Neue Empfehlungen für Österreicher: Vorsorgeuntersuchungen bereits ab dem 45. Lebensjahr
Die Krebshilfe appelliert zum Darmkrebsmonat März an alle Österreicher, bereits ab 45 Jahren regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen.
Zum Auftakt des Internationalen Darmkrebsmonats März schlagen die Österreichische Krebshilfe und die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) Alarm: Trotz medizinischer Fortschritte bleibt Darmkrebs die dritthäufigste Krebserkrankung in Österreich. Mit aktualisierten Vorsorgeempfehlungen und der Kampagne "Don't wait – Warten Sie nicht" wollen die Experten die Bevölkerung zu früheren Vorsorgeuntersuchungen motivieren.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2024 erkrankten in Österreich 2.600 Männer und 2.169 Frauen neu an Dickdarmkrebs, wie aktuelle Daten der Statistik Austria zeigen. Damit steht diese Krebsart weiterhin an dritter Stelle der häufigsten Krebserkrankungen bei beiden Geschlechtern. "Durch eine rechtzeitige Darmspiegelung könnten viele dieser Darmkrebserkrankungen vermieden werden", betont Paul Sevelda von der Krebshilfe.
Dennoch gibt es auch positive Entwicklungen zu verzeichnen: In den vergangenen Jahren gelang es durch gezielte Aufklärkungskampagnen und Verbesserungen in Diagnostik und Therapie, die altersstandardisierten Neuerkrankungen um beachtliche 20 Prozent zu senken. Noch erfreulicher ist die Entwicklung bei der Sterblichkeitsrate: Die Mortalität durch Dickdarmkarzinom konnte sogar um 30 Prozent reduziert werden.
Basierend auf aktueller wissenschaftlicher Evidenz und den Empfehlungen des Nationalen Screening-Komitees haben die Experten die Vorsorgerichtlinien angepasst. Die wichtigste Neuerung: Sowohl Frauen als auch Männer sollten bereits ab dem 45. Lebensjahr mit der regelmäßigen Darmkrebsvorsorge beginnen – fünf Jahre früher als bisher empfohlen.
Dabei stehen zwei bewährte Methoden zur Auswahl:
Die Koloskopie gilt international als Goldstandard in der Darmkrebsprävention und unterscheidet sich fundamental von anderen Krebsvorsorgeuntersuchungen. Während die meisten Screening-Programme darauf abzielen, bereits bestehende Tumoren früh zu erkennen, kann die Darmspiegelung Krebs tatsächlich verhindern. Polypen, die als potenzielle Krebsvorstufen gelten, können während der Untersuchung erkannt und sofort entfernt werden. Dadurch wird die Entstehung von Darmkrebs weitgehend verhindert.
Die Krebshilfe und ÖGGH empfehlen ausdrücklich, die Darmspiegelung nur in Einrichtungen durchführen zu lassen, die über ein "Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge" verfügen. Eine aktuelle Liste aller zertifizierten Stellen finden Interessierte auf den Websites www.krebshilfe.net und www.oeggh.at.
Für Personen, die sich noch nicht zu einer Darmspiegelung entschließen können, bietet der FIT-Stuhltest eine niederschwellige Alternative. Diese Untersuchung dient der Früherkennung und kann bequem zu Hause durchgeführt werden. Der Test weist nicht sichtbares Blut im Stuhl nach, was ein frühes Warnsignal für Darmkrebs sein kann.
Wichtig ist jedoch: Bei einem auffälligen Befund ist eine anschließende Darmspiegelung zur genaueren Abklärung unumgänglich. Der FIT-Test stellt somit eine Ergänzung, aber keinen vollwertigen Ersatz für die Koloskopie dar.
Mit dem eingängigen Slogan "Don't wait – Warten Sie nicht" will die Österreichische Krebshilfe die Bevölkerung erneut für das Thema Darmkrebsvorsorge sensibilisieren. "Wir wollen der Bevölkerung deutlich machen, dass es Leid vermeiden und Leben retten kann, wenn die Möglichkeiten einer effektiven Darmkrebsvorsorge genutzt werden", erklärt Krebshilfe-Geschäftsführerin Doris Kiefhaber die Motivation hinter der Kampagne.
Die Botschaft ist klar: Warten kann im Fall von Darmkrebs fatale Folgen haben. Je früher Krebsvorstufen oder bereits bestehende Tumoren entdeckt werden, desto besser sind die Heilungschancen. Bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Darmkrebs bei über 90 Prozent.
Neben der Aufklärungskampagne stellt die Krebshilfe umfassende Informationsmaterialien zur Verfügung. Die Broschüren "Darmkrebsvorsorge" und "Darmkrebs" können kostenlos über die Websites www.dontwait.at und www.krebshilfe.net bestellt oder als Download bezogen werden. Diese Publikationen enthalten detaillierte Informationen über Risikofaktoren, Vorsorgemöglichkeiten und Behandlungsoptionen.
Als zusätzliches Angebot zur persönlichen Beratung in den 63 Krebshilfe-Beratungsstellen österreichweit betreibt die Organisation eine geschlossene Facebook-Gruppe "Darmkrebs Österreich". Diese Plattform richtet sich an Frauen und Männer, die mit der Diagnose Darmkrebs konfrontiert sind, und bietet die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen.
Die Facebook-Gruppe ergänzt das bestehende Beratungsangebot, das tägliche persönliche, telefonische oder Online-Beratung durch geschulte Fachkräfte umfasst. Beitrittsanfragen zur Gruppe können über den direkten Facebook-Link gestellt werden.
Die ermutigenden Statistiken zur Senkung von Neuerkrankungen und Sterblichkeit sind nicht nur auf bessere Vorsorge zurückzuführen. Auch in der Behandlung von Darmkrebs wurden in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt. Moderne Operationstechniken, zielgerichtete Therapien und personalisierte Medizin haben die Behandlungsmöglichkeiten deutlich erweitert.
Besonders die Kombination aus verbesserter Vorsorge und moderneren Therapieansätzen trägt zur positiven Entwicklung bei. Dennoch betonen die Experten, dass Prävention nach wie vor der beste Schutz vor Darmkrebs ist.
Die Krebshilfe appelliert nicht nur an die Bevölkerung, sondern auch an Medien und gesellschaftliche Akteure, die wichtige Präventionsbotschaft zu unterstützen. "Wir danken allen Medien, die uns bei dieser wichtigen Initiative unterstützen und Österreichs Bevölkerung über die Wichtigkeit der Darmkrebsvorsorge informieren", so Geschäftsführerin Kiefhaber.
Die Erfahrung zeigt, dass Aufklärungskampagnen einen messbaren Einfluss auf das Vorsorgeverhalten haben. Je mehr Menschen über die Möglichkeiten und die Bedeutung der Darmkrebsvorsorge informiert sind, desto mehr Leben können gerettet werden.
Der März als Internationaler Darmkrebsmonat bietet eine ideale Gelegenheit, das Thema verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Die Botschaft der Experten ist eindeutig: Don't wait – zögern Sie nicht und nehmen Sie die lebensrettenden Vorsorgemöglichkeiten wahr.