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Equal Play Day: Warum Österreichs Spitzensportlerinnen auswandern müssen

5. März 2026 um 12:09
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Am 18. März 2025 ist ein symbolträchtiges Datum erreicht: Ab diesem Tag ist Frauensport in Österreich rein rechnerisch unsichtbar. Diese ernüchternde Bilanz zieht der Equal Play Day, eine Initiativ

Am 18. März 2025 ist ein symbolträchtiges Datum erreicht: Ab diesem Tag ist Frauensport in Österreich rein rechnerisch unsichtbar. Diese ernüchternde Bilanz zieht der Equal Play Day, eine Initiative der Österreichischen Lotterien und win2day, die seit 2024 auf die eklatante Unterrepräsentation von Sportlerinnen in der medialen Berichterstattung aufmerksam macht. Während Männersport das ganze Jahr über präsent bleibt, verschwindet Frauensport bereits nach 77 Tagen aus der öffentlichen Wahrnehmung – ein Missstand, der weitreichende Konsequenzen für Athletinnen, den Sportstandort Österreich und die Gesellschaft hat.

Die dramatische Realität des österreichischen Frauensports

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 79 Prozent der gesamten Sportberichterstattung in Österreich befassen sich mit Männersport. Diese strukturelle Benachteiligung hat konkrete Auswirkungen auf das Leben von Spitzensportlerinnen. Selbst im Fußball, der beliebtesten Sportart des Landes, können viele Spielerinnen trotz Bundesliga-Niveau nicht allein vom Sport leben. Nationalteamspielerin Jasmin Pal bringt diese Problematik auf den Punkt: "Im Frauenfußball kämpfst du nicht nur um Titel – manchmal kämpfst du darum, überhaupt existieren zu dürfen."

Diese Aussage verdeutlicht ein fundamentales Problem des österreichischen Sportsystems. Während von Athletinnen Professionalität erwartet wird, sind die Rahmenbedingungen oft alles andere als professionell. Die fehlende Sichtbarkeit führt zu einem Teufelskreis: Weniger Medienpräsenz bedeutet weniger Sponsoren, weniger Sponsoren bedeuten schlechtere Finanzierung, und schlechtere Finanzierung führt zu weniger Professionalität in der Vermarktung.

Strukturelle Unterschiede zwischen Männer- und Frauensport

Die Diskrepanz in der Behandlung von Männer- und Frauensport zeigt sich auf verschiedenen Ebenen. Beachvolleyball-Spielerin Lilli Hohenauer spricht einen konkreten Missstand an: "Bei vielen Turnieren bekommen Frauen die unattraktiveren Spielzeiten – weniger Publikum, weniger TV." Diese Praxis ist symptomatisch für ein System, das Frauensport systematisch benachteiligt und dadurch eine selbsterfüllende Prophezeiung schafft.

Talentabwanderung: Wenn Träume nur im Ausland möglich sind

Die mangelnden Perspektiven im österreichischen Frauensport führen zu einem besorgniserregenden Phänomen: dem Brain Drain im Sport. Basketball-Nationalteamspielerin Sina Höllerl, die im Herbst in die USA wechselt, erklärt ihre Entscheidung: "Wir haben in den letzten Jahren mehr Erfolge gefeiert als viele Männerteams – und trotzdem spielen wir vor deutlich weniger Publikum. In den USA wird Frauensport ernst genommen."

Diese Aussage ist besonders bemerkenswert, da sie die paradoxe Situation des österreichischen Sports verdeutlicht: Erfolgreiche Athletinnen müssen das Land verlassen, um ihre sportlichen Ambitionen verwirklichen zu können. Die USA gelten als Vorreiter in der Gleichberechtigung im Sport, insbesondere durch den Title IX, ein Bundesgesetz von 1972, das Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Bildungseinrichtungen verbietet und damit auch den Collegesport revolutionierte.

Internationale Vergleiche: Was andere Länder besser machen

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass andere Länder bereits erfolgreichere Modelle entwickelt haben. In Deutschland hat die Bundesregierung 2021 ein Gleichstellungsgesetz für den Sport verabschiedet, das eine 50-prozentige Frauen-Quote in Führungspositionen von Sportverbänden bis 2025 vorsieht. In der Schweiz gibt es seit 2020 das Programm "Sport fördert Frauen", das gezielt die Professionalisierung des Frauensports unterstützt.

Besonders fortschrittlich ist Norwegen, wo bereits seit den 1980er-Jahren eine aktive Gleichstellungspolitik im Sport betrieben wird. Das Ergebnis: Norwegische Athletinnen erhalten dieselbe mediale Aufmerksamkeit wie ihre männlichen Kollegen, was zu besseren Sponsoring-Verträgen und professionelleren Strukturen geführt hat.

Motorsport: Wenn körperliche Voraussetzungen keine Rolle spielen

Besonders augenfällig wird die Problematik im Motorsport, wo körperliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern theoretisch keine Rolle spielen sollten. Motorsportlerin Emma Felbermayr betont: "Rein körperlich gibt es keinen Grund, warum eine Frau nicht Formel-1-Weltmeisterin werden kann. Was fehlt, ist Sichtbarkeit."

Diese Einschätzung wird durch internationale Studien gestützt. Forschungen haben gezeigt, dass Frauen in technischen Sportarten wie dem Motorsport dieselben Fähigkeiten entwickeln können wie Männer. Das Problem liegt in der fehlenden Förderung und den mangelnden Vorbildern. Seit über 30 Jahren war keine Frau mehr in der Formel 1 am Start – ein Zustand, der nicht durch mangelnde Fähigkeiten, sondern durch strukturelle Barrieren erklärt werden kann.

Die Bedeutung von Vorbildern für die nächste Generation

Die fehlende Sichtbarkeit hat direkte Auswirkungen auf die Nachwuchsförderung. Wenn junge Mädchen keine erfolgreichen Sportlerinnen in den Medien sehen, entwickeln sie auch weniger Interesse an diesen Sportarten. Psychologische Studien belegen, dass Vorbilder eine entscheidende Rolle bei der Berufswahl und Interessensentwicklung spielen. Dieser "Role Model Effect" ist im Sport besonders ausgeprägt.

Eishockey: Weltklasse-Niveau ohne entsprechende Anerkennung

Ein besonders krasses Beispiel für das Missverhältnis zwischen sportlicher Leistung und öffentlicher Wahrnehmung bietet das österreichische Frauen-Eishockey. Torhüterin Selma Luggin gehört mittlerweile zu den besten Torhüterinnen der Welt, und 2026 spielt Österreich erstmals in der Top Division der Weltmeisterschaft – gegen Eishockey-Großmächte wie Kanada und die USA.

"Wir gehören zu den Top-10-Nationen der Welt – und trotzdem können die meisten von uns nicht vom Sport leben", erklärt Luggin die paradoxe Situation. Diese Aussage verdeutlicht einen fundamentalen Widerspruch im österreichischen Sportsystem: Während Professionalität erwartet wird, fehlt die entsprechende finanzielle Basis.

Die Professionalisierung des Frauen-Eishockeys in Zahlen

Das österreichische Frauen-Eishockey hat in den letzten Jahren beeindruckende Fortschritte gemacht. Der Aufstieg in die Top Division der Weltmeisterschaft ist historisch und stellt einen Meilenstein dar. Zum Vergleich: In Kanada und den USA, gegen die Österreich 2026 antreten wird, ist Frauen-Eishockey ein etablierter Profisport mit eigenen Ligen, TV-Verträgen und Sponsoring-Deals in Millionenhöhe.

Wirtschaftliche Dimensionen: Das ungenutzte Potenzial

Die Unterrepräsentation von Frauensport ist nicht nur ein gesellschaftliches, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. Vorstandsdirektor Martin Škopek von den Österreichischen Lotterien erklärt: "Sichtbarkeit ist im Sport die entscheidende Währung. Sie steuert Investitionen, Sponsoring, Medienrechte und damit die gesamte Wertschöpfungskette."

Internationale Studien zeigen, dass Frauensport ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial hat. In den USA generiert Frauen-College-Basketball mittlerweile ähnlich hohe TV-Einschaltquoten wie das männliche Pendant. Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 erreichte über eine Milliarde Zuschauer weltweit – ein klares Zeichen für das kommerzielle Potenzial.

Sponsoring und Vermarktung: Die Henne-Ei-Problematik

Ein zentrales Problem liegt in der sogenannten Henne-Ei-Problematik: Sponsoren investieren weniger in Frauensport, weil die Sichtbarkeit geringer ist. Gleichzeitig ist die Sichtbarkeit geringer, weil weniger Geld für Vermarktung zur Verfügung steht. Dieser Kreislauf kann nur durch gezielte Interventionen durchbrochen werden, wie sie der Equal Play Day anstrebt.

Der Equal Play Day als Katalysator für Veränderung

Managing Director Georg Wawer von win2day sieht den Equal Play Day als klaren Handlungsauftrag: "Im Vorjahr war der Equal Play Day am 20. Februar, heuer am 18. März. Das zeigt, dass wir wirklich Fortschritte machen." Diese Verbesserung um fast einen Monat ist ein positives Zeichen, zeigt aber auch, wie weit der Weg zur Gleichberechtigung noch ist.

Die Bewegung des Equal Play Days ist Teil eines größeren gesellschaftlichen Wandels. Ähnlich wie der Equal Pay Day, der auf Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam macht, schafft der Equal Play Day Bewusstsein für strukturelle Ungleichheiten im Sport.

Konkrete Maßnahmen für mehr Gleichberechtigung

Die Österreichischen Lotterien gehen mit gutem Beispiel voran. Generaldirektor Erwin van Lambaart betont: "Seit Jahrzehnten stehen die Österreichischen Lotterien verlässlich an der Seite des Breiten- und Spitzensports in unserem Land." Das Unternehmen hat bereits über 2,2 Milliarden Euro in den österreichischen Sport investiert und fördert gezielt die Professionalisierung von Frauensport und Behindertensport.

Internationale Erfolge österreichischer Athletinnen

Die mangelnde Sichtbarkeit steht in krassem Gegensatz zu den sportlichen Erfolgen österreichischer Athletinnen. Beachvolleyball-Europameisterin Lia Berger repräsentiert eine Generation von Sportlerinnen, die auf höchstem Niveau konkurriert, aber nicht die entsprechende Anerkennung erhält. "Wir investieren genauso viel, tragen genauso viel Verantwortung", erklärt Berger die Situation.

Diese Aussage verdeutlicht einen wichtigen Punkt: Athletinnen erbringen dieselben Leistungen wie ihre männlichen Kollegen, erhalten aber nicht dieselbe Wertschätzung. Die österreichischen Beachvolleyball-Damen haben in den letzten Jahren bei internationalen Turnieren hervorragende Ergebnisse erzielt und stehen stellvertretend für viele erfolgreiche Sportlerinnen, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Medienberichterstattung: Qualität vs. Quantität

Ein weiteres Problem liegt in der Art der Berichterstattung über Frauensport. Studien zeigen, dass Berichte über Athletinnen oft stärker auf Äußerlichkeiten oder private Aspekte fokussieren, während bei männlichen Sportlern die sportliche Leistung im Vordergrund steht. Diese unterschiedliche Behandlung trägt zur Trivialisierung des Frauensports bei und schmälert seine Glaubwürdigkeit als ernsthafte sportliche Konkurrenz.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen

Die Unterrepräsentation von Frauensport hat Auswirkungen, die weit über den Sport hinausgehen. Wenn junge Mädchen keine erfolgreichen Sportlerinnen als Vorbilder haben, wirkt sich das auf ihr Selbstvertrauen und ihre Karrierevorstellungen aus. Sport vermittelt wichtige Werte wie Teamwork, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit – Eigenschaften, die in allen Lebensbereichen wertvoll sind.

Die Sichtbarkeit erfolgreicher Athletinnen trägt zur Normalisierung von Frauen in Führungspositionen bei und kann stereotype Geschlechterrollen aufbrechen. Dieser gesellschaftliche Nutzen rechtfertigt Investitionen in Frauensport nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus bildungspolitischer Sicht.

Auswirkungen auf den Breitensport

Die fehlende Sichtbarkeit von Spitzensportlerinnen wirkt sich auch auf den Breitensport aus. Wenn Mädchen keine Vorbilder im Fernsehen sehen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie selbst Sport treiben. Dies hat langfristige gesundheitliche und gesellschaftliche Konsequenzen, da körperliche Aktivität ein wichtiger Baustein für ein gesundes Leben ist.

Zukunftsperspektiven und Lösungsansätze

Der Equal Play Day 2025 markiert einen wichtigen Punkt in der Diskussion um Gleichberechtigung im Sport. Die positive Entwicklung – der Tag verschiebt sich von Jahr zu Jahr nach hinten – zeigt, dass Veränderungen möglich sind. Experten sehen mehrere Ansatzpunkte für weitere Verbesserungen:

Erstens braucht es eine bewusstere Programmgestaltung in den Medien. Fernseh- und Radiosender könnten quotierte Sendezeiten für Frauensport einführen, ähnlich wie es bei europäischen Produktionen in manchen Ländern bereits praktiziert wird. Zweitens müssen Sponsoring-Entscheidungen stärker auf Potenzial statt auf aktuelle Reichweite basieren. Drittens sollten Sportverbände aktive Gleichstellungsmaßnahmen implementieren.

Internationale Best-Practice-Beispiele als Vorbild

Länder wie Australien haben gezeigt, dass sich gezielte Investitionen in Frauensport auszahlen. Die Australian Football League (AFL) hat 2017 eine Frauen-Liga gegründet, die mittlerweile ähnliche TV-Quoten erreicht wie traditionelle Männersportarten. Dieses Beispiel zeigt, dass Gleichberechtigung im Sport nicht nur ethisch richtig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Die Initiative der Österreichischen Lotterien könnte als Katalysator für eine breitere gesellschaftliche Diskussion dienen. Wenn andere große Unternehmen und Institutionen diesem Beispiel folgen, könnte Österreich zu einem Vorreiter in der Gleichberechtigung im Sport werden. Der Weg dahin ist noch weit, aber die ersten Schritte sind gemacht – und sie zeigen bereits Wirkung.

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