Ausgleichstaxfonds braucht nachhaltige Stärkung und verbindliche Maßnahmen
Zentrum für Selbstbestimmtes Leben mahnt strukturelle Verbesserungen für Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen ein
Das BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben schlägt Alarm: Der Ausgleichstaxfonds, ein zentrales Instrument zur Förderung der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen, benötigt dringend eine nachhaltige finanzielle Absicherung. Die Organisation fordert verbindliche Maßnahmen und eine transparente, mehrjährige Finanzplanung, um die strukturellen Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen am österreichischen Arbeitsmarkt zu beseitigen.
Der Ausgleichstaxfonds spielt eine entscheidende Rolle bei der Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt. Unternehmen, die nicht die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl an Menschen mit Behinderungen beschäftigen, zahlen eine Ausgleichstaxe in diesen Fonds ein. Die Mittel werden dann zur Förderung der Beschäftigung und beruflichen Integration von Menschen mit Behinderungen verwendet.
"Der Ausgleichstaxfonds ist ein zentrales Instrument zur Förderung der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen", betont Martin Ladstätter, Obmann von BIZEPS. "Damit Maßnahmen wirksam greifen können, braucht es gesicherte finanzielle Mittel und Planungssicherheit über mehrere Jahre."
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Erwerbsquote von Menschen mit Behinderungen liegt in Österreich noch immer erheblich unter jener von Menschen ohne Behinderungen. Diese strukturelle Benachteiligung zeigt, dass das Ziel einer gleichberechtigten Teilhabe am Arbeitsmarkt noch lange nicht erreicht ist.
BIZEPS fordert daher eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Anpassung der bestehenden Angebote. Ohne stabile finanzielle Grundlagen drohen wichtige Leistungen für Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt gekürzt zu werden. Dies würde die bereits bestehenden Nachteile weiter verstärken und die Integration erschweren.
Die geforderte Planungssicherheit ist nicht nur für die Betroffenen selbst wichtig, sondern auch für Unternehmen und Organisationen, die inklusive Beschäftigung ermöglichen wollen. Nur mit verlässlichen finanziellen Rahmenbedingungen können langfristige Programme entwickelt und umgesetzt werden.
"Die Zielerreichung muss jährlich überprüft, dokumentiert und öffentlich nachvollziehbar gemacht werden", fordert Ladstätter. Diese Transparenz ist notwendig, um den Erfolg der Maßnahmen zu bewerten und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.
Ein besonders kritischer Punkt ist die Situation von Frauen mit Behinderungen. Sie sind am Arbeitsmarkt doppelt benachteiligt – sowohl aufgrund ihres Geschlechts als auch aufgrund ihrer Behinderung. Diese Mehrfachdiskriminierung führt zu einer besonders prekären Lage.
Cornelia Scheuer, Vorstandsmitglied bei BIZEPS, macht die Dringlichkeit deutlich: "Frauen mit Behinderungen sind am Arbeitsmarkt erheblich benachteiligt. Der Förderanteil für Frauen muss gezielt und konsequent so lange erhöht werden, bis er jenem der Männer entspricht."
BIZEPS fordert, dass Mittel aus dem Ausgleichstaxfonds verstärkt und verbindlich für Frauen eingesetzt werden. "Gleichstellung muss ernst gemeint und Maßnahmen dazu konsequent umgesetzt werden", so Scheuer weiter.
Eine verbindliche Gleichstellungsstrategie soll sicherstellen, dass Frauen mit Behinderungen nicht weiter benachteiligt werden. Dazu gehört auch eine transparente Darstellung der Mittelverwendung nach Geschlecht, um die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfen zu können.
BIZEPS hat einen klaren Forderungskatalog entwickelt, der folgende Punkte umfasst:
BIZEPS steht mit seinen Forderungen nicht allein da. Die Organisation unterstützt ausdrücklich die Forderung des Österreichischen Behindertenrats nach nachhaltiger budgetärer Absicherung des Ausgleichstaxfonds. Diese breite Allianz zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist.
Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch ein wichtiger Baustein für eine inklusive Gesellschaft. Wenn Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am Arbeitsmarkt teilhaben können, profitiert die gesamte Gesellschaft davon.
Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen beschäftigen, berichten häufig von positiven Erfahrungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen oft besondere Fähigkeiten und Perspektiven mit, die das Arbeitsumfeld bereichern.
Österreich hat sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, Menschen mit Behinderungen gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Dazu gehört auch das Recht auf Arbeit und Beschäftigung.
Die aktuellen Zahlen zur Erwerbsquote zeigen jedoch, dass Österreich diese internationalen Verpflichtungen noch nicht vollständig erfüllt. Eine nachhaltige Stärkung des Ausgleichstaxfonds könnte einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung dieser Rechte leisten.
BIZEPS wird seine Forderungen weiterhin vehement vertreten und den politischen Dialog suchen. Die Organisation hofft auf eine rasche Umsetzung der geforderten Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen bessere Chancen am Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Das Ziel bleibt klar definiert: ein ebenso hohes Beschäftigungsniveau für Menschen mit Behinderungen wie für Menschen ohne Behinderungen zu erreichen. Bis dahin, so macht BIZEPS deutlich, bleibt noch viel zu tun. Die gesicherte Finanzierung des Ausgleichstaxfonds wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.