Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat am 8. Juli 2025 eine bahnbrechende Studie veröffentlicht, die die Erwartungen der österreichischen Bevölkerung an den digitalen Euro untersucht. Diese Untersuchung, die auf einer breiten Datenbasis basiert, wurde von den renommierten Ökonomen Helmut Elsin
Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat am 8. Juli 2025 eine bahnbrechende Studie veröffentlicht, die die Erwartungen der österreichischen Bevölkerung an den digitalen Euro untersucht. Diese Untersuchung, die auf einer breiten Datenbasis basiert, wurde von den renommierten Ökonomen Helmut Elsinger, Helmut Stix und Martin Summer durchgeführt. In einem umfassenden Discrete-Choice-Experiment wurden rund 1.400 zufällig ausgewählte Personen ab 16 Jahren befragt. Die Studie bietet tiefe Einblicke in die Präferenzen der Konsumenten und liefert wertvolle Informationen für die Ausgestaltung dieses digitalen Zahlungsmittels.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass für die österreichischen Konsumenten Sicherheit und finanzielle Anreize beim digitalen Euro im Vordergrund stehen. Ein vollständiger Schutz bei Verlust oder Diebstahl erhöht die Nutzungswahrscheinlichkeit um beeindruckende 23 Prozentpunkte. Dies zeigt, wie wichtig den Bürgern die Absicherung ihrer digitalen Geldmittel ist. Monatliche Ersparnisse von 10 Euro, etwa durch Rabatte oder den Wegfall von Gebühren, führen zu einem Anstieg der Nutzungswahrscheinlichkeit um 8 Prozentpunkte. Diese finanziellen Vorteile könnten den digitalen Euro für viele Österreicher besonders attraktiv machen.
Während in der öffentlichen Debatte der Datenschutz oft im Mittelpunkt steht, zeigt die Studie, dass er in der konkreten Entscheidungssituation eine untergeordnete Rolle spielt. Eine vollständig anonyme Nutzung erhöhte die Nutzungswahrscheinlichkeit lediglich um einen Prozentpunkt im Vergleich zu einem Modell mit bankintern nachvollziehbaren Transaktionen. Dennoch gibt etwa ein Drittel der Befragten an, dass Datenschutz für sie eine wichtige Rolle spielt. Hier zeigt sich, dass monetäre Anreize einen schwächeren Datenschutz nicht immer ausgleichen können.
Interessanterweise bevorzugen rund zwei Drittel der Befragten eine physische Karte gegenüber einer App als Zugangsform zum digitalen Euro. Dies könnte darauf hindeuten, dass viele Menschen trotz der digitalen Natur des Euros eine greifbare Komponente bevorzugen. Die Möglichkeit zur Offline-Nutzung erhöhte die Akzeptanz nur geringfügig, was darauf hinweist, dass die meisten Nutzer sich auf eine zuverlässige Online-Verbindung verlassen.
Die Studie zeigt, dass unter realistischen Annahmen – etwa ohne finanzielle Vorteile und bei begrenztem Datenschutz – 45 % der Befragten den digitalen Euro nutzen würden. In einem idealisierten Szenario mit umfassendem Schutz, voller Anonymität und monatlichen Ersparnissen steigt dieser Anteil auf beeindruckende 74 %. Diese Zahlen verdeutlichen das große Potenzial, das der digitale Euro in Österreich haben könnte.
Besonders junge und technikaffine Menschen zeigen eine hohe Bereitschaft, den digitalen Euro zu nutzen. Vertrauen in die OeNB und Unzufriedenheit mit bestehenden Zahlungsmethoden erhöhen die Wahrscheinlichkeit der Nutzung ebenfalls deutlich. Dies könnte darauf hindeuten, dass der digitale Euro besonders bei der jüngeren Generation gut ankommen könnte, die bereits an digitale Technologien gewöhnt ist.
Die Ergebnisse der Studie liefern konkrete Empfehlungen für die weitere Gestaltung eines digitalen Euros:
Diese Empfehlungen könnten der Politik als Leitfaden dienen, um den digitalen Euro erfolgreich zu etablieren und das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen.
Die Einführung des digitalen Euros ist ein bedeutender Schritt in der Geschichte des Zahlungsverkehrs in Europa. Seit der Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002 hat sich die Art und Weise, wie wir bezahlen, stark verändert. Der digitale Euro könnte nun die nächste Evolutionsstufe darstellen, indem er eine sichere, staatlich garantierte und europaweit nutzbare digitale Zahlungsform bietet. Diese Entwicklung steht im Einklang mit dem globalen Trend zur Digitalisierung von Währungen, wie sie beispielsweise in China mit dem digitalen Yuan bereits umgesetzt wird.
Interessant ist auch ein Vergleich mit anderen Bundesländern oder ähnlichen Situationen. In Deutschland beispielsweise wird ebenfalls intensiv über die Einführung eines digitalen Euros diskutiert. Auch dort stehen Sicherheit und finanzielle Anreize im Vordergrund, wobei der Datenschutz ebenfalls ein wichtiges Thema ist. In anderen europäischen Ländern, wie Schweden, wo Bargeld bereits stark zurückgedrängt wurde, könnte der digitale Euro auf noch höhere Akzeptanz stoßen.
Für den durchschnittlichen Bürger könnte der digitale Euro zahlreiche Vorteile bringen. Neben der erhöhten Sicherheit und den finanziellen Anreizen könnte er auch den Zahlungsverkehr vereinfachen, insbesondere im grenzüberschreitenden Handel innerhalb der EU. Zudem könnte er den Zugang zu digitalen Finanzdienstleistungen verbessern, insbesondere für Menschen in ländlichen Gebieten oder solche, die bislang keinen Zugang zu herkömmlichen Bankdienstleistungen hatten.
Die Einführung des digitalen Euros könnte die Art und Weise, wie wir mit Geld umgehen, grundlegend verändern. Experten gehen davon aus, dass der digitale Euro nicht nur eine Ergänzung zum Bargeld sein wird, sondern langfristig auch andere Zahlungsmethoden verdrängen könnte. Dies könnte insbesondere für Banken und Finanzdienstleister eine Herausforderung darstellen, die ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen. Gleichzeitig könnte der digitale Euro neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen, etwa im Bereich der digitalen Finanzdienstleistungen oder des grenzüberschreitenden Handels.
Insgesamt zeigt die Studie der OeNB, dass der digitale Euro großes Potenzial hat, die Zahlungslandschaft in Österreich und Europa zu revolutionieren. Die Politik ist nun gefordert, die Weichen für eine erfolgreiche Einführung zu stellen und das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob der digitale Euro tatsächlich das Zeug dazu hat, Bargeld und andere Zahlungsmethoden zu ergänzen oder gar zu ersetzen.