Die malerische Kurstadt Bad Gastein verwandelt sich erneut in den Schauplatz düsterer Verbrechen. Seit Anfang März stehen Publikumsliebling Philipp Hochmair und sein bewährtes Schauspielensemble fü...
Die malerische Kurstadt Bad Gastein verwandelt sich erneut in den Schauplatz düsterer Verbrechen. Seit Anfang März stehen Publikumsliebling Philipp Hochmair und sein bewährtes Schauspielensemble für zwei neue Filme der erfolgreichen ORF/ZDF-Krimireihe "Der Geier" vor der Kamera. Die Dreharbeiten, die noch bis Ende April 2026 andauern, bringen hochkarätige Gaststars wie Manuel Rubey, Mavie Hörbiger und Robert Stadlober in die Salzburger Bergwelt.
Die Krimireihe "Der Geier" hat sich seit ihrer Einführung zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Fernsehformate entwickelt. Im Mittelpunkt steht Lukas Geier, ein ehemaliger Kommissar, der früher für den Zeugenschutz verantwortlich war und Menschen neue Identitäten verschaffte. Diese ungewöhnliche Vergangenheit macht ihn zu einer faszinierenden Hauptfigur, die zwischen den Welten von Recht und Gesetz sowie Schutz und Verbrechen navigiert.
Der Begriff "Zeugenschutz" bezeichnet ein staatliches Programm zum Schutz von Personen, die durch ihre Aussage in Strafverfahren gefährdet werden könnten. Dabei erhalten Zeugen oft neue Identitäten, werden umgesiedelt und bekommen finanzielle Unterstützung für einen Neuanfang. In Österreich wird der Zeugenschutz vom Bundeskriminalamt koordiniert und umfasst sowohl präventive Maßnahmen als auch die komplette Identitätsänderung in besonders schweren Fällen. Die Komplexität dieses Systems macht deutlich, warum Geiers Vergangenheit ihn zu einem so kompetenten, aber auch belasteten Ermittler macht.
An Hochmairs Seite steht erneut Patricia Aulitzky als Hotelchefin Lara Schnee. Die Rolle der Hotelchefin ist dabei mehr als nur eine Nebenfigur – sie verkörpert die touristische Seite Bad Gasteins, die oft im Kontrast zu den dunklen Geheimnissen steht, die in der Serie aufgedeckt werden. Hotels in Kurorten wie Bad Gastein sind traditionell Orte der Begegnung verschiedener Gesellschaftsschichten, was sie zu idealen Schauplätzen für Kriminalgeschichten macht. Hier treffen Einheimische auf Touristen, alte Geheimnisse auf neue Konflikte.
Julia Koch komplettiert als Kriminalinspektorin Franziska Conte das Ermittlertrio. Die Figur der Conte stellt den offiziellen Arm der Justiz dar und bildet damit einen interessanten Gegenpol zu Geiers unkonventionellen Methoden. Diese Konstellation ermöglicht es den Drehbuchautoren, sowohl offizielle Polizeiarbeit als auch privatdetektivische Ermittlungen zu thematisieren.
Die Wahl Bad Gasteins als Drehort ist kein Zufall. Die Salzburger Gemeinde mit ihren 4.200 Einwohnern bietet eine einzigartige Mischung aus Belle-Époque-Architektur, alpiner Landschaft und einer jahrhundertealten Geschichte als internationaler Kurort. Bad Gastein war bereits im 19. Jahrhundert ein Treffpunkt der europäischen Aristokratie und Prominenz – von Kaiser Franz Joseph bis zu modernen Filmstars.
Die geografische Lage im Gasteinertal, umgeben von den Hohen Tauern, schafft eine natürliche Isolation, die für Kriminalgeschichten ideal ist. Die steilen Berghänge, tiefen Schluchten und versteckten Täler bieten unzählige Möglichkeiten für dramatische Szenen. Gleichzeitig verkörpert der Ort den Kontrast zwischen Luxus und Verfall, der viele österreichische Kurorte prägt – ein Thema, das in der Serie immer wieder aufgegriffen wird.
Österreich hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Schauplatz für deutschsprachige Krimiserien entwickelt. Neben Bad Gastein dienen auch andere österreichische Orte als Kulisse für Fernsehkrimis. Der "Landkrimi" des ORF nutzt verschiedene Bundesländer als Schauplätze, von den Weinbergen der Wachau bis zu den Seen Kärntens. Diese regionale Diversität spiegelt die landschaftliche Vielfalt Österreichs wider und zeigt gleichzeitig die unterschiedlichen gesellschaftlichen Strukturen der einzelnen Regionen.
Im Vergleich zu deutschen Krimiformaten wie dem "Tatort" setzen österreichische Produktionen oft stärker auf die Verbindung zwischen Landschaft und Handlung. Während deutsche Krimis häufig in urbanen Umgebungen spielen, nutzen österreichische Formate die alpine Kulisse als dramaturgisches Element. Die Berge werden nicht nur als schöne Kulisse verwendet, sondern als Teil der Handlung – sie können sowohl Zuflucht als auch Bedrohung darstellen.
Die beiden neuen Filme locken mit einem hochkarätigen Gaststar-Ensemble. Manuel Rubey, bekannt aus zahlreichen österreichischen Film- und Fernsehproduktionen, übernimmt in "Schattengeld" die Rolle des Immobilien-Tycoons Hannes Berghofer. Diese Besetzung ist besonders interessant, da Rubey normalerweise eher komödiantische Rollen spielt. Seine Wandlung zum zwielichtigen Geschäftsmann zeigt die Vielseitigkeit des österreichischen Schauspielers.
Mavie Hörbiger, Tochter der Schauspielerin Christiane Hörbiger und damit Teil einer der bekanntesten österreichischen Schauspielerfamilien, verkörpert Marlene Pichler. Die Rolle als Lebensgefährtin und ehemalige Schwägerin deutet auf komplexe familiäre Verstrickungen hin, die typisch für die vielschichtigen Handlungen der Serie sind.
Robert Stadlober, der sowohl als Schauspieler als auch als Musiker erfolgreich ist, spielt in "Blut und Zweifel" einen ehemaligen Schützling Geiers. Diese Rolle verspricht besondere emotionale Tiefe, da sie die Vergangenheit der Hauptfigur direkt mit der aktuellen Handlung verknüpft.
"Der Geier: Blut und Zweifel" thematisiert die Frage nach richtig und falsch in der Vergangenheit eines Zeugenschützers. Wenn eine Saisonkraft ermordet wird, erkennt Geier Parallelen zu einem Fall, in dem er einst einem Mann eine neue Identität verschaffte. Diese Konstellation wirft grundsätzliche Fragen über die Arbeit im Zeugenschutz auf: Was passiert, wenn sich herausstellt, dass man möglicherweise die falsche Person geschützt hat?
Saisonarbeitskräfte sind in österreichischen Tourismusregionen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Allein in Salzburg arbeiten jährlich tausende Menschen aus dem In- und Ausland in der Tourismussaison. Diese oft prekären Arbeitsverhältnisse, die soziale Isolation und die Anonymität machen Saisonkräfte zu einer vulnerablen Gruppe – ein Umstand, den die Serie geschickt für ihre Handlung nutzt.
"Der Geier: Schattengeld" widmet sich dem Thema Entführung und organisierter Kriminalität. Der Begriff "Schattengeld" deutet auf illegale Finanzströme hin, die oft mit Geldwäsche, Erpressung oder anderen Wirtschaftsverbrechen in Verbindung stehen. In der österreichischen Kriminalstatistik nehmen Wirtschaftsverbrechen einen immer größeren Stellenwert ein, besonders in Regionen mit starkem Immobiliengeschäft wie Bad Gastein.
Die Produktion liegt in den Händen der Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH sowie der Graf Filmproduktion GmbH. Diese Zusammenarbeit zwischen zwei etablierten deutschen Produktionsfirmen zeigt die grenzüberschreitende Natur des deutschsprachigen Fernsehmarktes. Die Koproduktion mit ZDF und ORF ermöglicht es, sowohl den deutschen als auch den österreichischen Markt zu bedienen.
Besonders interessant ist die umfangreiche Förderung des Projekts. FISA+ (Filmstandort Austria), Film in Austria (ABA), der Fernsehfonds Austria und das Land Salzburg unterstützen die Produktion finanziell. Diese Förderstruktur spiegelt die Bedeutung der Filmwirtschaft für Österreich wider. Der Filmstandort Austria hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt, der nicht nur Arbeitsplätze schafft, sondern auch den Tourismus ankurbelt.
Filmdreharbeiten wie die von "Der Geier" haben erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die Region. Eine durchschnittliche Fernsehfilmproduktion in Österreich generiert lokale Wertschöpfung von mehreren hunderttausend Euro. Dazu gehören nicht nur die direkten Kosten für Unterkünfte, Verpflegung und lokale Dienstleister, sondern auch indirekte Effekte durch die Beschäftigung von Komparsen, Technikern und anderen Fachkräften aus der Region.
Für Bad Gastein bedeuten die Dreharbeiten zudem einen wichtigen Imagegewinn. Die Serie wird in Deutschland und Österreich von mehreren Millionen Zuschauern gesehen und fungiert damit als kostenlose Werbung für den Tourismusstandort. Studien zeigen, dass Drehorte von erfolgreichen Fernsehserien einen messbaren Anstieg der Touristenzahlen verzeichnen – ein Phänomen, das als "Film-induced Tourism" bekannt ist.
"Der Geier" steht in einer langen Tradition deutschsprachiger Krimiserien, die regionale Besonderheiten in den Mittelpunkt stellen. Während der klassische "Tatort" meist urbane Milieus beleuchtet, setzen neuere Formate wie der "Landkrimi" oder "Der Geier" auf die Verbindung von Verbrechen und ländlicher Idylle. Diese Entwicklung spiegelt ein gesellschaftliches Bedürfnis wider, auch abseits der Großstädte spannende und vielschichtige Geschichten zu erzählen.
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nimmt der deutschsprachige Raum eine Sonderstellung ein. Während skandinavische Krimis (Nordic Noir) international erfolgreich sind, bleiben deutsche und österreichische Produktionen meist auf den heimischen Markt beschränkt. "Der Geier" könnte jedoch das Potenzial haben, auch international Aufmerksamkeit zu erregen, da die Kombination aus alpiner Kulisse und psychologisch komplexen Charakteren universell ansprechend ist.
Krimiserien wie "Der Geier" erfüllen mehrere gesellschaftliche Funktionen. Sie bieten nicht nur Unterhaltung, sondern thematisieren auch aktuelle gesellschaftliche Probleme. Die Auseinandersetzung mit Themen wie Zeugenschutz, organisierter Kriminalität und sozialer Ungerechtigkeit macht die Serie zu mehr als nur einem Krimi – sie wird zu einem Spiegel gesellschaftlicher Realitäten.
Besonders in Österreich, wo die Bevölkerung traditionell ein hohes Vertrauen in staatliche Institutionen hat, können solche Serien dazu beitragen, Verständnis für die Komplexität der Arbeit von Polizei und Justiz zu schaffen. Gleichzeitig hinterfragen sie kritisch die Grenzen staatlicher Macht und die moralischen Dilemmata, mit denen Strafverfolgungsbehörden konfrontiert sind.
Die Ausstrahlung von "Der Geier 3" ist für Herbst 2026 in ORF 2 und auf der Streaming-Plattform ORF ON geplant. Diese zeitgleiche Verfügbarkeit im linearen Fernsehen und im Streaming spiegelt die veränderten Sehgewohnheiten des Publikums wider. Besonders jüngere Zuschauer nutzen zunehmend On-Demand-Angebote, während das traditionelle Fernsehpublikum weiterhin zur festen Sendezeit einschaltet.
Die Erfolgsaussichten der neuen Filme sind vielversprechend. Die Mischung aus bewährtem Personal, hochkarätigen Gaststars und der attraktiven Kulisse Bad Gasteins dürfte sowohl Stammzuschauer als auch neue Fans ansprechen. Die thematische Tiefe der Handlung, die sich nicht nur auf oberflächliche Kriminalfälle beschränkt, sondern psychologische und gesellschaftliche Aspekte beleuchtet, entspricht dem Trend zu anspruchsvolleren Fernsehformaten.
Sollten die beiden neuen Filme erfolgreich sein, ist eine Fortsetzung der Reihe wahrscheinlich. Die Figur des Lukas Geier bietet noch viel ungenutztes Potenzial für weitere Geschichten, und Bad Gastein als Schauplatz hat sich als tragfähige Kulisse erwiesen. Die Investitionen in Förderung und Produktion zeigen zudem das Vertrauen der Beteiligten in das langfristige Potenzial der Serie.
Mit den beiden neuen Filmen "Blut und Zweifel" und "Schattengeld" setzt "Der Geier" seinen erfolgreichen Weg fort und etabliert sich weiter als einer der interessantesten deutschsprachigen Krimis der Gegenwart. Die Verbindung von spannender Unterhaltung und gesellschaftlicher Relevanz macht die Serie zu einem wichtigen Baustein im österreichischen Fernsehprogramm und zu einem würdigen Botschafter für den Filmstandort Austria.