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E-Control-Führung: Haber und Strebl starten neues Kapitel

25. März 2026 um 11:11
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Mit dem 25. März 2024 beginnt eine neue Ära bei der E-Control, der österreichischen Regulierungsbehörde für Strom und Gas. Alfons Haber und Michael Strebl haben offiziell die Doppelspitze übernomme...

Mit dem 25. März 2024 beginnt eine neue Ära bei der E-Control, der österreichischen Regulierungsbehörde für Strom und Gas. Alfons Haber und Michael Strebl haben offiziell die Doppelspitze übernommen und stehen vor gewaltigen Herausforderungen: Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz will umgesetzt, die Stromnetzentgelte müssen neu gestaltet und der gesamte Energiemarkt transparenter werden. Während die Energiewende Österreich vor nie dagewesene Aufgaben stellt, sollen diese beiden Männer den Weg in eine klimaneutrale Zukunft ebnen.

Führungswechsel mit weitreichenden Konsequenzen

Der Wechsel an der E-Control-Spitze kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Wolfgang Urbantschitsch, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, hinterlässt seinem Nachfolger Michael Strebl eine Organisation im Wandel. Die E-Control, die 2001 als unabhängige Regulierungsbehörde gegründet wurde, steht vor ihrer bislang größten Transformation. Als Energie-Regulierungsbehörde überwacht sie nicht nur die Strom- und Gasmärkte, sondern entwickelt auch die Rahmenbedingungen für die Energiewende mit.

Alfons Haber, der bereits seit fünf Jahren als Vorstand fungiert, bringt kontinuität in turbulente Zeiten. Der 54-jährige Kärntner studierte Elektrotechnik-Wirtschaft und technische Wissenschaften an der TU Graz und war bis zu seiner E-Control-Berufung als Professor für Netz- und Systemintegration tätig. Seine akademische Laufbahn führte ihn an die Hochschule Landshut und die TU München, wo er sich intensiv mit der Integration erneuerbarer Energien ins Stromnetz beschäftigte. Als Gründer internationaler Beratungsunternehmen und seit 2011 als allgemein beeideter Sachverständiger hat er sowohl theoretisches als auch praktisches Know-how gesammelt.

Michael Strebl: Energiemanager mit internationaler Erfahrung

Michael Strebl bringt eine beeindruckende Vita mit. Der 61-jährige Salzburger, der in Schladming aufwuchs, kombiniert technische Expertise mit wirtschaftlichem Verständnis. Seine Doppelqualifikation in Technischer Physik und Betriebswirtschaftslehre erwarb er an renommierten Institutionen: TU Graz, TU Wien, Universität Linz und der London School of Economics. Diese internationale Ausbildung spiegelt sich in seiner über 30-jährigen Karriere im Energiesektor wider.

Als Vorsitzender der Geschäftsführung der Wien Energie GmbH leitete Strebl einen der größten kommunalen Energieversorger Europas. Wien Energie versorgt rund 2 Millionen Menschen mit Strom, Gas, Wärme und Kühlung und betreibt ein Fernwärmenetz von über 1.200 Kilometern Länge. Unter seiner Führung baute das Unternehmen seine Position als Vorreiter bei erneuerbaren Energien aus und investierte massiv in Photovoltaik, Windkraft und innovative Speichertechnologien.

Seine Mandate bei der Austrian Association for Energy Economics (AAEE), der Österreichischen Energieagentur und im Kuratorium des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) zeigen seine tiefe Verwurzelung in der heimischen Energielandschaft. Diese Netzwerke werden in seiner neuen Rolle von unschätzbarem Wert sein, da die E-Control eng mit allen Marktakteuren zusammenarbeiten muss.

Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz als Mammutaufgabe

Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) ist mehr als nur eine Gesetzesnovelle – es ist der rechtliche Rahmen für Österreichs Energiezukunft. Die E-Control erhält dadurch zahlreiche zusätzliche Zuständigkeiten und Befugnisse, die weit über die bisherige Marktüberwachung hinausgehen. Das Gesetz setzt EU-Vorgaben um, die eine stärkere Integration der europäischen Energiemärkte und den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien zum Ziel haben.

Ein zentraler Baustein ist die Neugestaltung der Stromnetzentgelte. Diese Gebühren, die jeder Stromkunde für die Nutzung der Netze zahlt, machen etwa ein Drittel des Strompreises aus. Das bisherige System basiert hauptsächlich auf dem Verbrauch, was bei steigender dezentraler Stromerzeugung durch Photovoltaik-Anlagen zu Problemen führt. Haushalte mit Solaranlagen zahlen weniger Netzentgelte, obwohl sie das Netz genauso nutzen. Das neue System soll gerechter werden und auch Leistungskomponenten berücksichtigen.

Die Entwicklung passender Rahmenbedingungen für das zukünftige Gasnetz stellt eine weitere Herausforderung dar. Während die EU langfristig aus fossilen Brennstoffen aussteigen will, braucht Österreich das Gasnetz noch jahrzehntelang als Backup für wetterabhängige erneuerbare Energien. Gleichzeitig soll es für Wasserstoff und andere klimaneutrale Gase ertüchtigt werden. Diese Transformation kostet Milliarden und muss sozialverträglich finanziert werden.

Mehr Transparenz für Verbraucher

Transparenz auf dem Energiemarkt bedeutet konkret: Verbraucher sollen besser verstehen, wie sich ihre Energiekosten zusammensetzen und welche Wahlmöglichkeiten sie haben. Die E-Control muss Preisvergleichstools verbessern, Marktakteure stärker überwachen und bei Missbrauch einschreiten. Gerade nach den Energiepreisspitzen 2022 und 2023 ist das Vertrauen der Konsumenten erschüttert.

Österreichs Energiewende im europäischen Kontext

Österreich hinkt bei der Energiewende hinterher. Während Deutschland bereits über 50 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen bezieht, liegt Österreich bei etwa 78 Prozent – allerdings hauptsächlich dank Wasserkraft. Bei Photovoltaik und Windkraft besteht enormer Nachholbedarf. Die Schweiz setzt stark auf Pumpspeicherwerke und Wasserkraft, Dänemark ist Windkraft-Weltmeister.

Die E-Control muss nun dafür sorgen, dass Österreichs Stromnetz für die schwankende Einspeisung von Solar- und Windstrom gerüstet wird. Das erfordert intelligente Netze (Smart Grids), flexible Speicher und neue Marktmechanismen. Bis 2030 sollen laut Regierungsplan 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen – ein ambitioniertes Ziel, das nur mit perfekt funktionierenden Märkten erreichbar ist.

Konkrete Auswirkungen für österreichische Haushalte

Für Österreichs Haushalte bedeuten die anstehenden Reformen sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Die Neuregelung der Netzentgelte könnte zu faireren Kosten führen, aber auch neue Belastungen bringen. Wer heute eine Photovoltaik-Anlage betreibt und wenig Strom aus dem Netz bezieht, zahlt proportional wenige Netzkosten. Das könnte sich ändern, wenn künftig auch eine Grundgebühr für die Netzbereitstellung eingeführt wird.

Gleichzeitig eröffnen sich neue Geschäftsmodelle. Haushalte können ihre Batteriespeicher dem Netz zur Verfügung stellen und dafür Geld bekommen. Elektroautos werden zu rollenden Stromspeichern, die bei Bedarf Energie ins Netz zurückspeisen. Die E-Control muss die Regeln für solche Geschäftsmodelle definieren und überwachen.

Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt zahlt jährlich etwa 1.200 Euro für Strom und Gas. Davon entfallen rund 400 Euro auf Netzkosten, 300 Euro auf Steuern und Abgaben und der Rest auf Energie und Vertrieb. Die neue Netzentgelt-Struktur könnte diese Verteilung deutlich verändern. Kleine Verbraucher könnten entlastet, Großverbraucher stärker belastet werden.

Regionale Unterschiede werden sichtbar

Österreichs föderale Struktur zeigt sich auch beim Energiemarkt. Während Vorarlberg bereits heute bilanziell energieautonom ist und Überschüsse exportiert, importieren Wien und Niederösterreich große Strommengen. Die neuen Regelungen müssen diese regionalen Unterschiede berücksichtigen, ohne die Solidarität zwischen den Bundesländern zu gefährden.

Internationale Verflechtungen und EU-Vorgaben

Die E-Control arbeitet nicht im luftleeren Raum, sondern ist Teil des europäischen Regulierungsnetzwerks ACER (Agency for the Cooperation of Energy Regulators). Europaweit müssen die Energiemärkte stärker integriert werden, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten und Kosten zu senken. Das bedeutet mehr grenzüberschreitenden Stromhandel und gemeinsame Standards.

Besonders relevant ist die Zusammenarbeit mit Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner. Wenn Deutschland bei Windstille und bewölktem Himmel Strom importiert, steigen auch in Österreich die Preise. Umgekehrt profitiert Österreich von deutschen Stromüberschüssen an windigen Tagen. Die E-Control muss diese Marktmechanismen verstehen und beeinflussen können.

Zukunftsperspektive: Digitalisierung und Dekarbonisierung

Die nächsten fünf Jahre werden die Energiebranche fundamental verändern. Künstliche Intelligenz wird Stromnetze optimieren, Blockchain-Technologie könnte Peer-to-Peer-Energiehandel ermöglichen, und das Internet der Dinge macht jedes Gerät zu einem potenziellen Marktakteur. Die E-Control muss diese Entwicklungen nicht nur verstehen, sondern aktiv gestalten.

Wasserstoff wird als Energieträger der Zukunft gehandelt, ist aber noch nicht marktreif. Bis 2030 soll ein europäisches Wasserstoff-Backbone entstehen, an das auch Österreich angeschlossen wird. Die Regulierungsbehörde muss die Regeln für diesen neuen Markt von Grund auf entwickeln. Ähnliches gilt für synthetische Kraftstoffe und andere Power-to-X-Technologien.

Die Sektorenkopplung – die Vernetzung von Strom, Wärme, Mobilität und Industrie – erfordert völlig neue Denkansätze. Wenn Elektroautos als Speicher fungieren, Wärmepumpen netzdienlich gesteuert werden und Industrieanlagen ihre Produktion an das Stromangebot anpassen, verschwimmen die Grenzen zwischen den Sektoren. Die E-Control muss diese Komplexität in einfache, verständliche Regeln gießen.

Personalaufbau und Kompetenzentwicklung

Die erweiterten Aufgaben erfordern zusätzliches Personal und neue Kompetenzen. Die E-Control beschäftigt derzeit rund 200 Mitarbeiter, diese Zahl dürfte deutlich steigen. Gebraucht werden Experten für Digitalisierung, Datenanalyse, Marktdesign und internationale Zusammenarbeit. Der Wettbewerb um Fachkräfte ist hart, da auch Energieunternehmen und Beratungen händeringend Spezialisten suchen.

Herausforderungen und Erwartungen

Das neue Vorstandsduo steht unter enormem Druck. Die Energiekrise hat gezeigt, wie verletzlich Österreichs Energieversorgung ist. Gleichzeitig wachsen die Erwartungen: Verbraucher wollen niedrige Preise, die Industrie braucht Planungssicherheit, und die Politik fordert schnelle Erfolge bei der Dekarbonisierung. Diesen Spagat zu meistern, wird die Kunst der nächsten Jahre.

Kritiker bemängeln bereits jetzt, dass die E-Control zu langsam auf Marktveränderungen reagiert. Die Einführung von Smart Metern dauert Jahre länger als geplant, und bei der Integration von Photovoltaik-Anlagen gibt es noch immer bürokratische Hürden. Haber und Strebl müssen beweisen, dass sie die Behörde modernisieren und beschleunigen können, ohne die Gründlichkeit zu opfern.

Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wird entscheidend sein. Das Klimaschutzministerium setzt die politischen Ziele, die Bundesländer genehmigen Infrastrukturprojekte, und die Gerichte entscheiden über strittige Fälle. In diesem Geflecht muss sich die E-Control als kompetente, unabhängige Stimme positionieren.

Mit ihrer kombinierten Expertise aus Wissenschaft, Praxis und Management bringen Haber und Strebl ideale Voraussetzungen mit. Ob sie die gestellten Aufgaben meistern, wird nicht nur über die Zukunft der E-Control entscheiden, sondern auch darüber, ob Österreich seine ehrgeizigen Klimaziele erreicht. Die nächsten Monate werden zeigen, wie erfolgreich diese neue Führungstandem die Weichen für eine nachhaltige Energiezukunft stellen kann.

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