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BWB bestätigt: Temu stellte unlautere Praktiken nach Beschwerde ein

13. März 2026 um 14:12
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Die chinesische Online-Plattform Temu lenkt nach behördlichem Druck ein: Nach einer Beschwerde des österreichischen Handelsverbands bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat der Billiganbieter dre...

Die chinesische Online-Plattform Temu lenkt nach behördlichem Druck ein: Nach einer Beschwerde des österreichischen Handelsverbands bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat der Billiganbieter drei unlautere Geschäftspraktiken eingestellt. Der heute veröffentlichte BWB-Bericht bestätigt damit die schwerwiegenden Vorwürfe gegen die Fernost-Plattform und markiert einen wichtigen Durchbruch im Kampf um faire Wettbewerbsbedingungen im österreichischen E-Commerce-Markt.

Temu unter Druck: Drei unlautere Praktiken gestoppt

Die Bundeswettbewerbsbehörde hat dem österreichischen Handelsverband in allen wesentlichen Punkten Recht gegeben. Temu musste nach der behördlichen Intervention drei zentrale Verstöße gegen das Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) einstellen. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, zeigt sich zufrieden: "Der Bericht der BWB zeigt schwarz auf weiß, dass das Einschreiten des Handelsverbands und der Bundeswettbewerbsbehörde Wirkung gezeigt hat."

Die eingestellten Verstöße im Detail

  • Manipulative Geschäftspraktiken: Temu suggerierte fälschlicherweise, dass Produkte nur sehr begrenzte Zeit zu Sonderkonditionen verfügbar seien
  • Vorgetäuschte Warenknappheit: Die Plattform machte irreführende Angaben zur angeblich stark begrenzten Verfügbarkeit bestimmter Produkte, obwohl oft noch hunderte Stück bestellbar waren
  • Irreführende Darstellungen: Werbebilder und Produktbeschreibungen entsprachen nicht der Realität

Neue Kontrollmechanismen bei Temu implementiert

Als direkte Konsequenz der BWB-Abmahnung führte Temu umfassende neue Maßnahmen ein. Das Unternehmen richtete eine spezielle Task Force ein, die ausschließlich die meistverkauften Artikel auf der österreichischen Website überprüft. Zusätzlich wurde ein neuer Erkennungs- und Abhilfemechanismus geschaffen, um irreführende Geschäftspraktiken künftig zu verhindern.

Diese Maßnahmen sind mehr als nur kosmetische Korrekturen. Sie zeigen, dass internationale Plattformen durchaus auf behördlichen Druck reagieren, wenn dieser konsequent und fachlich fundiert erfolgt. Die BWB behält sich vor, bei wiederholten oder neuen lauterkeitswidrigen Geschäftspraktiken entsprechende rechtliche Schritte einzuleiten.

Erfolgsgeschichte mit Vorgeschichte: Der lange Weg zur Beschwerde

Der Erfolg gegen Temu war kein Zufall, sondern das Ergebnis systematischer Arbeit. Bereits im August 2024 hatte der Handelsverband eine umfassende Beschwerde bei der BWB eingebracht. Monatelang sammelten Experten Belege für die vermuteten Verstöße gegen das österreichische Wettbewerbsrecht.

Das Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) erklärt

Das UWG ist Österreichs zentrales Instrument zum Schutz vor unlauteren Geschäftspraktiken. Es verbietet irreführende Werbung, aggressive Verkaufsmethoden und andere Praktiken, die den Wettbewerb verzerren. Verstöße können mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden. Das Gesetz schützt sowohl Verbraucher als auch ehrliche Unternehmer vor unfairen Praktiken ihrer Konkurrenten.

Besonders problematisch sind manipulative Techniken wie künstliche Verknappung oder Zeitdruck. Diese sogenannten "Dark Patterns" nutzen psychologische Schwächen der Konsumenten aus und führen zu unüberlegten Kaufentscheidungen. Genau solche Praktiken hatte der Handelsverband bei Temu identifiziert.

Konkreter Fall zeigt Wirksamkeit: FUSSL-Markenrechtsverletzung gestoppt

Die Wirksamkeit des behördlichen Vorgehens zeigt sich exemplarisch am Fall der österreichischen Modemarke FUSSL. Das Unternehmen hatte sich an den Handelsverband gewandt, nachdem Temu unerlaubterweise die Marke FUSSL auf seiner Website verwendet hatte. Nach der Weiterleitung der Nachweise an die BWB und deren Kontaktaufnahme mit Temu wurde der Markenrechtsverstoß umgehend eingestellt.

Dieser Fall verdeutlicht ein strukturelles Problem: Internationale Plattformen nutzen oft Marken und Produktbilder österreichischer Unternehmen ohne Erlaubnis. Für kleinere Händler ist es schwierig und teuer, dagegen vorzugehen. Der Handelsverband fungiert hier als wichtiger Schutzschild für seine Mitglieder.

Historischer Kontext: Nicht der erste Erfolg des Handelsverbands

Der Erfolg gegen Temu reiht sich in eine Serie erfolgreicher Interventionen ein. Bereits 2019 sorgte der österreichische Handelsverband international für Aufsehen, als Amazon nach einer BWB-Beschwerde weltweit acht Geschäftsbedingungen anpassen musste. Von dieser Änderung profitieren bis heute mehr als 4.000 österreichische Händler, die über die Amazon-Plattform verkaufen.

Diese Erfolge zeigen die Schlagkraft österreichischer Institutionen im internationalen Wettbewerbsrecht. Während viele kleinere Länder gegen Tech-Giganten machtlos erscheinen, beweist Österreich, dass konsequentes Vorgehen auch gegen internationale Konzerne Wirkung zeigt.

Rechnungshof bestätigt: Milliarden-Steuerausfälle durch Online-Handel

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des österreichischen Rechnungshofs untermauert die Kritik des Handelsverbands an unfairen Wettbewerbsbedingungen. Die Umsätze aus dem One-Stop-Shop-System (OSS) der EU bleiben weitgehend ungeprüft, wodurch dem österreichischen Staat jährlich Milliarden an Steuereinnahmen entgehen.

Das One-Stop-Shop-System der EU erklärt

Das OSS-System sollte die Mehrwertsteuer-Abwicklung im grenzüberschreitenden E-Commerce vereinfachen. Unternehmen können ihre Mehrwertsteuer zentral in einem EU-Land abführen, auch wenn sie in andere Mitgliedstaaten verkaufen. Theoretisch eine gute Idee – praktisch aber schwer kontrollierbar. Viele ausländische Anbieter nutzen diese Schwäche und hinterziehen systematisch Steuern.

"Der auf den ersten Blick günstige Einkauf auf Fernost-Plattformen hat einen hohen Preis: Kaufkraft fließt ins Ausland, lokale Arbeitsplätze geraten unter Druck und wichtige Steuereinnahmen gehen verloren", erklärt Handelssprecher Rainer Will die dramatischen volkswirtschaftlichen Folgen.

Geplante Gegenmaßnahmen: Nationale und EU-weite Initiativen

Die österreichische Bundesregierung hat bereits konkrete Schritte angekündigt. Strengere Zollkontrollen und eine nationale Paketabgabe sollen das Spielfeld nivellieren. Auf EU-Ebene ist ab Juli 2026 eine einheitliche Zollgebühr von 3 Euro für Lieferungen aus Drittstaaten mit einem Warenwert unter 150 Euro geplant. Ab November 2026 kommt eine zusätzliche EU-weite Handling Fee hinzu.

Österreich im internationalen Vergleich

Während Österreich auf diplomatische Lösungen setzt, gehen andere Länder bereits härter vor. Polen hat gegen Temu eine Geldstrafe von 5,9 Millionen Złoty wegen der Nichteinhaltung gesetzlicher Vorgaben zur Preisauszeichnung verhängt. Deutschland prüft schärfere Kontrollen für Pakete aus China, und Frankreich diskutiert eine spezielle Steuer auf Ultra-Fast-Fashion.

Diese unterschiedlichen Ansätze zeigen: Europa sucht noch nach der optimalen Balance zwischen Verbraucherschutz und Handelsfreiheit. Österreichs Weg über die Wettbewerbsbehörden erweist sich dabei als besonders effektiv, da er rechtlich wasserdicht und international durchsetzbar ist.

Der E-Commerce Aktionsplan 2026 des Handelsverbands

Der Handelsverband hat das Problem erkannt und konkrete Lösungen entwickelt. Der "E-Commerce Aktionsplan 2026" enthält sechs spezifische Handlungsempfehlungen zur Lösung des Vollzugsdefizits im Online-Handel. Besonders das Problem der mangelnden Kontrolle ausländischer Anbieter steht dabei im Fokus.

Die Empfehlungen reichen von verschärften Identifikationspflichten für ausländische Händler bis hin zu automatisierten Kontrollsystemen für verdächtige Transaktionen. Ein zentraler Punkt ist die bessere Zusammenarbeit zwischen nationalen Behörden und EU-Institutionen.

EU-Verfahren gegen Temu und Shein laufen

Parallel zu den österreichischen Erfolgen laufen auf EU-Ebene mehrere Verfahren gegen Plattformen wie Temu und Shein. Der Digital Services Act (DSA) bietet neue Handhabe gegen problematische Praktiken großer Online-Plattformen. Diese müssen seit 2023 strengere Transparenz- und Sorgfaltspflichten erfüllen.

Der Digital Services Act erklärt

Der DSA ist die EU-Antwort auf die Macht der Tech-Giganten. Das Gesetz verpflichtet große Online-Plattformen zu mehr Transparenz bei Empfehlungsalgorithmen, schärferen Kontrollen bei illegalen Inhalten und besseren Beschwerdemechanismen für Nutzer. Verstöße können mit Geldbußen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.

"Es kann nicht sein, dass sich heimische Händler auf Punkt und Komma an jede Regelung halten müssen, während Ramsch-Plattformen aus Fernost defacto vogelfrei und ohne Konsequenzen bei Nichteinhaltung von Gesetzen handeln können", kritisiert Will die unterschiedlichen Standards.

Auswirkungen auf österreichische Verbraucher und Händler

Die Erfolge gegen Temu haben direkte positive Auswirkungen auf österreichische Konsumenten. Weniger irreführende Werbung bedeutet informierte Kaufentscheidungen. Faire Preisauszeichnungen ermöglichen echte Vergleiche. Und korrekte Produktbeschreibungen reduzieren Enttäuschungen bei der Lieferung.

Für österreichische Händler bedeuten die Maßnahmen eine Verbesserung der Wettbewerbsposition. Wenn alle Anbieter dieselben Regeln befolgen müssen, können sich seriöse Unternehmen wieder stärker über Qualität und Service differenzieren, statt nur über den Preis konkurrieren zu müssen.

Zukunftsperspektive: Der Kampf ist noch nicht gewonnen

Trotz der Erfolge warnt der Handelsverband vor Selbstzufriedenheit. Die strukturellen Probleme im internationalen E-Commerce sind noch lange nicht gelöst. Neue Plattformen entstehen ständig, und bestehende Anbieter entwickeln immer raffiniertere Methoden zur Umgehung von Vorschriften.

Die nächsten kritischen Monate werden zeigen, ob Temu die angekündigten Reformen tatsächlich dauerhaft umsetzt oder nur oberflächliche Anpassungen vornimmt. Die BWB hat bereits angekündigt, die Entwicklung genau zu beobachten und bei Rückfällen sofort zu intervenieren.

Besonders wichtig wird die Koordination zwischen nationalen Behörden und EU-Institutionen. Nur wenn alle europäischen Länder an einem Strang ziehen, können internationale Plattformen effektiv reguliert werden. Der österreichische Erfolg gegen Temu könnte dabei als Blaupause für andere EU-Staaten dienen.

Die Botschaft ist klar: Auch kleine Länder wie Österreich können große internationale Konzerne zur Einhaltung lokaler Gesetze zwingen – vorausgesetzt, sie gehen entschlossen und rechtlich fundiert vor. Der Fall Temu zeigt, dass der Rechtsstaat auch im digitalen Zeitalter funktioniert, wenn er konsequent durchgesetzt wird.

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