Am 16. Januar 2026, kurz vor dem sogenannten Blue Monday, präsentiert die Caritas Wien die Ergebnisse einer neuen Studie zur Einsamkeit in Österreich. Diese Studie, durchgeführt vom renommierten Sozialforschungsinstitut FORESIGHT, zeigt alarmierende Zahlen: Über 700.000 Menschen fühlen sich häufig e
Am 16. Januar 2026, kurz vor dem sogenannten Blue Monday, präsentiert die Caritas Wien die Ergebnisse einer neuen Studie zur Einsamkeit in Österreich. Diese Studie, durchgeführt vom renommierten Sozialforschungsinstitut FORESIGHT, zeigt alarmierende Zahlen: Über 700.000 Menschen fühlen sich häufig einsam, und die gesellschaftliche Isolation hat sich auf einem hohen Niveau verfestigt. Einsamkeit bleibt ein Tabuthema, obwohl sie ernste gesundheitliche und soziale Auswirkungen hat.
Die Corona-Pandemie hat viele gesellschaftliche Veränderungen mit sich gebracht, aber die Einsamkeit ist ein Problem, das auch danach bestehen bleibt. Die Studie zeigt, dass der Anteil der Menschen, die aufgrund der Teuerung ihre sozialen Kontakte einschränken mussten, seit 2023 fast verdoppelt hat. Einsamkeit ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern betrifft die gesamte Gesellschaft.
Einsamkeit ist kein neues Phänomen, aber ihre Wahrnehmung hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Früher war Einsamkeit oft mit dem Alter verbunden, heute betrifft sie Menschen aller Altersgruppen. Die Digitalisierung hat zwar neue Kommunikationswege eröffnet, aber gleichzeitig auch soziale Interaktionen in die virtuelle Welt verlagert, was physische Isolation verstärken kann.
In Österreich, einem Land mit starkem sozialem Gefüge und hoher Lebensqualität, ist es überraschend, dass Einsamkeit ein solch verbreitetes Problem darstellt. Die Studie zeigt, dass 61 Prozent der Befragten Einsamkeit als gesellschaftliches Tabu empfinden. Diese Scham und das Stigma verhindern oft, dass Betroffene Hilfe suchen.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz zeigt sich, dass Einsamkeit in Österreich ähnlich stark verbreitet ist. Während in Deutschland bereits ein Bundesbeauftragter für Einsamkeit eingesetzt wurde, befindet sich Österreich noch in der Diskussion über nationale Maßnahmen. Die Schweiz verfolgt einen kommunalen Ansatz, bei dem lokale Initiativen gefördert werden, um Einsamkeit zu bekämpfen.
Einsamkeit hat weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Laut der Studie erhöht Einsamkeit das Risiko für chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen. Sie beeinträchtigt auch die soziale Teilhabe und kann demokratische Prozesse gefährden. Besonders betroffen sind Menschen mit niedrigem Einkommen, da Armut und Einsamkeit oft Hand in Hand gehen.
Ein Beispiel für eine erfolgreiche Initiative ist das Plaudernetz der Caritas, das seit 2020 über 70.000 Gespräche geführt hat. Diese Hotline bietet Menschen die Möglichkeit, anonym und kostenlos mit Freiwilligen zu sprechen und so soziale Isolation zu überwinden.
Die FORESIGHT-Studie befragte 1.006 Personen in ganz Österreich. Die Ergebnisse zeigen, dass jeder vierte Mensch mehr sozialen Austausch wünscht. Besonders alarmierend ist, dass Einsamkeit als gesundheitliches Risiko größer eingeschätzt wird als Rauchen oder Alkohol. Diese Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit, Einsamkeit als gesamtgesellschaftliches Problem anzuerkennen und zu bekämpfen.
Die Caritas fordert einen nationalen Aktionsplan gegen Einsamkeit. Ein solcher Plan sollte einen Regierungsbeauftragten umfassen und ressortübergreifende Strategien entwickeln. Auch die Förderung von lokalen Initiativen und Freiwilligenarbeit ist entscheidend. Ein Digitalisierungs- und Innovationsfonds könnte Projekte wie das Plaudernetz unterstützen und ausbauen.
Ein weiterer Vorschlag ist die Einführung eines Mindestalters für die Nutzung von Social-Media-Plattformen, um junge Menschen vor digitalem Druck zu schützen. Australien hat bereits ähnliche Maßnahmen ergriffen, die als Vorbild dienen könnten.
Die Einsamkeit in Österreich ist ein ernstes Problem, das dringend angegangen werden muss. Die Studie der Caritas zeigt, dass es an der Zeit ist, Einsamkeit aus der Tabuzone zu holen und als gesellschaftliche Herausforderung zu betrachten. Initiativen wie das Plaudernetz sind ein guter Anfang, aber es bedarf eines umfassenden Ansatzes, um die stille Pandemie der Einsamkeit zu bekämpfen. Jeder Einzelne ist gefragt, seinen Beitrag zu leisten, sei es durch Freiwilligenarbeit oder durch das Schaffen von Begegnungsräumen. Weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie auf der Website der Caritas.