Die moderne Welt ist vernetzter als je zuvor. Smartphones, soziale Medien und das Internet haben die Art und Weise, wie wir kommunizieren, revolutioniert. Doch eine aktuelle Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Marketagent zeigt, dass Einsamkeit trotz dieser technologischen Fortschritt
Die moderne Welt ist vernetzter als je zuvor. Smartphones, soziale Medien und das Internet haben die Art und Weise, wie wir kommunizieren, revolutioniert. Doch eine aktuelle Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Marketagent zeigt, dass Einsamkeit trotz dieser technologischen Fortschritte ein wachsendes Problem bleibt. Am 16. September 2025 veröffentlicht, hat diese Studie mit 30.674 Befragten aus 14 europäischen Ländern die komplexen Dimensionen der Einsamkeit im 21. Jahrhundert untersucht.
Laut der Umfrage bezeichnen sich nur 19% der Europäer als (sehr) glücklich. Österreich schneidet mit 21% etwas besser ab, während Ungarn mit 15% das Schlusslicht bildet. Diese Zahlen werfen die Frage auf, wie Glück und Einsamkeit miteinander verknüpft sind. Die Studie zeigt, dass fast die Hälfte der Befragten (44%) oft allein ist, wobei in Österreich 72% diese Zeit für sich genießen. In Ungarn hingegen wird Alleinsein am wenigsten geschätzt.
Jede*r Fünfte in Europa fühlt sich oft oder (fast) immer einsam. In Österreich sind es nur 13%, der niedrigste Wert aller Länder. Diese Statistik wirft ein Licht auf die kulturellen Unterschiede im Umgang mit Einsamkeit. Während in der Türkei 28,1% der Menschen häufig einsam sind, liegt dieser Wert in Frankreich bei 27,3%, was Frankreich zu einem der Spitzenreiter in Sachen Einsamkeit macht.
Ein Drittel der Europäer fühlt sich durch Einsamkeit in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. In Österreich betrifft dies nur 22%, während in Italien 42% angeben, dass ihre Lebensqualität stark leidet. Besonders betroffen sind Alleinstehende, wobei 39% der Ledigen und 37% der Verwitweten die stärksten Einschränkungen verspüren. Personen in Beziehungen oder Ehen zeigen sich hingegen widerstandsfähiger gegenüber den negativen Auswirkungen von Einsamkeit.
Der Mangel an Freundschaften (21%) und Partnerschaften (17%) sind die Hauptgründe für Einsamkeit. Auch Zeitmangel für die Pflege sozialer Kontakte trägt erheblich dazu bei. Im Winter fühlen sich 36% der Menschen besonders allein. Diese saisonalen Schwankungen zeigen, wie stark Einsamkeit von äußeren Einflüssen geprägt ist.
Soziale Medien werden von knapp einem Drittel der Befragten aktiv gegen Einsamkeit eingesetzt. Sie erleichtern den Kontakt zu Freund*innen und Bekannten für 32% der Menschen. Dennoch sehen 37% der Befragten einen Rückgang echter Kontakte durch die Digitalisierung. Fast die Hälfte glaubt, dass digitale Interaktionen reale Beziehungen nicht ersetzen können.
56% der Europäer nehmen eine Zunahme der Einsamkeit wahr. In Österreich sind es 58%, die diese Entwicklung beunruhigt. Fast die Hälfte der Befragten hat Angst davor, im Alter einsam zu sein. Diese Angst ist in Polen und Frankreich am stärksten ausgeprägt, wo fast 60% der Menschen diese Sorge teilen.
Die Marketagent-Umfrage zeigt, dass Einsamkeit trotz digitaler Vernetzung ein wachsendes Problem darstellt, das die Lebensqualität vieler Menschen beeinträchtigt. Österreich steht im internationalen Vergleich zwar besser da, doch auch hier wächst die Sorge vor Isolation im Alter und einem generellen Anstieg von Einsamkeit.
Experten sind sich einig, dass Einsamkeit nicht allein durch technologische Lösungen bekämpft werden kann. „Virtuelle Kontakte können persönliche Begegnungen nicht ersetzen und tragen in manchen Fällen sogar dazu bei, das Gefühl des Abgeschnitten-Seins zu verstärken“, erklärt ein Experte aus der Studie. Um Einsamkeit effektiv zu bekämpfen, müssen soziale Strukturen gestärkt und mehr Möglichkeiten für echte zwischenmenschliche Interaktionen geschaffen werden.
In Österreich könnte dies durch lokale Gemeinschaftsprojekte, Vereinsaktivitäten und kulturelle Veranstaltungen gefördert werden. Auch Bildungsprogramme, die den Umgang mit digitalen Medien lehren und deren potenzielle Risiken aufzeigen, könnten hilfreich sein. Letztlich ist es entscheidend, dass Politik und Gesellschaft gemeinsam Lösungen entwickeln, um dieser Herausforderung zu begegnen.
Die Umfrage von Marketagent macht deutlich, dass Einsamkeit ein komplexes Phänomen ist, das viele Facetten hat. Es betrifft sowohl junge als auch ältere Menschen, und die Ursachen sind vielfältig: von fehlenden sozialen Kontakten bis hin zu gesellschaftlichen Veränderungen. Während Österreich im internationalen Vergleich besser dasteht, bleibt die Bekämpfung der Einsamkeit eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe, die alle betrifft.
Diese Umfrage ist ein Weckruf für alle, sich der wachsenden Einsamkeit in unserer Gesellschaft bewusst zu werden und aktiv gegen sie vorzugehen. Die Digitalisierung allein kann dieses Problem nicht lösen. Es ist an der Zeit, echte Verbindungen zu fördern und eine Gesellschaft zu schaffen, in der niemand allein gelassen wird.