Export-Förderungen fallen ab 2026 weg - Österreichs Energiewende unter Kostendruck
China streicht ab April 2026 zentrale Export-Subventionen für Photovoltaik. Das macht Solarmodule teurer und setzt Österreichs Energiewende unter Druck.
Die Energiewende in Österreich steht vor neuen Herausforderungen: Ab dem 1. April 2026 streicht China zentrale Export-Subventionen für Photovoltaik-Produkte. Diese Entscheidung der chinesischen Regierung wird direkte Auswirkungen auf den heimischen Solarmarkt haben und könnte die Kosten für Photovoltaik-Anlagen deutlich erhöhen.
Die chinesische Regierung beendet die bisherige Mehrwertsteuererstattung von 0 Prozent für PV-Produkte vollständig. Bei Batteriespeichern wird die Rückerstattung schrittweise reduziert – von derzeit 9 Prozent auf 6 Prozent ab 2027, später soll sie vollständig wegfallen.
Diese Export-Mehrwertsteuer-Rückvergütung war ein wichtiges Instrument der chinesischen Handelspolitik. Bislang erhielten chinesische Hersteller die zuvor entrichtete Mehrwertsteuer für ausgeführte Photovoltaik-Produkte teilweise oder vollständig zurück. Dieser indirekte Exportanreiz ermöglichte besonders wettbewerbsfähige Preise auf dem Weltmarkt und machte chinesische Module zu den günstigsten am Markt.
Mit dem Wegfall dieser Rückerstattung erhöhen sich die effektiven Exportkosten für chinesische Hersteller erheblich. Da China etwa 80 Prozent der weltweiten Solarmodule produziert und Europa stark von diesen Importen abhängig ist, werden die Preisauswirkungen global spürbar sein.
Die Preiseffekte werden sich nicht sofort bemerkbar machen, sondern zeitverzögert durch die Lieferketten bewegen. Viele Hersteller versuchen derzeit noch, größere Mengen zu bisherigen Konditionen nach Europa zu liefern. Solange entsprechende Lagerbestände verfügbar sind, bleibt das Preisniveau vorerst stabil.
Experten erwarten erste Preiserhöhungen ab dem späten Frühjahr 2026, die sich in den Folgemonaten vollständig durchsetzen könnten. Sobald die günstigen Lagerbestände abgebaut oder durch höher eingekaufte Ware ersetzt werden, dürften deutliche Preisanpassungen folgen.
Daniel Pölzlbauer, Geschäftsführer der EPP GmbH in Aspang, Niederösterreich, warnt: "Diese Entwicklung ist besonders für Großprojekte relevant. Steigen Modul- und Speicherpreise dauerhaft, verändern sich die Wirtschaftlichkeitsberechnungen deutlich. Projekte mit knapper Rendite könnten neu bewertet oder verschoben werden."
Für österreichische Haushalte und Unternehmen bedeutet das Ende der chinesischen Subventionen konkret höhere Investitionskosten für Photovoltaik-Anlagen. Während ein durchschnittliches Einfamilienhaus-System derzeit zwischen 15.000 und 25.000 Euro kostet, könnten die Preise um mehrere tausend Euro steigen.
Besonders betroffen sind dabei:
Die höheren Kosten könnten dazu führen, dass sich die Amortisationszeiten für Photovoltaik-Anlagen verlängern und manche Projekte wirtschaftlich unattraktiv werden.
Mit dem Wegfall des steuerlichen Exportvorteils verändert sich auch das Marktgefüge grundlegend. Besonders günstige Anbieter profitierten bislang stark von der Rückvergütung. Fällt dieser Vorteil weg, reduziert sich der Preisabstand zwischen Niedrigpreisprodukten und hochwertigeren Systemen erheblich.
Diese Entwicklung könnte paradoxerweise positive Effekte haben: Lebensdauer, Servicefähigkeit und technische Leistungsfähigkeit rücken stärker in den Fokus der Kaufentscheidung. Hochwertige Anlagen können sich über den gesamten Betriebszeitraum von 20 bis 25 Jahren wirtschaftlich stabiler darstellen, selbst wenn die Anfangsinvestition höher ausfällt.
Für Verbraucher bedeutet das: Reine Preisvergleiche werden weniger aussagekräftig. Stattdessen sollten Faktoren wie Herstellergarantien, Servicenetzwerk und langfristige Performance stärker gewichtet werden.
Parallel zu den PV-Modulen verteuern sich auch Batteriespeicher. Dies ist besonders problematisch, da die Nachfrage nach Speicherlösungen stark steigt. Steigende Netzkosten und der Wunsch nach höherem Eigenverbrauch fördern insbesondere Komplettsysteme aus Photovoltaik und Batteriespeicher.
Im gewerblichen Bereich zeigt sich bereits jetzt, dass häufig einzelne Hardwarekomponenten verkauft werden, ohne die notwendige Systemintegration ausreichend zu berücksichtigen. Das führt dazu, dass Großspeicher nicht optimal gesteuert werden können und fehlende Energiemanagementsysteme den Nutzen einschränken.
Integrierte Lösungen, die Hardware und Software als abgestimmtes Gesamtpaket verbinden, sind bislang vergleichsweise selten, könnten aber durch die veränderten Marktbedingungen an Bedeutung gewinnen.
Der zusätzliche Preisdruck und neue handelspolitische Vorgaben verschärfen den Wettbewerb weiter. Vor allem Anbieter, die fast ausschließlich über den Preis verkaufen, verfügen oft nur über geringe finanzielle Reserven. Müssen solche Unternehmen den Markt verlassen, sind Garantie- und Serviceleistungen für bereits installierte Anlagen unter Umständen nicht mehr gesichert.
Da viele Systeme auf proprietären Analyse- und Diagnosetools basieren, ist eine unabhängige Betreuung oft nur eingeschränkt möglich. Für Betreiber erhöht sich damit das technische und wirtschaftliche Risiko erheblich.
Eine Marktkonsolidierung könnte die Folge sein, bei der nur finanziell stabile Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen überleben. Dies wäre langfristig möglicherweise positiv für die Branche, kurzfristig aber mit Unsicherheiten verbunden.
Die Preisveränderungen könnten europäische Hersteller stärken. Unternehmen wie Meyer Burger, SolarWatt oder andere europäische Produzenten werden plötzlich preislich wettbewerbsfähiger. Auch wenn die Produktionskapazitäten in Europa noch begrenzt sind, könnte dies Investitionen in neue Fertigungsstandorte ankurbeln.
Für österreichische Verbraucher bedeutet das möglicherweise künftig eine größere Auswahl an regional produzierten Komponenten, die zwar teurer, aber auch nachhaltiger und servicefreundlicher sein könnten.
Österreich hat sich ehrgeizige Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzt. Bis 2030 soll der Stromverbrauch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Photovoltaik spielt dabei eine zentrale Rolle – die installierte Leistung soll von derzeit etwa 3.000 Megawatt auf 13.000 Megawatt ausgebaut werden.
Höhere Kosten für PV-Anlagen könnten diese Ausbauziele gefährden oder zumindest verzögern. Die Regierung steht vor der Herausforderung, durch entsprechende Fördermaßnahmen gegenzusteuern oder alternative Strategien zu entwickeln.
Angesichts der erwarteten Preiserhöhungen sollten Interessenten ihre Photovoltaik-Projekte zeitnah umsetzen. Wer bereits konkrete Pläne hat, sollte diese bis Frühjahr 2026 realisieren, um noch von den aktuellen Preisen zu profitieren.
Gleichzeitig empfiehlt es sich, bei der Anbieterauswahl nicht nur auf den Preis zu schauen. Wichtige Kriterien sind:
Das Ende der chinesischen Export-Mehrwertsteuer-Rückvergütung markiert einen deutlichen Wendepunkt für den europäischen und österreichischen Solarmarkt. Die Energiewende bleibt technisch umsetzbar und notwendig, doch ihre ökonomischen Rahmenbedingungen verändern sich spürbar.
Investitionsentscheidungen sollten daher künftig nicht mehr ausschließlich am kurzfristigen Preis ausgerichtet werden. Systemqualität, Integrationsfähigkeit und langfristige Stabilität gewinnen an Bedeutung, wenn steigende Kosten die Wirtschaftlichkeit stärker in den Mittelpunkt rücken.
Für Österreich bedeutet dies eine Zäsur: Nach Jahren des kontinuierlichen Preisverfalls bei Solarmodulen kehrt sich der Trend um. Die Branche muss sich auf eine neue Realität einstellen, in der Qualität und Service wieder wichtiger werden als der reine Preis. Langfristig könnte dies zu einem gesünderen und nachhaltigeren Markt führen – auch wenn der Übergang schmerzhaft werden dürfte.