Die Zukunft der Wirtschaft in Niederösterreich hängt maßgeblich von der erfolgreichen Übergabe tausender Klein- und Mittelbetriebe ab. Zwischen 2020 und 2029 stehen mehr als 8.400 solcher Unternehmen vor einem Generationenwechsel, der nicht nur die Weitergabe von Know-how, sondern auch die Sicherung
Die Zukunft der Wirtschaft in Niederösterreich hängt maßgeblich von der erfolgreichen Übergabe tausender Klein- und Mittelbetriebe ab. Zwischen 2020 und 2029 stehen mehr als 8.400 solcher Unternehmen vor einem Generationenwechsel, der nicht nur die Weitergabe von Know-how, sondern auch die Sicherung von über 107.000 Arbeitsplätzen bedeutet. Diese Übergaben sind entscheidend, um die wirtschaftliche Stabilität und das Wachstum der Region zu gewährleisten. Am 28. Januar 2026 betonten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Wirtschaftskammer-Präsident Wolfgang Ecker die Bedeutung dieser Thematik bei einem Besuch des Restaurants Görg in Katzelsdorf.
Ein Generationenwechsel in einem Unternehmen ist weit mehr als nur ein interner Prozess. Er betrifft die gesamte wirtschaftliche Struktur einer Region. Betriebsnachfolge bezeichnet den Übergang der Geschäftsführung und des Eigentums eines Unternehmens auf eine neue Generation. In Niederösterreich sind besonders das Gewerbe und Handwerk, der Tourismus sowie der Handel von diesen Übergaben betroffen. Eine gelungene Betriebsnachfolge sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch das Fortbestehen der unternehmerischen Tradition und Innovation.
Die Praxis der Betriebsnachfolge ist nicht neu, doch die Herausforderungen haben sich im Laufe der Jahre verändert. Früher war es selbstverständlich, dass Kinder den elterlichen Betrieb übernahmen. Heute jedoch sehen sich viele Betriebe mit dem Problem konfrontiert, keine geeigneten Nachfolger innerhalb der Familie zu finden. Hinzu kommen rechtliche und steuerliche Hürden, die den Prozess komplizieren. Die Wirtschaftskammer Niederösterreich fordert daher Erleichterungen, wie einen höheren Freibetrag bei Veräußerungsgewinnen und einen Sondersteuersatz für Betriebsverkäufe.
Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass auch andere Bundesländer sowie Deutschland und die Schweiz mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind. In Deutschland etwa stehen jährlich rund 27.000 Unternehmen zur Übergabe an, während in der Schweiz jährlich etwa 15.000 Unternehmen betroffen sind. Unterschiede bestehen jedoch in der staatlichen Unterstützung und den steuerlichen Rahmenbedingungen, die in der Schweiz oftmals als unternehmerfreundlicher gelten.
Die Auswirkungen einer erfolgreichen Betriebsnachfolge sind weitreichend. Sie sichern nicht nur die Arbeitsplätze der Mitarbeiter, sondern tragen zur wirtschaftlichen Stabilität ganzer Regionen bei. Ein Paradebeispiel ist das Restaurant Görg, das Ende 2023 erfolgreich an die nächste Generation übergeben wurde. Diese Übergabe sicherte nicht nur die Arbeitsplätze der Angestellten, sondern auch die regionale Wertschöpfung. Solche Beispiele sind essenziell, um das Vertrauen in den Prozess der Betriebsnachfolge zu stärken.
Statistiken zeigen, dass mehr als 60 Prozent der Nachfolgerinnen und Nachfolger nach einer Übergabe den Umsatz steigern und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Dies unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung erfolgreicher Übergaben. Die Wirtschaftskammer Niederösterreich unterstützt diesen Prozess mit jährlich rund 400 Beratungen und einer Online-Nachfolgebörse, die über 1.000 Inserate listet.
Die Zukunft der Betriebsnachfolge in Niederösterreich sieht vielversprechend aus, vorausgesetzt, die geforderten Erleichterungen werden umgesetzt. Eine Vereinfachung der steuerlichen Regelungen und eine Erhöhung des Freibetrags könnten den Prozess erheblich erleichtern und mehr Unternehmer dazu ermutigen, ihre Betriebe rechtzeitig zu übergeben. Die Wirtschaftskammer plant, ihre Unterstützungsangebote weiter auszubauen, um noch mehr Unternehmer auf diesem Weg zu begleiten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Betriebsnachfolge eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Zukunft Niederösterreichs spielt. Sie sichert Arbeitsplätze, fördert Wachstum und erhält die unternehmerische Tradition der Region. Die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass dieser Prozess reibungslos und erfolgreich verläuft. Eine Frage bleibt jedoch offen: Werden die geforderten Erleichterungen rechtzeitig umgesetzt, um den bevorstehenden Generationenwechsel zu meistern?