Österreichs größter Stromerzeuger und die Pelletswirtschaft verstärken ab 2026 das Expertennetzwerk der AEA
Die Österreichische Energieagentur gewinnt zwei Schwergewichte der Energiebranche als neue Mitglieder – ein Signal für die Breite der Energiewende.
Die Österreichische Energieagentur (AEA) setzt ein deutliches Zeichen für die Zukunft der heimischen Energiepolitik: Mit Jahresbeginn 2026 werden der Verbund und proPellets Austria dem renommierten Expertennetzwerk beitreten. Die Aufnahme zweier so unterschiedlicher und zugleich bedeutender Akteure unterstreicht den umfassenden Ansatz, den die Energiewende in Österreich erfordert.
Die Kombination der beiden neuen Mitglieder könnte kaum aussagekräftiger sein: Auf der einen Seite steht mit dem Verbund eines der führenden Energieunternehmen des Landes, das als größter Stromerzeuger aus Wasserkraft in Europa gilt. Auf der anderen Seite bringt proPellets Austria als Interessenvertretung der österreichischen Pelletswirtschaft jahrzehntelange Erfahrung im Bereich biogener Energieträger mit.
Diese strategische Erweiterung des Mitgliederkreises spiegelt die Komplexität der aktuellen Herausforderungen wider. Die Transformation des Energiesystems lässt sich nicht mit einer einzigen Technologie bewältigen – sie braucht das Zusammenspiel verschiedener erneuerbarer Energiequellen, von der Wasserkraft über Photovoltaik und Windenergie bis hin zu nachhaltiger Biomasse für den Wärmesektor.
Der Verbund ist für Österreich mehr als nur ein Energieunternehmen – er ist ein zentraler Pfeiler der nationalen Energieversorgung. Mit seinen Wasserkraftwerken entlang von Donau, Inn, Drau und zahlreichen Speicherseen in den Alpen produziert der börsennotierte Konzern den Großteil des heimischen Ökostroms. Die Kapazitäten werden laufend ausgebaut, um den steigenden Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen und industrielle Dekarbonisierung zu decken.
Darüber hinaus spielt der Verbund eine Schlüsselrolle bei der Weiterentwicklung der Netzinfrastruktur. In einem zunehmend dezentralen Energiesystem, in dem Millionen von Photovoltaikanlagen, Windrädern und Batteriespeichern intelligent gesteuert werden müssen, ist diese Expertise unverzichtbar. Die Integration schwankender erneuerbarer Energiequellen in ein stabiles Stromnetz gehört zu den größten technischen Herausforderungen der Energiewende.
Aus Sicht des Verbundes ist die Mitgliedschaft in der AEA die logische Konsequenz bisheriger Kooperationen. Das Unternehmen betont die Notwendigkeit von Expertise und faktenbasierter Analyse in einem Energiesystem, das sich in rapidem Wandel befindet. Die Komplexität der Energiewende erfordere kühle Köpfe und fundierte Entscheidungsgrundlagen – genau das, was die Energieagentur seit ihrer Gründung liefert.
Während der Verbund die Stromseite repräsentiert, bringt proPellets Austria unverzichtbares Know-how für den Wärmesektor ein. Dieser wird in der öffentlichen Diskussion oft unterschätzt, macht aber einen erheblichen Teil des österreichischen Energieverbrauchs aus. Rund ein Drittel des Endenergiebedarfs entfällt auf die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser – ein Bereich, in dem fossile Energieträger wie Öl und Gas noch immer dominieren.
Pelletheizungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als klimafreundliche Alternative etabliert. Österreich gilt international als Vorreiter bei der Nutzung von Holzpellets, sowohl in der Produktion als auch im Einsatz. Die heimische Pelletsindustrie verarbeitet vorwiegend Sägerestholz und andere Nebenprodukte der Holzwirtschaft – ein klassisches Beispiel für Kreislaufwirtschaft. proPellets Austria vertritt diese Branche und setzt sich für nachhaltige Standards und eine faktenbasierte Energiepolitik ein.
Geschäftsführerin Doris Stiksl bringt die Motivation für den Beitritt auf den Punkt: In der Energiewende gehe es nicht nur darum, die Dinge richtig zu machen, sondern vor allem darum, die richtigen Dinge zu tun. Die AEA sei als Sparringspartner unverzichtbar, um Zukunftsszenarien zu entwickeln und wirksame strategische Schritte abzuleiten. Das Ziel: mehr Unabhängigkeit von fossiler Energie, Klimaschutz und eine starke Wirtschaft.
Die Österreichische Energieagentur versteht sich seit ihrer Gründung als unabhängige Kompetenzstelle für Energiefragen. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft – eine Position, die in Zeiten polarisierter Debatten über Energiepolitik besonders wertvoll ist. Die Vielfalt der Mitglieder ist dabei kein Zufall, sondern Programm.
Im Mitgliederkreis der AEA finden sich Ministerien und Bundesländer ebenso wie Energieversorger, Industriebetriebe, Forschungseinrichtungen und Interessenvertretungen. Diese Breite ermöglicht einen Austausch, der über die üblichen Lagergrenzen hinausgeht. Unterschiedliche Perspektiven treffen aufeinander, werden analysiert und in faktenbasierte Empfehlungen übersetzt.
Franz Angerer, Geschäftsführer der AEA, betont die Bedeutung dieses Ansatzes: Die Energiewende erfordere fundierte Analysen, faktenbasierte Diskussionen und den Dialog zwischen unterschiedlichen Perspektiven. Mit dem Verbund gewinne man einen der zentralen Akteure des heimischen Energiesystems, während proPellets Austria wichtige Expertise im Bereich erneuerbarer Wärme einbringe.
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist nicht zufällig gewählt. Österreich steht vor enormen Herausforderungen bei der Umsetzung seiner Klimaziele. Bis 2030 soll der Stromverbrauch bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Bis 2040 will das Land klimaneutral sein – ein ambitioniertes Ziel, das tiefgreifende Veränderungen in allen Sektoren erfordert.
Gleichzeitig hat die Energiekrise der vergangenen Jahre die Verwundbarkeit des Systems offengelegt. Die Abhängigkeit von russischem Gas und volatilen Weltmarktpreisen für fossile Energieträger hat Politik und Gesellschaft vor Augen geführt, wie wichtig Energieunabhängigkeit und Versorgungssicherheit sind. Die Energiewende ist damit nicht mehr nur ein Klimaprojekt, sondern auch eine Frage der wirtschaftlichen und geopolitischen Souveränität.
In diesem Kontext gewinnt die Arbeit der Energieagentur an Bedeutung. Politische Entscheidungsträger brauchen verlässliche Daten und Szenarien, um die richtigen Weichen zu stellen. Unternehmen benötigen Planungssicherheit für milliardenschwere Investitionen in neue Kraftwerke, Netze und Speicher. Und die Bevölkerung will wissen, wie die Energieversorgung der Zukunft aussieht und was sie kostet.
Die Aufnahme von Verbund und proPellets Austria in die AEA ist mehr als eine formale Vereinsmitgliedschaft. Beide Organisationen werden sich aktiv in die Gremien und Arbeitsgruppen der Energieagentur einbringen. Der fachliche Austausch soll vertieft, die analytische Basis verbreitert werden.
Der Verbund bringt dabei nicht nur seine Marktkenntnis ein, sondern auch Erfahrungen aus dem operativen Betrieb eines komplexen Erzeugungsportfolios. Wie reagiert das Stromnetz auf Extremwetterereignisse? Welche technischen Herausforderungen ergeben sich beim Ausbau der Pumpspeicherkapazitäten? Wie lassen sich Wasserkraft und volatile Erneuerbare optimal kombinieren? Diese Fragen kann niemand besser beantworten als jene, die das System täglich betreiben.
proPellets Austria ergänzt diese Perspektive um den Blick auf den Wärmesektor und die Bioenergie. Die Diskussion um die nachhaltige Nutzung von Biomasse ist komplex und wird oft ideologisch geführt. Umso wichtiger ist es, wissenschaftlich fundierte Grundlagen für politische Entscheidungen zu schaffen. Die Pelletswirtschaft kann dabei Einblicke in Verfügbarkeiten, Lieferketten und Preisentwicklungen geben, die für realistische Energieszenarien unverzichtbar sind.
Die Erweiterung des AEA-Netzwerks fällt in eine Zeit, in der die Weichen für die Energiezukunft Österreichs gestellt werden. Die politischen Rahmenbedingungen – vom Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz bis zum Erneuerbare-Wärme-Gesetz – schaffen die Grundlage für massive Investitionen in klimafreundliche Technologien. Gleichzeitig müssen bestehende Infrastrukturen modernisiert und neue aufgebaut werden.
Die Österreichische Energieagentur wird in diesem Prozess eine wichtige Rolle spielen – als Analysezentrum, Dialogplattform und Beratungsinstanz. Mit dem Verbund und proPellets Austria gewinnt sie zwei Partner, die nicht nur Expertise einbringen, sondern auch die gesellschaftliche Verankerung der Energiewende stärken.
Denn eines ist klar: Die Transformation des Energiesystems wird nur gelingen, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen. Stromerzeuger und Wärmeversorger, Industrie und Haushalte, Politik und Zivilgesellschaft – sie alle müssen ihren Beitrag leisten. Die Energieagentur bietet den Rahmen, um diese unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen und auf gemeinsame Ziele auszurichten.
Die offizielle Aufnahme der beiden neuen Mitglieder erfolgt mit 1. Jänner 2026. Bis dahin werden die organisatorischen Details geklärt und die Zusammenarbeit in den verschiedenen Gremien der AEA vorbereitet. Franz Angerer und sein Team freuen sich auf den gemeinsamen Beitrag zur Weiterentwicklung eines nachhaltigen, sicheren und leistbaren Energiesystems für Österreich.