraft) und Pulp & Paper (Zellstoff und Papier). Der Hydropower-Bereich verzeichnete einen spektakulären Auftragsanstieg von 16 Prozent auf 2,516 Milliarden Euro. Dieser Erfolg spiegelt die weltweit steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien und Pumpspeicherkraftwerken wider.
Zu den Großaufträgen zählten Ausrüstungen für das neue 1.500-Megawatt-Pumpspeicherkraftwerk Tarali in Indien und das 720-Megawatt-Wasserkraftwerk Srinagarind in Thailand. Diese Projekte unterstreichen ANDRITZ' Position als globaler Technologieführer im Bereich der Wasserkraft – einer Schlüsseltechnologie für die Energiewende.
Ein Pumpspeicherkraftwerk ist eine besondere Form der Energiespeicherung, die wie eine gigantische Batterie funktioniert. Bei Stromüberschuss wird Wasser von einem tiefer gelegenen in ein höher gelegenes Becken gepumpt. Wird später Energie benötigt, fließt das Wasser zurück und treibt Turbinen an, die Strom erzeugen. Diese Technologie ist besonders wichtig für die Integration von Wind- und Solarenergie, da sie deren schwankende Stromproduktion ausgleichen kann. Pumpspeicherkraftwerke gelten als eine der effizientesten und bewährtesten Methoden zur Speicherung großer Energiemengen über längere Zeiträume.
Der Geschäftsbereich Pulp & Paper steigerte den Auftragseingang sogar um 20 Prozent auf 3,348 Milliarden Euro. Getragen wurde dieses Wachstum von Großaufträgen aus den USA und Asien, insbesondere für fünf neue Zellstoffwerke in China. Dieser Boom resultiert aus dem Trend zur Integration der Zellstoffproduktion bei Papierherstellern, wodurch die gesamte Produktionskette optimiert wird.
Besonders interessant für den deutschsprachigen Raum: In Deutschland führten neue Vorschriften zum Recycling von Phosphor zu Aufträgen für den Bau von drei kompletten Anlagen zur Verbrennung von Klärschlamm. Diese Entwicklung zeigt, wie Umweltauflagen neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen und gleichzeitig zur Nachhaltigkeit beitragen.
Phosphor ist ein essentieller Nährstoff für Pflanzen und damit unverzichtbar für die Landwirtschaft. Da die natürlichen Phosphorvorkommen begrenzt sind und hauptsächlich in wenigen Ländern konzentriert liegen, gilt Phosphor als kritischer Rohstoff. In Klärschlamm ist jedoch viel Phosphor enthalten, der durch spezielle Verbrennungsanlagen zurückgewonnen werden kann. Die neuen deutschen Vorschriften verpflichten größere Kläranlagen dazu, Phosphor aus dem Klärschlamm zu recyceln, anstatt ihn zu deponieren oder als Dünger zu verwenden. Dies schafft einen Kreislauf und reduziert die Abhängigkeit von Phosphor-Importen erheblich.
Nicht alle Geschäftsbereiche konnten zulegen: Der Bereich Metals verzeichnete einen Rückgang des Auftragseingangs um 13 Prozent auf 1,479 Milliarden Euro. Diese Entwicklung spiegelt die schwierige Situation in der Automobil- und Stahlindustrie wider, wo die Investitionstätigkeit bereits im dritten Jahr in Folge rückläufig ist.
Dennoch gelang es ANDRITZ, auch in diesem Bereich Erfolge zu verbuchen: Das Unternehmen erhielt Aufträge für Pressenlinien für den Automobilsektor sowie Anlagen zur Verarbeitung von Siliziumstahl. Letztere sind besonders relevant, da Siliziumstahl ein Schlüsselmaterial für Elektromotoren und Transformatoren ist, die für die Elektrifizierung von Transport- und Energiesystemen benötigt werden.
Für Österreich als Wirtschaftsstandort sind diese Ergebnisse von enormer Bedeutung. ANDRITZ beschäftigt weltweit rund 30.000 Mitarbeiter an 280 Standorten in über 80 Ländern, wobei der Hauptsitz in Graz bleibt. Das Unternehmen, das bereits 1852 gegründet wurde, ist seit Jahrzehnten ein Aushängeschild für österreichische Ingenieurskunst und Innovationskraft.
Ein besonders stabiler Ertragsbereich entwickelt sich für ANDRITZ im Service-Geschäft. Der Service-Umsatz stieg in allen Geschäftsbereichen und erreichte 3,4 Milliarden Euro – das entspricht einem Anteil von 44 Prozent am Gesamtumsatz. Dieser Wert stellt einen neuen Rekord dar und zeigt die erfolgreiche Strategie des Unternehmens, langfristige Partnerschaften mit Kunden aufzubauen.
Das Service-Geschäft umfasst die Wartung, Modernisierung und Optimierung bereits installierter Anlagen über deren gesamten Lebenszyklus. Diese Dienstleistungen bieten nicht nur stabile Erträge, sondern festigen auch die Kundenbindung erheblich. Für Kunden bedeutet dies, dass ihre Anlagen länger produktiv bleiben und effizienter arbeiten.
Trotz des moderaten Umsatzrückgangs um 5 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro konnte ANDRITZ die operative Rentabilität auf dem hohen Niveau von 8,9 Prozent halten. Diese vergleichbare EBITA-Marge entspricht genau dem Vorjahreswert und unterstreicht die Effizienz des Unternehmens.
Das Konzernergebnis belief sich auf 457,1 Millionen Euro, was einer Gewinnmarge von 5,8 Prozent entspricht. Obwohl dies einen leichten Rückgang von 7,9 Prozent gegenüber 2024 darstellt, bewegt sich die Marge nahe am Rekordniveau des Vorjahres von 6,0 Prozent.
EBITA steht für "Earnings Before Interest, Taxes, and Amortization" und ist eine wichtige Kennzahl zur Bewertung der operativen Leistung eines Unternehmens. Sie zeigt, wie profitabel ein Unternehmen aus seinen Kernaktivitäten heraus wirtschaftet, ohne dass Zinsen, Steuern und bestimmte Abschreibungen berücksichtigt werden. Die EBITA-Marge von 8,9 Prozent bedeutet, dass ANDRITZ aus jedem Euro Umsatz etwa 9 Cent operativen Gewinn erwirtschaftet. Zum Vergleich: Viele Industrieunternehmen erreichen EBITA-Margen zwischen 5 und 10 Prozent, wobei Werte über 8 Prozent als sehr gut gelten.
2025 war ein besonders aktives Jahr für ANDRITZ im Bereich Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen). Das Unternehmen tätigte sechs größere Akquisitionen: LDX Solutions, A.Celli Paper, Salico Group, Diamond Power, Allen-Sherman-Hoff und Sanzheng. Diese Übernahmen folgten der selektiven und disziplinierten M&A-Strategie des Konzerns.
Ziel dieser Akquisitionen ist es, die Servicekapazitäten zu stärken, das Umweltangebot zu erweitern und Lücken im Produktportfolio zu schließen. Durch den Erwerb spezialisierter Unternehmen kann ANDRITZ seinen Kunden noch umfassendere Lösungen anbieten und gleichzeitig neue Märkte erschließen.
Aktionäre können sich über eine Erhöhung der Dividende freuen: Vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung soll die Ausschüttung auf 2,70 Euro pro Aktie steigen (2024: 2,60 Euro). Diese Erhöhung unterstreicht das Vertrauen des Managements in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und zeigt, dass ANDRITZ auch in schwierigen Zeiten an seine Aktionäre denkt.
Im Vergleich zu anderen österreichischen Technologie- und Industrieunternehmen steht ANDRITZ sehr gut da. Während viele Unternehmen unter den geopolitischen Spannungen und der schwachen Konjunktur leiden, konnte ANDRITZ seine Position sogar stärken. Die Fokussierung auf nachhaltige Technologien und erneuerbare Energien erweist sich als strategischer Vorteil.
Andere österreichische Industriekonzerne wie Voestalpine oder Lenzing hatten 2025 mit größeren Herausforderungen zu kämpfen. ANDRITZ' breit diversifiziertes Portfolio und die starke Position in Zukunftsmärkten wie Wasserkraft und Umwelttechnik zahlen sich aus.
Für österreichische Arbeitnehmer sind die Ergebnisse von ANDRITZ von großer Bedeutung. Das Unternehmen beschäftigt zum Jahresende 2025 insgesamt 30.346 Mitarbeiter (ohne Lehrlinge) weltweit – ein Anstieg von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Personalaufbau zeigt, dass ANDRITZ auch in unsicheren Zeiten auf Wachstum setzt.
Besonders wichtig für den Standort Österreich: ANDRITZ investierte 2025 insgesamt 269,5 Millionen Euro, was einem Anstieg von 13,5 Prozent entspricht. Diese Investitionen fließen unter anderem in Forschung und Entwicklung, die Modernisierung von Produktionsanlagen und die Digitalisierung von Prozessen.
ANDRITZ ist ein wichtiger Baustein der österreichischen Exportwirtschaft. Mit einem Jahresumsatz von 7,9 Milliarden Euro, der größtenteils im Ausland erwirtschaftet wird, trägt das Unternehmen erheblich zur österreichischen Handelsbilanz bei. Die starke internationale Ausrichtung macht Österreich als Technologiestandort sichtbar und zieht weitere Investitionen an.
Für das Jahr 2026 zeigt sich ANDRITZ optimistisch. Das Management erwartet eine Rückkehr zu Umsatzwachstum mit Erlösen zwischen 8,0 und 8,3 Milliarden Euro. Die vergleichbare EBITA-Marge soll weiterhin auf hohem Niveau zwischen 8,7 und 9,1 Prozent liegen.
Diese Prognose basiert auf dem rekordhohen Auftragsstand von 10,5 Milliarden Euro, der eine solide Grundlage für die kommenden Monate bietet. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,13 zeigt, dass mehr Aufträge eingegangen sind, als Umsatz realisiert wurde – ein positives Signal für die Zukunft.
ANDRITZ profitiert von mehreren langfristigen Megatrends: der Energiewende hin zu erneuerbaren Energien, der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Industrielösungen und der Digitalisierung von Produktionsprozessen. Diese Trends werden sich in den kommenden Jahren noch verstärken und ANDRITZ zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten eröffnen.
Besonders im Bereich Wasserkraft sieht das Unternehmen große Chancen. Pumpspeicherkraftwerke werden als Schlüsseltechnologie für die Energiewende immer wichtiger. Auch die Nachfrage nach Modernisierungen bestehender Wasserkraftwerke steigt, da viele Anlagen aus den 1960er und 1970er Jahren erneuert werden müssen.
Trotz der positiven Entwicklung sieht sich ANDRITZ weiterhin mit Herausforderungen konfrontiert. Die geopolitischen Spannungen und ein zurückhaltendes Investitionsklima belasten nach wie vor das Geschäft. Besonders der Metals-Bereich leidet unter der schwachen Automobil- und Stahlindustrie.
Auch Wechselkurseffekte spielen eine Rolle: 2025 führte der starke Euro zu negativen Effekten von 221,9 Millionen Euro. Da ANDRITZ einen Großteil seiner Geschäfte in anderen Währungen abwickelt, können Währungsschwankungen die Ergebnisse erheblich beeinflussen.
Dr. Joachim Schönbeck, Vorstandsvorsitzender von ANDRITZ, kommentierte die Situation: "Das letzte Jahr hat uns erneut Disziplin und klare Prioritäten abverlangt, zumal wir uns mit geopolitischen Hürden und einem zurückhaltenden Investitionsklima konfrontiert sahen. ANDRITZ hat dennoch gute Ergebnisse erzielt, und ich bin stolz darauf, wie unsere Teams die Herausforderungen gemeistert haben."
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg von ANDRITZ ist die Fokussierung auf nachhaltige Technologien. Das Unternehmen positioniert sich als Enabler der grünen Transformation und bietet Lösungen für klimafreundliche Industrieprozesse. Diese Ausrichtung entspricht nicht nur dem Zeitgeist, sondern wird auch durch regulatorische Vorgaben und Kundennachfrage getrieben.
ANDRITZ' Motto "FÜR WACHSTUM, DAS ZÄHLT" unterstreicht diesen Ansatz. Das Unternehmen will nicht nur wachsen, sondern einen positiven Beitrag zur Lösung globaler Herausforderungen leisten. Diese Positionierung verschafft ANDRITZ Wettbewerbsvorteile und öffnet Türen zu neuen Märkten.