Innenminister Karner beendet Pilotversuch mit Elektrofahrzeugen im Polizeieinsatz
Nach einjährigem Test stellt das Innenministerium fest: E-Autos sind für den Polizeieinsatz nur eingeschränkt geeignet. Die Opposition fordert Aufklärung.
Das Innenministerium hat das Pilotprojekt für Elektrofahrzeuge im Polizeieinsatz offiziell beendet. Nach einem einjährigen Test mit 24 Elektrofahrzeugen kam das Ministerium zu dem Schluss, dass E-Autos für den operativen Polizeieinsatz nur eingeschränkt geeignet sind.
Seit Jänner 2024 wurden im Rahmen des Projekts "Tron" verschiedene Elektrofahrzeuge unter realen Einsatzbedingungen getestet. Zum Fuhrpark gehörten VW ID.3, ID.4 und sogar ein Porsche Taycan. Das Bundesministerium für Inneres bestätigte nun offiziell das Ende des Versuchsprogramms.
Als Hauptgründe für die Einstellung nennt das Ministerium mehrere praktische Probleme: die mangelhafte Ladeinfrastruktur, das erhöhte Gesamtgewicht durch einsatztaktische Ausrüstung, Platzprobleme sowie technische Einschränkungen. Diese Faktoren hätten den effizienten Einsatz der Elektrofahrzeuge im Polizeidienst erheblich beeinträchtigt.
Besonders die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h der eingesetzten Fahrzeuge erwies sich als problematisch. Diese Begrenzung machte die Fahrzeuge für Verfolgungsfahrten ungeeignet, da Straftäter sich nicht an Tempolimits halten und höhere Geschwindigkeiten erreichen können.
Die praktischen Herausforderungen zeigten sich auch bei der Ladeinfrastruktur. Polizeifahrzeuge müssen rund um die Uhr einsatzbereit sein, was mit den aktuellen Ladezeiten und der verfügbaren Infrastruktur nicht zuverlässig gewährleistet werden konnte.
FPÖ-Landtagsabgeordneter Reinhard Teufel aus Niederösterreich kritisiert das Projekt scharf und fordert vollständige Transparenz über die entstandenen Kosten. Die Freiheitlichen hätten bereits 2022 vor den absehbaren Problemen gewarnt.
"Ein Streifenfahrzeug muss jederzeit voll einsatzfähig sein. Dass man dafür erst Steuergeld in die Hand nehmen musste, um das Offensichtliche festzustellen, ist bezeichnend", so Teufel in einer Stellungnahme.
Die Opposition fordert eine detaillierte Aufschlüsselung der Projektkosten:
Laut Innenministerium sollen die Elektrofahrzeuge künftig nur noch als Botenfahrzeuge außerhalb des direkten Einsatzgeschehens verwendet werden. Diese Entscheidung zeigt, dass die ursprünglichen Ziele des Projekts nicht erreicht werden konnten.
Die Reduktion auf Botendienste bedeutet eine erhebliche Einschränkung des ursprünglich geplanten Einsatzspektrums. Damit können die teuren Fahrzeuge nicht mehr für ihre eigentliche Bestimmung - den operativen Polizeieinsatz - genutzt werden.
Das Ende des E-Auto-Projekts bei der Polizei verdeutlicht die aktuellen Grenzen der Elektromobilität in speziellen Einsatzbereichen. Während Elektrofahrzeuge im zivilen Bereich bereits erfolgreich eingesetzt werden, stellen die besonderen Anforderungen des Polizeidienstes andere Herausforderungen dar.
Die Erkenntnisse aus dem Projekt könnten jedoch wertvoll für die Weiterentwicklung der Elektromobilität sein. Die identifizierten Problembereiche - Ladeinfrastruktur, Gewicht der Zusatzausrüstung und technische Beschränkungen - zeigen konkrete Ansatzpunkte für künftige Verbesserungen.
Die Einstellung des Projekts bedeutet, dass die österreichische Polizei vorerst bei herkömmlichen Verbrennungsfahrzeugen bleiben wird. Diese haben sich über Jahre bewährt und erfüllen die spezifischen Anforderungen des Polizeieinsatzes zuverlässig.
Für die betroffenen Polizeidienststellen bedeutet dies eine Rückkehr zu bewährten Fahrzeugkonzepten. Die Erfahrungen mit den E-Fahrzeugen werden jedoch in die Planung künftiger Beschaffungen einfließen.
Das Innenministerium hat angekündigt, die Entwicklungen in der Elektromobilität weiter zu verfolgen und gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu bewerten, ob technische Fortschritte einen erfolgreichen Einsatz ermöglichen könnten.
Das gescheiterte E-Auto-Projekt bei der Polizei zeigt, dass nicht jede technologische Innovation ohne weiteres auf alle Einsatzbereiche übertragbar ist. Die spezifischen Anforderungen des Polizeidienstes - ständige Einsatzbereitschaft, hohe Flexibilität und besondere Ausstattung - stellen besondere Herausforderungen dar.
Die nun geforderte Transparenz über die Projektkosten wird zeigen, welche finanziellen Aufwendungen für diese Erkenntnisse notwendig waren. Gleichzeitig liefert das Projekt wichtige Daten für die Bewertung künftiger Mobilitätslösungen im öffentlichen Sicherheitsbereich.