Der steirische Technologiekonzern ANDRITZ AG aus Graz verzeichnet trotz anhaltend herausfordernder Marktbedingungen ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025. Mit einem Auftragseingang von 8,9 Milliarde...
Der steirische Technologiekonzern ANDRITZ AG aus Graz verzeichnet trotz anhaltend herausfordernder Marktbedingungen ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025. Mit einem Auftragseingang von 8,9 Milliarden Euro erreichte das Unternehmen den zweithöchsten Wert seiner Firmengeschichte und übertraf das Vorjahr um beeindruckende 7,6 Prozent. Diese Entwicklung unterstreicht die Widerstandsfähigkeit des österreichischen Traditionsunternehmens in einem von geopolitischen Unsicherheiten geprägten internationalen Umfeld.
Die ANDRITZ AG ist ein international tätiger Technologiekonzern mit Hauptsitz in Graz, der seit 1852 am Markt agiert. Das Unternehmen entwickelt und produziert Anlagen, Ausrüstungen und Dienstleistungen für verschiedene Industriezweige, darunter Zellstoff und Papier, Metalle, Wasserkraft sowie Umwelt- und Energietechnik. Mit etwa 30.000 Mitarbeitern an 280 Standorten in über 80 Ländern zählt ANDRITZ zu den wichtigsten Arbeitgebern der Steiermark und ist ein Aushängeschild für österreichische Ingenieurskunst im globalen Maßstab. Der Konzern ist an der Wiener Börse im ATX gelistet und erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 7,9 Milliarden Euro.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung des Auftragsbestands, der mit 10,5 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreichte. Diese Steigerung um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet für ANDRITZ eine solide Planungsgrundlage für die kommenden Jahre. Der hohe Auftragsbestand resultiert aus einem günstigen Book-to-Bill-Verhältnis von 1,13 – das bedeutet, dass das Unternehmen mehr neue Aufträge akquirierte, als es im gleichen Zeitraum abarbeiten konnte.
Diese Entwicklung ist für ein Technologieunternehmen von zentraler Bedeutung, da sie langfristige Beschäftigungssicherheit gewährleistet und Investitionen in Forschung und Entwicklung ermöglicht. Für die österreichische Wirtschaft ist dies ein positives Signal, da es die Innovationskraft des Standorts unterstreicht und hochqualifizierte Arbeitsplätze sichert.
Die stärksten Wachstumstreiber waren die Bereiche Wasserkraft und Zellstoff & Papier. Im Wasserkraftbereich profitierte ANDRITZ von der weltweiten Nachfrage nach erneuerbaren Energien und Netzstabilität. Großaufträge kamen aus Amerika und Asien, darunter die Ausrüstung für das neue 1.500-Megawatt-Pumpspeicherwerk Tarali in Indien und das 720-Megawatt-Wasserkraftwerk Srinagarind in Thailand.
Diese Projekte verdeutlichen die zentrale Rolle der Wasserkraft in der globalen Energiewende. Pumpspeicherwerke fungieren als gigantische Batterien, die überschüssige Energie speichern und bei Bedarf wieder abgeben können. Sie sind damit unverzichtbar für die Integration volatiler erneuerbarer Energiequellen wie Wind- und Sonnenkraft ins Stromnetz.
Im Zellstoff- und Papierbereich erhielt ANDRITZ bedeutende Aufträge für fünf neue Zellstoffwerke aus China, da Papierproduzenten ihre Wertschöpfungskette rückwärts integrieren. In Deutschland führten neue Phosphor-Recycling-Vorschriften zu Aufträgen für drei komplette Klärschlamm-Kraftwerke.
Ein besonders wichtiger Erfolgsfaktor war die kontinuierliche Ausweitung des Service-Geschäfts. Der Anteil der Serviceumsätze am Gesamtumsatz stieg auf einen Rekordwert von 44 Prozent (3,4 Milliarden Euro). Dies ist für ANDRITZ strategisch von enormer Bedeutung, da Serviceleistungen in der Regel höhere Margen erzielen und konjunkturell weniger schwanken als das Neuanlagengeschäft.
Serviceleistungen umfassen Wartung, Reparaturen, Modernisierungen und Ersatzteile für bereits installierte Anlagen. Da ANDRITZ-Anlagen oft Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten haben, entsteht hier ein langfristiges, wiederkehrendes Geschäft. Für Kunden bedeutet professioneller Service eine Maximierung der Anlagenverfügbarkeit und -effizienz über den gesamten Lebenszyklus.
Trotz des starken Auftragseingangs sank der Umsatz um fünf Prozent auf 7,9 Milliarden Euro. Dies erklärt sich durch die zeitliche Verzögerung zwischen Auftragseingang und Umsatzrealisierung bei komplexen Industrieanlagen sowie durch negative Währungseffekte von 222 Millionen Euro aufgrund des starken Euro.
Besonders der Metallbereich litt unter der schwachen Investitionstätigkeit in der Automobil- und Stahlindustrie. Diese Branchen befinden sich im Umbruch zur Elektromobilität und nachhaltigen Stahlproduktion, was zu Investitionszurückhaltung führt. ANDRITZ konnte jedoch durch Kapazitätsanpassungen die Profitabilität in diesem Segment schützen.
Beeindruckend ist, dass ANDRITZ trotz der Umsatzrückgänge die operative Profitabilität auf dem hohen Niveau von 8,9 Prozent (vergleichbare EBITA-Marge) halten konnte. Dies gelang durch verbesserte Projektabwicklung, diszipliniertes Kostenmanagement und den hohen Service-Anteil. Der Nettogewinn belief sich auf 457 Millionen Euro, was einer robusten Nettomarge von 5,8 Prozent entspricht.
Die EBITA-Marge ist ein wichtiger Profitabilitätsindikator, der das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Verhältnis zum Umsatz darstellt. Eine EBITA-Marge von 8,9 Prozent gilt in der Anlagenbaubranche als sehr gut und zeigt die operative Exzellenz von ANDRITZ.
2025 war auch ein sehr aktives Jahr für Unternehmensübernahmen. ANDRITZ vollzog sechs größere Akquisitionen, um seine Service-Fähigkeiten zu stärken und Lücken im Produktportfolio zu schließen. Zu den übernommenen Unternehmen gehörten LDX Solutions, A.Celli Paper, Salico Group, Diamond Power, Allen-Sherman-Hoff und Sanzheng.
Diese Akquisitionen folgen einer selektiven und disziplinierten M&A-Strategie, die darauf abzielt, die Marktposition zu stärken und Synergien zu schaffen. Für österreichische Unternehmen sind internationale Übernahmen oft der einzige Weg, um in globalen Märkten zu wachsen und Größenvorteile zu realisieren.
Aktionäre können sich über eine Dividendenerhöhung auf 2,70 Euro je Aktie freuen (Vorjahr: 2,60 Euro). Dies entspricht einer Steigerung um 3,8 Prozent und unterstreicht das Vertrauen des Managements in die zukünftige Geschäftsentwicklung. Die Dividendenausschüttung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Hauptversammlung.
Eine Dividendenerhöhung in einem Jahr mit rückläufigem Gewinn signalisiert, dass das Management die aktuellen Herausforderungen als vorübergehend betrachtet. Für österreichische Anleger ist ANDRITZ traditionell eine beliebte Dividendenaktie, da das Unternehmen eine langfristig stabile Ausschüttungspolitik verfolgt.
Für 2026 erwartet ANDRITZ eine Rückkehr zum Umsatzwachstum mit Erlösen zwischen 8,0 und 8,3 Milliarden Euro. Die vergleichbare EBITA-Marge soll weiterhin auf hohem Niveau zwischen 8,7 und 9,1 Prozent liegen. Diese Prognose basiert auf dem hohen Auftragsbestand und einer erwarteten Stabilisierung der Projektaktivitäten.
CEO Joachim Schönbeck zeigte sich optimistisch: "ANDRITZ bleibt für 2026 gut positioniert." Das Unternehmen profitiert von Megatrends wie der Energiewende, Digitalisierung und nachhaltigen Industrieprozessen, die langfristig für Nachfrage nach ANDRITZ-Technologien sorgen werden.
ANDRITZ steht exemplarisch für die Stärken des österreichischen Industriestandorts: hohe Innovationskraft, Qualität "Made in Austria" und erfolgreiche Internationalisierung. Im Vergleich zu Deutschland profitiert Österreich von niedrigeren Energiekosten und einer flexibleren Arbeitsmarktregulierung. Gegenüber der Schweiz punktet Österreich mit geringeren Lohnkosten bei vergleichbarer Qualifikation der Arbeitskräfte.
Die Steiermark hat sich als "Green Tech Valley" positioniert und beherbergt neben ANDRITZ weitere Technologieführer wie Voestalpine oder AVL List. Diese Clusterbildung schafft Synergien und macht die Region zu einem attraktiven Standort für internationale Investoren.
Mit 30.346 Mitarbeitern weltweit (plus 1,1 Prozent) ist ANDRITZ ein bedeutender Arbeitgeber. In Österreich beschäftigt das Unternehmen mehrere tausend hochqualifizierte Fachkräfte, hauptsächlich Ingenieure und Techniker. Die stabilen Geschäftsaussichten sichern diese Arbeitsplätze und schaffen Perspektiven für weitere Einstellungen.
Für die österreichische Volkswirtschaft bedeutet der Erfolg von ANDRITZ auch erhebliche Steuereinnahmen und positive Effekte für Zulieferunternehmen. Jeder Arbeitsplatz bei ANDRITZ sichert statistisch weitere 2-3 Arbeitsplätze in der gesamten Wertschöpfungskette.
Trotz der positiven Entwicklung sieht sich ANDRITZ weiterhin Herausforderungen gegenüber. Geopolitische Spannungen können zu Projektverschiebungen führen, wie im Environment & Energy-Bereich erlebt. Die Abhängigkeit von zyklischen Industriebranchen macht das Unternehmen anfällig für Konjunkturschwankungen.
Währungsrisiken bleiben bestehen, da ANDRITZ in verschiedenen Währungen operiert, aber in Euro berichtet. Steigende Materialkosten und Fachkräftemangel könnten zukünftig die Margen belasten. Das Management begegnet diesen Risiken durch geografische Diversifikation und kontinuierliche Effizienzsteigerungen.
Die soliden Ergebnisse von ANDRITZ zeigen, dass österreichische Technologieunternehmen auch in schwierigen Zeiten erfolgreich sein können. Der Fokus auf nachhaltige Technologien und die konsequente Internationalisierung schaffen die Basis für weiteres Wachstum. Für Investoren und Arbeitnehmer gleichermaßen bietet ANDRITZ damit attraktive Perspektiven in einer sich wandelnden Industrielandschaft.