Am 10. Dezember 2025 wurde in Wien ein bahnbrechendes Analyseinstrument vorgestellt, das die österreichische Tourismusbranche revolutionieren könnte. Der sogenannte Destination Value Score, entwickelt von der Prodinger Tourismusberatung, bietet erstmals eine umfassende Möglichkeit, die wirtschaftlic
Am 10. Dezember 2025 wurde in Wien ein bahnbrechendes Analyseinstrument vorgestellt, das die österreichische Tourismusbranche revolutionieren könnte. Der sogenannte Destination Value Score, entwickelt von der Prodinger Tourismusberatung, bietet erstmals eine umfassende Möglichkeit, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Tourismus auf regionaler Ebene zu quantifizieren. Diese Innovation kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Diskussion über den tatsächlichen Nutzen des Tourismus für lokale Gemeinden heißer denn je geführt wird.
Der Destination Value Score ist ein regionalökonomisch fundiertes Modell, das die touristische Wertschöpfung und den gesamtwirtschaftlichen Effekt von Investitionen, wie etwa Seilbahnprojekten, transparent macht. Aber was bedeutet das genau? Wertschöpfung im Tourismus umfasst die gesamte wirtschaftliche Leistung, die durch touristische Aktivitäten in einer Region generiert wird. Dies schließt direkte Einnahmen aus Übernachtungen und Gastronomie ein, aber auch indirekte Effekte durch Zulieferer und induzierte Effekte, wie Konsumausgaben von im Tourismus Beschäftigten.
Der Tourismus hat in Österreich eine lange Tradition. Bereits im 19. Jahrhundert zog das Land Reisende aus der ganzen Welt an, die die Alpen und die kulturellen Schätze Wiens entdecken wollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Tourismus einen Boom, der bis heute anhält. Die Branche hat sich jedoch gewandelt: Von der reinen Nächtigungsstatistik hin zu einem komplexen Netzwerk von Dienstleistungen und Investitionen, das tief in die regionale Wirtschaft eingreift.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz hat Österreich einen besonders hohen Anteil an der Wirtschaftsleistung, der direkt oder indirekt mit dem Tourismus verbunden ist. Während Deutschland stark auf innerstädtischen Tourismus und Geschäftsreisen setzt, ist in der Schweiz der Bergtourismus ähnlich bedeutend wie in Österreich. Der Destination Value Score könnte auch für diese Länder von Interesse sein, um die Wertschöpfung transparenter zu machen.
Ein zentrales Anliegen des Destination Value Scores ist es, die Auswirkungen des Tourismus auf die lokale Bevölkerung sichtbar zu machen. Ein Beispiel: In Zell am See zeigt die Modellierung eine Gesamtwertschöpfung von rund 105 Millionen Euro und etwa 990 Arbeitsplätzen, die direkt, indirekt und induziert vom Tourismus abhängen. Das bedeutet, dass von 100 Euro, die Gäste in der Hotellerie und Gastronomie ausgeben, 74 Euro als Einkommen in der Region verbleiben. Diese Zahlen unterstreichen, wie wichtig der Tourismus als Wirtschaftszweig ist.
Die Berechnung der Effekte erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst werden regionale Struktur-, Gäste- und Finanzdaten ausgewertet. Darauf folgt eine sektorale Abgrenzung, bei der die zentralen Tourismus-Sektoren analysiert werden. Anschließend werden die direkten, indirekten und induzierten Effekte entlang der touristischen Wertschöpfungskette modelliert. Die Ergebnisse werden dann auf Einkommen, Beschäftigung, Steuern, Abgaben und Investitionen differenziert dargestellt. Diese detaillierte Analyse ermöglicht es, Investitionen transparent zu bewerten und strategische Entscheidungen faktenbasiert zu treffen.
Der Destination Value Score ist mehr als nur ein Analysewerkzeug; er ist ein strategisches Steuerungsinstrument. Mit ihm können Destinationen Investitionen transparent bewerten und priorisieren, Förderungen argumentieren und Infrastruktur- oder Mobilitätsentscheidungen faktenbasiert treffen. In einer Zeit, in der der Tourismus oft kritisch betrachtet wird, liefert der Destination Value Score die notwendigen Fakten, um die Akzeptanz und das Verständnis in der Bevölkerung zu stärken.
Der Destination Value Score könnte die Art und Weise, wie Tourismus in Österreich bewertet und gesteuert wird, grundlegend verändern. Indem er die wirtschaftlichen Auswirkungen des Tourismus sichtbar macht, bietet er Gemeinden und Tourismusverbänden ein mächtiges Werkzeug zur strategischen Planung. Die Frage bleibt, ob dieses Modell auch in anderen Ländern Anklang findet und wie es sich weiterentwickeln wird. Für mehr Informationen zu diesem Thema besuchen Sie die Quelle.