Wirtschaftskammer fordert flexible Ferienregelung wegen Kostenfalle für Familien
Semesterferien fallen 2027 in die Faschingswoche - Familien zahlen 15% mehr für Skiurlaub, heimische Wirtschaft verliert Gäste und Tradition leidet.
Die burgenländischen Semesterferien 2027 bringen ein kostspieliges Problem mit sich: Sie fallen vom 8. bis 13. Februar genau in die Faschingswoche. Diese ungünstige Terminüberschneidung sorgt für deutlich höhere Urlaubskosten für Familien und schwächt gleichzeitig die heimische Wirtschaft. Die Wirtschaftskammer Burgenland sieht darin einen klaren Beweis für den dringenden Reformbedarf bei der österreichischen Ferienregelung.
"Diese Konstellation ist aus mehreren Gründen unglücklich", erklärt Andreas Wirth, Präsident der Wirtschaftskammer Burgenland. Die Faschingswoche zählt in den beliebten Skigebieten ähnlich wie die Weihnachtszeit zur absoluten Hochsaison. Hotels und Pensionen verlangen in dieser Zeit Spitzenpreise, die Familien aus dem Burgenland besonders hart treffen.
"Die Familien müssen in diesem Zeitraum mit 10 bis 15 Prozent höheren Kosten rechnen", warnt Wirth. Für eine vierköpfige Familie kann das mehrere hundert Euro Mehrkosten bedeuten - ein erheblicher Aufschlag auf das ohnehin schon teure Skivergnügen. Während andere Bundesländer ihre Semesterferien zu günstigeren Zeiten haben, müssen burgenländische Familien tiefer in die Tasche greifen.
Doch nicht nur die Familien leiden unter der ungünstigen Terminwahl. Auch die burgenländische Wirtschaft, insbesondere Gastronomie und Veranstaltungsbetriebe, spüren die negativen Auswirkungen deutlich. Das Burgenland gilt nach Kärnten als das faschingsstärkste Bundesland Österreichs und kann normalerweise auf eine jahrhundertealte Tradition und entsprechend hohe Besucherzahlen bauen.
"Wenn jedoch viele Landsleute genau dann auf Urlaub sind, fehlen nicht nur der Gastronomie diese Gäste, es leidet auch die Brauchtumspflege", so Wirth. Traditionelle Faschingsveranstaltungen, die normalerweise gut besucht sind, müssen mit deutlich weniger Publikum rechnen. Restaurants, Gasthäuser und Hotels verlieren wichtige Umsätze in einer Zeit, die normalerweise zu den stärksten des Jahres zählt.
Die Rechnung ist einfach: Während burgenländische Familien ihr Geld in anderen Bundesländern oder im Ausland ausgeben, bleibt die heimische Kasse leer. "Unterm Strich verlieren wir dreifach: Die Familien zahlen mehr im Urlaub, Tradition geht verloren und die Betriebe im Land verzeichnen geringere Umsätze", fasst Wirth die Problematik zusammen.
Der Grund für diese ungünstige Situation liegt in der starren gesetzlichen Regelung der Semesterferien. Das zugrunde liegende Schulzeitgesetz stammt aus dem Jahr 1985 und berücksichtigt weder die heutigen gesellschaftlichen Bedürfnisse noch die wirtschaftlichen Auswirkungen von Terminüberschneidungen.
"Die aktuelle Situation zeigt deutlich, dass wir hier modernere und flexiblere Lösungen brauchen", betont der Wirtschaftskammerpräsident. Das fast 40 Jahre alte Gesetz wurde in einer Zeit verabschiedet, als der Tourismus noch eine andere Rolle spielte und die gesellschaftlichen Strukturen anders waren. Die heutigen Herausforderungen - von veränderten Familienstrukturen bis hin zu neuen touristischen Trends - waren damals noch nicht absehbar.
Ein Blick auf andere Bundesländer zeigt, dass flexible Lösungen durchaus möglich sind. Mehrere Länder haben in der Vergangenheit bereits ihre Semesterferien angepasst, um ungünstige Überschneidungen zu vermeiden oder bessere Verteilungen zu erreichen. Diese Erfahrungen könnten auch für das Burgenland wertvoll sein.
Die Wirtschaftskammer verweist darauf, dass nicht nur das Burgenland von einer Reform profitieren würde. Auch andere Bundesländer könnten von mehr Flexibilität bei der Feriengestaltung profitieren, um besser auf regionale Besonderheiten und wirtschaftliche Gegebenheiten eingehen zu können.
Die Wirtschaftskammer Burgenland spricht sich daher für eine grundlegende Weiterentwicklung des Schulferiengesetzes aus. "Ferienregelungen müssen sich stärker an den Bedürfnissen der Menschen und der regionalen Wirtschaft orientieren", fordert Wirth. Eine moderne Ferienregelung sollte nicht nur pädagogische Aspekte berücksichtigen, sondern auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen.
Als konkreten Lösungsansatz schlägt die Wirtschaftskammer vor, bundeslandspezifische Anpassungen der Semesterferien zu erleichtern. "Eine Möglichkeit wäre etwa, bundeslandspezifische Anpassungen der Semesterferien zu erleichtern, um besser auf regionale Gegebenheiten eingehen zu können", erklärt Wirth. Dies würde es den Bundesländern ermöglichen, ihre Ferien besser an lokale Traditionen, wirtschaftliche Zyklen und touristische Gegebenheiten anzupassen.
Eine flexible Ferienregelung würde mehrere positive Effekte haben: Familien könnten Geld sparen, wenn sie nicht mehr zwangsläufig in der teuersten Zeit verreisen müssen. Die heimische Wirtschaft würde profitieren, wenn wichtige Veranstaltungen nicht mehr durch Ferienzeiten beeinträchtigt werden. Und kulturelle Traditionen könnten besser gepflegt werden, wenn die Menschen vor Ort sind, um daran teilzunehmen.
"Man sollte die gesetzlichen Grundlagen so anpassen, dass solche unglücklichen Konstellationen künftig vermieden werden können", so Wirth. "Mehr Flexibilität würde allen zugutekommen – den Familien, den Betrieben und den Regionen."
Für die Semesterferien 2027 ist es bereits zu spät für Änderungen - die Terminplanung der Schulen steht fest. Doch die Diskussion um flexiblere Ferienregelungen könnte durchaus Früchte tragen für die Jahre danach. Die Wirtschaftskammer will das Thema weiter vorantreiben und sich für entsprechende Gesetzesänderungen einsetzen.
Die Hoffnung ist, dass künftige Generationen nicht mehr vor der Wahl stehen müssen zwischen teurem Familienurlaub und dem Verzicht auf gemeinsame Ferienzeit. Eine moderne, flexible Ferienregelung könnte dafür sorgen, dass sowohl die Bedürfnisse der Familien als auch die der regionalen Wirtschaft besser berücksichtigt werden.