Österreichischer Städtebund begrüßt neue EU-Agenda für Städte
Der Rat der EU erkennt Städte als systemrelevante Akteure für Wachstum, Klimaschutz und Innovation an. 75% der EU-Bürger leben in urbanen Gebieten.
Der Rat der Europäischen Union hat heute wichtige Schlussfolgerungen zur "EU-Agenda für Städte" verabschiedet, die Städte ausdrücklich als zentrale Akteure für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und die Umsetzung von EU-Politiken anerkennen. Diese Entscheidung wird vom Österreichischen Städtebund als bedeutender Schritt für die Stärkung der EU-Stadt-Beziehungen gewertet.
Die Schlussfolgerungen des Rates würdigen die essenzielle Rolle von Städten in verschiedenen Bereichen: vom Klimaschutz über sozialen Zusammenhalt und Wohnraum bis hin zu Innovation und Resilienz. Diese Anerkennung spiegelt die Realität wider, dass urbane Gebiete längst zu den wichtigsten Akteuren der europäischen Politik geworden sind.
"Das ist ein politisches Signal, das wir außerordentlich begrüßen", kommentiert Städtebund-Präsident und Wiener Bürgermeister Michael Ludwig die Entscheidung. "Städte spielen eine wichtige Rolle in Europa mit direkten Auswirkungen auf die Politik in Städten und Gemeinden. Das heutige Bekenntnis stärkt die EU-Stadt-Beziehungen und hebt Städte als systemrelevant für zentrale EU-Ziele hervor."
Die Relevanz von Städten für die europäische Politik wird durch beeindruckende Zahlen untermauert: Rund 75 Prozent der EU-Bevölkerung leben in städtischen Gebieten. Gleichzeitig werden etwa 70 Prozent aller EU-Rechtsakte auf regionaler und lokaler Ebene umgesetzt. Diese Statistiken verdeutlichen, dass europäische Politik ohne die aktive Beteiligung von Städten und Gemeinden nicht erfolgreich implementiert werden kann.
Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger betont die österreichische Unterstützung für diese Initiative: "Wesentlich ist auch, dass Minister Norbert Totschnig den Schlussfolgerungen zugestimmt hat." Diese Zustimmung signalisiert, dass Österreich die wichtige Rolle der Städte in der europäischen Politik vollumfänglich anerkennt.
Trotz der politischen Anerkennung sieht Weninger noch Handlungsbedarf bei der finanziellen Ausstattung: "Wir gehen nun davon aus, dass Städte und Gemeinden auch im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union eine Rolle spielen." Derzeit sind im aktuellen mehrjährigen Finanzrahmen der EU keine eigenen Mittel für städtische Initiativen vorgesehen.
Diese Diskrepanz zwischen politischer Anerkennung und finanzieller Ausstattung könnte sich als zentrale Herausforderung für die Zukunft erweisen. Wenn Städte tatsächlich 70 Prozent der EU-Rechtsakte umsetzen müssen, scheint eine entsprechende finanzielle Unterstützung durch die europäischen Institutionen logisch und notwendig.
Die Schlussfolgerungen des Rates adressieren das gesamte Spektrum städtischer Zuständigkeiten. Von Wohnbau und sozialer Inklusion über Mobilität und Klimaschutz bis hin zu Energie und Resilienz – alle diese Bereiche werden als zentrale Handlungsfelder für Städte anerkannt.
Diese umfassende Anerkennung spiegelt die Realität moderner Stadtpolitik wider. Städte sind längst nicht mehr nur Verwaltungseinheiten, sondern komplexe Systeme, die verschiedenste gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen bewältigen müssen.
Besonders im Bereich Klimaschutz kommt Städten eine Schlüsselrolle zu. Urbane Gebiete sind sowohl Hauptverursacher als auch Hauptbetroffene des Klimawandels. Gleichzeitig bieten sie aufgrund ihrer Dichte und Infrastruktur die besten Möglichkeiten für effiziente Klimaschutzmaßnahmen.
Von nachhaltiger Mobilität über energieeffiziente Gebäude bis hin zu grüner Infrastruktur – Städte sind Laboratorien für innovative Klimaschutzlösungen. Die EU-Agenda für Städte würdigt diese Rolle und könnte dazu beitragen, entsprechende Initiativen zu stärken.
Auch beim sozialen Zusammenhalt spielen Städte eine zentrale Rolle. Sie sind Orte der Vielfalt, aber auch der sozialen Spannungen. Gleichzeitig bieten sie die besten Voraussetzungen für Integration, Bildung und soziale Teilhabe.
Die Anerkennung städtischer Kompetenzen in diesem Bereich durch die EU könnte dazu beitragen, lokale Initiativen zu stärken und europaweite Erfahrungen zu teilen.
Die heutigen Schlussfolgerungen des Rates markieren einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der EU-Stadt-Beziehungen. Sie könnten den Grundstein für eine stärkere Einbindung von Städten in europäische Entscheidungsprozesse legen.
Für österreichische Städte und Gemeinden eröffnen sich damit neue Möglichkeiten der europäischen Zusammenarbeit. Gleichzeitig wächst aber auch die Verantwortung, die übertragenen Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.
Der Österreichische Städtebund wird diese Entwicklungen weiter begleiten und sich dafür einsetzen, dass die politische Anerkennung auch in konkrete Unterstützung für städtische Initiativen mündet. Die kommenden Verhandlungen über den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU werden zeigen, ob den politischen Bekenntnissen auch entsprechende Taten folgen.
Für die österreichische Kommunalpolitik bedeuten die Schlussfolgerungen des Rates eine wichtige Stärkung der Position gegenüber nationalen und europäischen Institutionen. Die explizite Anerkennung städtischer Kompetenzen könnte dazu beitragen, lokale Anliegen stärker in übergeordnete politische Prozesse einzubringen.
Gleichzeitig unterstreichen sie die Notwendigkeit einer professionellen und europäisch ausgerichteten Kommunalpolitik. Städte und Gemeinden müssen sich zunehmend als europäische Akteure verstehen und entsprechend agieren.