Am 10. Dezember 2025 sorgte eine Entscheidung im oberösterreichischen Landtag für Aufsehen: Die Verordnung zur Tötung von bis zu 158 Bibern pro Saison wurde beschlossen. Diese Entscheidung stößt auf heftige Kritik seitens der Naturschutzorganisation WWF Österreich. Der Biber, einst fast ausgestorben
Am 10. Dezember 2025 sorgte eine Entscheidung im oberösterreichischen Landtag für Aufsehen: Die Verordnung zur Tötung von bis zu 158 Bibern pro Saison wurde beschlossen. Diese Entscheidung stößt auf heftige Kritik seitens der Naturschutzorganisation WWF Österreich. Der Biber, einst fast ausgestorben, gilt heute als Schlüsselart, die nicht nur neue Lebensräume schafft, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz leistet. Doch was bedeutet diese Verordnung für den Naturschutz in Österreich und welche Auswirkungen hat sie auf die lokale Biodiversität?
Der Biber ist mehr als nur ein Nagetier. Er ist ein sogenannter Ökosystem-Ingenieur, der durch den Bau von Dämmen und die Schaffung von Feuchtgebieten maßgeblich zur Erhaltung der Biodiversität beiträgt. Feuchtgebiete sind entscheidend für die Wasserregulierung in einer Landschaft, sie speichern Wasser und geben es in Trockenzeiten langsam ab, was sowohl Hochwasser als auch Dürreperioden abmildert. Laut Sarah Layendecker, Artenschutzexpertin beim WWF Österreich, sind die von Bibern geschaffenen Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten von immenser Bedeutung.
Historisch gesehen war der Biber in Österreich fast ausgerottet, bevor er dank intensiver Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsprojekte in den letzten Jahrzehnten zurückkehrte. Diese Rückkehr wird als Erfolgsgeschichte des Artenschutzes gefeiert. Die aktuelle Verordnung zur Biber-Tötung steht jedoch im Widerspruch zu EU-Recht, das den Schutz dieser Tiere vorsieht. Der WWF und die oberösterreichische Umweltanwaltschaft haben in ihren Stellungnahmen betont, dass alternative Lösungen notwendig sind, um Konflikte zwischen Mensch und Biber zu entschärfen.
In Deutschland und der Schweiz gibt es ähnliche Herausforderungen im Umgang mit Bibern, jedoch werden dort vermehrt Maßnahmen wie die Einrichtung von Uferrandstreifen oder der Ankauf von Flächen zur Konfliktprävention eingesetzt. Diese Ansätze haben sich als effektiv erwiesen, um sowohl den Schutz der Tiere als auch die Interessen der Landnutzer zu wahren.
Die Entscheidung zur Biber-Tötung hat direkte Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. Einerseits gibt es Landwirte, die Schäden an ihren Feldern durch Biberaktivitäten beklagen. Andererseits profitieren viele Gemeinden von den positiven Effekten der Biber auf die Landschaft, wie dem verbesserten Hochwasserschutz. Der WWF argumentiert, dass durch den Ausbau von Uferrandstreifen viele Konflikte vermieden werden könnten, was langfristig auch wirtschaftliche Vorteile für die Region bringen würde.
Die Verordnung erlaubt die Tötung von bis zu 158 Bibern pro Saison. Laut WWF sind rund 90 Prozent der Konflikte auf einen schmalen Streifen entlang der Gewässer zurückzuführen. Dies zeigt, dass gezielte Maßnahmen in diesen Bereichen besonders effektiv sein könnten. Zudem betont der WWF, dass die von Bibern geschaffenen Feuchtgebiete große Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen binden, was einen zusätzlichen Nutzen für das Klima darstellt.
Der WWF fordert einen sofortigen Stopp der Biber-Tötungen und setzt sich für langfristige Lösungen ein. Diese beinhalten vor allem die Ausweitung von Uferrandstreifen und den Ankauf von Flächen, um den Lebensraum der Biber zu sichern und Konflikte zu minimieren. Langfristig könnte dies nicht nur den Schutz der Biber, sondern auch die Anpassung an den Klimawandel fördern, indem natürliche Wasserspeicher erhalten bleiben.
Die Entscheidung zur Biber-Tötung in Oberösterreich hat eine breite Diskussion über den richtigen Umgang mit Wildtieren in dicht besiedelten Regionen entfacht. Während die Verordnung kurzfristige Lösungen für Konflikte bietet, betonen Experten die Notwendigkeit langfristiger und nachhaltiger Strategien. Der WWF bleibt optimistisch und hofft, dass durch die laufende Petition und den öffentlichen Druck ein Umdenken in der Politik erreicht werden kann. Wie die Zukunft des Bibers in Österreich aussieht, hängt nun von den weiteren Entscheidungen der Verantwortlichen ab.
Für weiterführende Informationen besuchen Sie die offizielle Pressemitteilung des WWF Österreich.