Wien – Die Österreichische Nationalbibliothek öffnet ihre Pforten für eine sensationelle neue Ausstellung, die Besucher in die faszinierende Welt des antiken Ägyptens entführt. Unter dem Titel „Die Macht der Worte. Herrschaft und kulturelle Vielfalt im antiken Ägypten“ werden ab dem 12. Juni 2025 me
Wien – Die Österreichische Nationalbibliothek öffnet ihre Pforten für eine sensationelle neue Ausstellung, die Besucher in die faszinierende Welt des antiken Ägyptens entführt. Unter dem Titel „Die Macht der Worte. Herrschaft und kulturelle Vielfalt im antiken Ägypten“ werden ab dem 12. Juni 2025 mehr als 90 Exponate präsentiert, die einen tiefen Einblick in die sprachliche und kulturelle Vielfalt dieser uralten Zivilisation bieten.
Die Ausstellung im Papyrusmuseum, das sich im Herzen Wiens am Heldenplatz in der Neuen Burg befindet, beleuchtet die sprachlichen Traditionen Ägyptens von etwa 1500 v. Chr. bis 1000 n. Chr. Die originalen Schriftstücke auf Papyrus, Pergament und Papier zeigen, wie verschiedene Sprachen nicht nur nebeneinander existierten, sondern auch miteinander verschmolzen, um neue kulturelle Realitäten zu schaffen.
Ägypten, bekannt als eine der ältesten Zivilisationen der Welt, war immer ein Schmelztiegel der Kulturen. Seit der Eroberung durch Alexander den Großen und der nachfolgenden Herrschaft der Ptolemäer war Griechisch die dominierende Sprache der Verwaltung. Dies änderte sich erst mit der Ankunft der Römer, die Latein einführten, jedoch blieb Griechisch weiterhin die wichtigste Amtssprache. Erst mit der islamischen Expansion und der Herrschaft des Kalifats begann Arabisch, sich als Verwaltungssprache durchzusetzen, während das Koptische, eine Form des spätantiken Ägyptisch, weiterhin von der christlichen Bevölkerung gesprochen wurde.
Die Ausstellung zeigt eindrücklich, wie die Sprache als Werkzeug der Macht eingesetzt wurde. Von Herrscherbriefen über Petitionen bis hin zu Rechtsurkunden – die Sprache war das Mittel, um Kontrolle auszuüben und soziale Strukturen zu festigen. Experten wie Dr. Bernhard Palme und Dr. Angelika Zdiarsky, die Kuratoren der Ausstellung, betonen die Bedeutung der Sprache als Machtinstrument. „Die Sprache war nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch ein Symbol der Macht und Herrschaft“, erklärt Dr. Palme.
Ein Blick über Ägypten hinaus zeigt, dass Mehrsprachigkeit auch in anderen historischen Kulturen eine wichtige Rolle spielte. In Europa beispielsweise waren Latein und die lokalen Sprachen während des Mittelalters weit verbreitet. In Österreich selbst finden sich viele Beispiele für den Einfluss verschiedener Kulturen und Sprachen, die das Land im Laufe der Jahrhunderte geprägt haben.
Die Ausstellung zieht auch Parallelen zur Gegenwart, indem sie aufzeigt, dass multiethnische und vielsprachige Gesellschaften keine Neuheit sind. In einer globalisierten Welt, in der Migration und kulturelle Vielfalt zum Alltag gehören, ist die Thematik aktueller denn je. Die Ausstellung lädt Besucher ein, über die Bedeutung der Sprache in der heutigen Gesellschaft nachzudenken und die Herausforderungen und Chancen zu erkennen, die mit einer mehrsprachigen Welt verbunden sind.
Die Frage, wie sich die sprachliche Vielfalt in Zukunft entwickeln wird, ist von großer Bedeutung. Experten sind sich einig, dass Mehrsprachigkeit eine Bereicherung darstellt und in einer zunehmend vernetzten Welt von entscheidender Bedeutung sein wird. „Die Fähigkeit, in mehreren Sprachen zu kommunizieren, wird in der globalisierten Wirtschaft von unschätzbarem Wert sein“, prognostiziert Dr. Zdiarsky.
Die Sonderausstellung läuft bis zum 3. Mai 2026 und ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, Ermäßigungen sind verfügbar, und für alle unter 19 Jahren ist der Eintritt frei. Ein Ausstellungskatalog ist ebenfalls erhältlich.