BB-Cremen, die als Alleskönner der Gesichtspflege angepriesen werden, stehen aktuell im Mittelpunkt eines aufsehenerregenden Tests des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) und der Stiftung Warentest. Diese Produkte, die als Blemish Balm oder Beauty Balm bekannt sind, sollen laut Herstellerangabe
BB-Cremen, die als Alleskönner der Gesichtspflege angepriesen werden, stehen aktuell im Mittelpunkt eines aufsehenerregenden Tests des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) und der Stiftung Warentest. Diese Produkte, die als Blemish Balm oder Beauty Balm bekannt sind, sollen laut Herstellerangaben kleine Makel abdecken, Feuchtigkeit spenden und sogar vor schädlichen UV-Strahlen schützen. Doch die Realität sieht anders aus, wie die Ergebnisse einer umfassenden Untersuchung von 12 handelsüblichen BB-Cremen zeigen.
BB-Cremen, kurz für Blemish Balm oder Beauty Balm, sind getönte Tagescremen, die eine Kombination aus Hautpflege und Make-up bieten sollen. Sie wurden in den letzten Jahren immer beliebter, da sie angeblich mehrere Produkte in einem vereinen: Feuchtigkeitspflege, Sonnenschutz und Make-up. Diese multifunktionalen Produkte versprechen, den Teint zu verschönern, die Haut zu pflegen und gleichzeitig einen gewissen Schutz gegen UV-Strahlen zu bieten.
Ursprünglich in den 1960er Jahren von einer deutschen Dermatologin entwickelt, um die Haut von Patienten nach Operationen zu beruhigen und zu schützen, erlebten BB-Cremen ihren Durchbruch in Asien. Vor allem in Südkorea wurden sie zum festen Bestandteil der täglichen Hautpflegeroutine, bevor sie schließlich weltweit populär wurden. Mit der Zeit haben sich zahlreiche Varianten entwickelt, die unterschiedliche Hautbedürfnisse ansprechen sollen.
Der VKI-Test zeigt, dass bekannte Marken wie Garnier, L’Oréal und Missha die Erwartungen der Konsumenten nicht erfüllen. Diese Produkte unterschreiten allesamt den von ihnen ausgewiesenen Schutz vor UVA- oder UVB-Strahlung. Besonders enttäuschend ist das Ergebnis für das zweitteuerste Produkt im Test, den Magic Wonder Balm von Judith Williams, der die Haut der Probandinnen sogar aktiv austrocknete, ebenso wie das südkoreanische Hype-Produkt von Missha. Beide erhielten eine „weniger“ bzw. „nicht zufriedenstellende“ Bewertung.
Ein weiteres Problem, das der Test aufdeckt, sind die kritischen Inhaltsstoffe in vielen BB-Cremen. Sieben der getesteten Produkte enthalten Stoffe, die nicht oder schlecht biologisch abbaubar sind. Besonders auffällig sind hier die Cremen von Judith Williams und Missha, die Mikroplastik in Form von Polyethylen enthalten. Diese winzigen Partikel können beim Abschminken ins Abwasser gelangen und sind schwer herauszufiltern, was zu Umweltproblemen führen kann.
Darüber hinaus enthalten einige Produkte Silikon D5 oder EDTA (Ethylendiamintetraessigsäure), die ebenfalls nicht oder schlecht biologisch abbaubar sind. Silikon D5 kann sich in Organismen anreichern, und die langfristigen Folgen für Umwelt und Gesundheit sind noch unklar.
Für Konsumenten bedeutet dies, dass sie sich nicht allein auf die Versprechen der Hersteller verlassen können. Viele glauben, mit einer BB-Creme Hautpflege, Make-up und Sonnenschutz in einem Produkt zu vereinen. Doch wie die VKI-Kosmetikexpertin betont, ist dies ein Irrtum. BB-Cremen können zwar den Teint verschönern und leichte Pflege bieten, ersetzen aber keine reichhaltige Tagespflege und keinen ausreichenden Sonnenschutz.
Ein Experte erklärt, dass BB-Cremen ideal für Menschen sind, die nach einer leichten Abdeckung und einem natürlichen Aussehen suchen. „Wer die BB-Creme als das nutzt, was sie ist – eine getönte Tagescreme – wird zufrieden sein. Wer jedoch mehr erwartet, wird enttäuscht“, so der Experte.
Im Vergleich zu anderen Pflegeprodukten, die sich auf eine bestimmte Funktion wie Feuchtigkeitspflege oder Sonnenschutz konzentrieren, bieten BB-Cremen eine All-in-One-Lösung, die jedoch in keinem Bereich wirklich herausragend ist. Während spezielle Sonnenschutzmittel oft einen hohen Lichtschutzfaktor bieten und reichhaltige Tagescremen intensive Feuchtigkeit spenden, bleibt die BB-Creme in allen Bereichen ein Kompromiss.
Ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe zeigt, dass viele BB-Cremen auf Silikone und Parabene setzen, um die gewünschte Textur und Haltbarkeit zu erreichen. Diese Stoffe können jedoch bei empfindlichen Personen zu Hautirritationen führen und sind in der Umwelt schwer abbaubar.
Die Zukunft der BB-Cremen könnte in der Entwicklung von Formeln liegen, die auf umweltfreundliche Inhaltsstoffe setzen und dennoch die versprochenen Pflegeeigenschaften bieten. Die steigende Nachfrage nach nachhaltigen und biologisch abbaubaren Produkten könnte Hersteller dazu zwingen, ihre Rezepturen zu überdenken.
Dieser Test könnte einen erheblichen Einfluss auf den Markt haben, da Verbraucher zunehmend kritischer gegenüber den Inhaltsstoffen und der Wirksamkeit von Kosmetikprodukten werden. Hersteller könnten gezwungen sein, transparenter zu werden und ihre Produkte zu verbessern, um den Erwartungen der Konsumenten gerecht zu werden.
Der VKI-Test zeigt deutlich, dass BB-Cremen nicht die Wunderprodukte sind, als die sie vermarktet werden. Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass sie mit einer BB-Creme keine umfassende Hautpflege erwarten können. Wer auf der Suche nach einem Produkt ist, das sowohl pflegt als auch schützt, sollte sich nach Alternativen umsehen oder mehrere spezialisierte Produkte kombinieren.
Die ausführlichen Testergebnisse und weitere Informationen sind ab sofort auf der Website des VKI verfügbar und ab dem 23. Oktober 2025 in der November-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT.