Am 3. Februar 2026 beginnen in Brüssel die entscheidenden Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht. Diese Verhandlungen könnten weitreichende Auswirkungen auf die österreichische Landwirtschaft und die Konsument:innen haben. Bereits jetzt dominieren drei große Konzerne – Bayer, Corteva und Syn
Am 3. Februar 2026 beginnen in Brüssel die entscheidenden Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht. Diese Verhandlungen könnten weitreichende Auswirkungen auf die österreichische Landwirtschaft und die Konsument:innen haben. Bereits jetzt dominieren drei große Konzerne – Bayer, Corteva und Syngenta – den globalen Saatgutmarkt. Das neue Recht könnte diese Machtkonzentration weiter verstärken und die Vielfalt im heimischen Agrarsektor gefährden.
Das Saatgutrecht regelt die Produktion und den Handel von Pflanzenvermehrungsmaterial. Es ist entscheidend für die Erhaltung der Artenvielfalt und die Sicherstellung der Ernährungssicherheit. Ein enges Saatgutrecht könnte die Auswahl an verfügbaren Sorten einschränken und die Abhängigkeit von wenigen, großen Konzernen erhöhen. Dies könnte besonders für Österreich, ein Land mit vielfältiger Agrarstruktur, problematisch sein.
Historisch gesehen war der Saatgutmarkt stark dezentralisiert. Viele kleine Züchter:innen und Bäuer:innen trugen zur Vielfalt der verfügbaren Sorten bei. In den letzten Jahrzehnten jedoch hat sich der Markt stark konzentriert. Große Konzerne haben durch Patente und Übernahmen ihre Marktanteile stetig ausgebaut. Diese Entwicklung hat zu einer Monopolisierung geführt, die nun durch das neue EU-Saatgutrecht möglicherweise weiter zementiert wird.
In Deutschland und der Schweiz gibt es ähnliche Diskussionen über die Macht der großen Saatgutkonzerne. Beide Länder haben jedoch nationale Maßnahmen ergriffen, um die Vielfalt zu schützen. In der Schweiz gibt es beispielsweise strenge Vorschriften zur Erhaltung traditioneller Sorten. Deutschland hat Initiativen zur Förderung lokaler Saatgutbanken gestartet. Österreich könnte von diesen Ansätzen lernen, um seine eigene Agrarvielfalt zu bewahren.
Für österreichische Konsument:innen könnte das neue Saatgutrecht bedeuten, dass die Vielfalt an verfügbaren Lebensmitteln abnimmt. Ein Beispiel: Wenn nur noch wenige Sorten von Obst und Gemüse zugelassen sind, könnte dies die Auswahl in Supermärkten einschränken. Zudem könnten Preise steigen, da die Abhängigkeit von wenigen Anbietern zunimmt. Für Bäuer:innen könnte das neue Recht bedeuten, dass der Austausch von Saatgut über regionale Grenzen hinweg illegal wird. Dies würde die Arbeit vieler kleiner Betriebe erheblich erschweren.
Der globale Saatgutmarkt wird auf etwa 50 Milliarden US-Dollar geschätzt. Mais, Soja und Getreide dominieren diesen Markt. In Europa sind es vor allem die großen Konzerne, die den Marktanteil bestimmen. In Österreich sind etwa 60% des Saatguts importiert, was die Abhängigkeit von internationalen Konzernen verdeutlicht. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig eine Diversifizierung des Saatgutmarkts wäre.
Die kommenden Wochen sind entscheidend für die Zukunft des Saatgutrechts in Europa. Die zypriotische Ratspräsidentschaft strebt einen Abschluss der Verhandlungen bis April 2026 an. Doch angesichts der unterschiedlichen Positionen zwischen dem EU-Parlament und dem Rat der Landwirtschaftsminister:innen scheint dies ein ambitioniertes Ziel. Experten wie Paul Grabenberger von ARCHE NOAH fordern klare Regelungen, die die Vielfalt schützen und eine lokale Saatgutwirtschaft fördern. Österreich könnte hier eine Vorreiterrolle einnehmen, um die Interessen seiner Bäuer:innen und Konsument:innen zu vertreten.
Die Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht sind von großer Bedeutung für Österreich. Sie bieten die Chance, die Vielfalt im Agrarsektor zu sichern und die Abhängigkeit von großen Konzernen zu reduzieren. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig steht in der Verantwortung, sich für ein faires und ausgewogenes Recht einzusetzen. Für die österreichische Landwirtschaft und die Konsument:innen könnten die kommenden Wochen entscheidend sein. Bleiben Sie informiert und unterstützen Sie die Bemühungen für ein vielfältiges und nachhaltiges Lebensmittelsystem.