Am 19. Januar 2026 wurde eine alarmierende Zahl bekannt: Die Erwerbslücke in Österreich kostet den Staat jährlich rund 6 Milliarden Euro. Diese Zahl verdeutlicht die Dringlichkeit, mit der das Thema Älterenbeschäftigung angegangen werden muss. Die Präsidentin des Seniorenbundes, Ingrid Korosec, beto
Am 19. Januar 2026 wurde eine alarmierende Zahl bekannt: Die Erwerbslücke in Österreich kostet den Staat jährlich rund 6 Milliarden Euro. Diese Zahl verdeutlicht die Dringlichkeit, mit der das Thema Älterenbeschäftigung angegangen werden muss. Die Präsidentin des Seniorenbundes, Ingrid Korosec, betont die Notwendigkeit, dass mehr Institutionen und Unternehmen das Potenzial älterer Arbeitnehmer erkennen und nutzen. Der heutige Workshop in Wien, organisiert von der Arbeiterkammer (AK), dem Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und dem Arbeitsmarktservice (AMS), brachte Fachleute zusammen, um Lösungen für diese Herausforderung zu diskutieren.
Die Erwerbslücke beschreibt die Differenz zwischen dem faktischen und dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter. In Österreich führt diese Lücke jährlich zu staatlichen Mehrausgaben und Mindereinnahmen in Milliardenhöhe. Ein wesentlicher Faktor ist das steigende Frauenpensionsalter. Bis 2030 müssen 115.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Alter von 60 bis 64 Jahren im Erwerbsleben verbleiben oder neue Stellen finden. Ein Drittel der österreichischen Frauen geht nicht direkt aus der Erwerbstätigkeit in die Pension. Diese Diskrepanz führt zu erheblichen finanziellen Belastungen für den Staat.
Die Problematik der Erwerbslücke ist kein neues Phänomen. Bereits in den 1990er Jahren begann die Diskussion über die Notwendigkeit einer längeren Erwerbsbeteiligung älterer Menschen. Damals lag der Fokus vor allem auf der Frühpensionierung, die aufgrund von wirtschaftlichen Umstrukturierungen und demografischen Veränderungen populär war. Seitdem hat sich die Situation durch den demografischen Wandel und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit weiter verschärft. Die österreichische Regierung hat in den letzten Jahrzehnten verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer zu erhöhen, jedoch mit begrenztem Erfolg.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass Österreich nicht allein mit diesem Problem dasteht. In Deutschland und der Schweiz gibt es ähnliche Herausforderungen. In Deutschland wurde durch die Rente mit 67 versucht, das Pensionsantrittsalter zu erhöhen, was jedoch auf Widerstand stieß. Die Schweiz hingegen setzt auf flexible Rentenmodelle, die den Übergang in den Ruhestand erleichtern sollen. Diese Modelle könnten auch für Österreich als Vorbild dienen, um die Erwerbslücke zu schließen.
Die Erwerbslücke hat direkte Auswirkungen auf viele Österreicher. Arbeitnehmer, die vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden, müssen mit finanziellen Einbußen rechnen. Gleichzeitig fehlen dem Staat wichtige Einnahmen aus Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern. Für Unternehmen bedeutet die Beschäftigung älterer Mitarbeiter oft eine Anpassung der Arbeitsbedingungen, um den Bedürfnissen dieser Altersgruppe gerecht zu werden. Hier sind kreative Lösungen gefragt, um die Arbeitsplätze altersgerecht zu gestalten und die Erfahrung älterer Mitarbeiter optimal zu nutzen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Drei von zehn der 25.000 mittleren und größeren Betriebe in Österreich beschäftigen keine 60- bis 64-Jährigen. Nur sechs von zehn Arbeitnehmern im Haupterwerbsalter glauben, dass sie ihren Job bis zur Pension durchhalten können. Diese Daten verdeutlichen die Dringlichkeit, mit der das Thema angegangen werden muss. Die finanzielle Belastung durch Arbeitslosenunterstützung und entgangene Steuereinnahmen summiert sich auf rund 6 Milliarden Euro jährlich.
Um die Erwerbslücke zu schließen, ist ein Schulterschluss zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Sozialpartnern notwendig. Es müssen mehr alter(n)sgerechte Arbeitsplätze geschaffen werden, insbesondere für Frauen, um das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen. Flexible Arbeitszeitmodelle und Weiterbildungsangebote könnten dazu beitragen, die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer zu steigern. Die Förderung von Teilzeitarbeit und die Anpassung von Arbeitsplätzen an die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer sind weitere Ansätze, die verfolgt werden sollten.
Die Erwerbslücke stellt eine erhebliche finanzielle Herausforderung für Österreich dar. Um die damit verbundenen Kosten zu senken, müssen alle gesellschaftlichen Akteure an einem Strang ziehen. Die Schaffung altersgerechter Arbeitsplätze und die Förderung der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer sind entscheidende Schritte in diese Richtung. Nur so kann die Lücke zwischen faktischem und gesetzlichem Pensionsantrittsalter geschlossen werden. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in verwandten Artikeln auf unserer Webseite.