Niederösterreichischer Energieversorger investiert jährlich 1 Milliarde Euro in Energiewende
EVN verzeichnet im ersten Quartal 2025/26 ein Plus von 9,8% beim Konzernergebnis auf 126,9 Mio. Euro, trotz Rückgängen bei EBITDA und EBIT.
Der niederösterreichische Energieversorger EVN AG kann trotz eines herausfordernden Marktumfelds positive Nachrichten vermelden: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 stieg das Konzernergebnis um beachtliche 9,8 Prozent auf 126,9 Millionen Euro. Dies zeigt die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens in einem von volatilen Energiepreisen und veränderten Marktbedingungen geprägten Umfeld.
Während sich das Konzernergebnis erfreulich entwickelte, zeigten andere Kennzahlen eine verhaltene Entwicklung. Die Umsatzerlöse stiegen zwar um 3,3 Prozent auf 830,7 Millionen Euro, jedoch gingen sowohl das EBITDA als auch das EBIT zurück. Das EBITDA sank um 2,2 Prozent auf 247,4 Millionen Euro, das EBIT um 7,8 Prozent auf 153,2 Millionen Euro.
Hauptverantwortlich für den Umsatzanstieg waren regulatorisch bedingte Preiseffekte bei den Verteilnetzgesellschaften in Niederösterreich und Bulgarien. Demgegenüber standen jedoch preis- und mengenbedingte Umsatzrückgänge im Bereich der erneuerbaren Erzeugung sowie das Auslaufen eines wichtigen Vertrags mit dem Übertragungsnetzbetreiber APG für Reserveleistungen aus dem Kraftwerk Theiß.
Das erste Quartal 2025/26 war von ungünstigen Witterungsbedingungen für die erneuerbare Energieerzeugung geprägt. Obwohl der temperaturbedingte Energiebedarf in Österreich deutlich über dem langjährigen Mittelwert lag, fielen die Erzeugungskoeffizienten für Wind- und Wasserkraft in fast allen Märkten deutlich unter den langjährigen Durchschnitt.
Die Stromerzeugung der EVN lag mit 740 Gigawattstunden um 10,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders die erneuerbare Erzeugung ging um 8,9 Prozent auf 598 Gigawattstunden zurück. Dennoch konnte EVN den Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamterzeugung von 79,7 auf 80,8 Prozent steigern.
Trotz der aktuellen Herausforderungen setzt EVN konsequent auf die Zukunft und investiert massiv in den Ausbau erneuerbarer Energien. Im Rahmen der Unternehmensstrategie 2030 plant EVN jährliche Investitionen von etwa einer Milliarde Euro. Etwa vier Fünftel dieser Investitionen fließen nach Niederösterreich in Bereiche wie Netzinfrastruktur, erneuerbare Erzeugung, Großbatteriespeicher, E-Ladeinfrastruktur und Trinkwasserversorgung.
Bereits im ersten Quartal konnte EVN weitere Erfolge beim Ausbau verzeichnen: Die erneuerbaren Erzeugungskapazitäten stiegen um 42 Megawatt auf insgesamt 1.022 Megawatt. Zusätzlich wurde die Batteriespeicherleistung auf 12 Megawatt erhöht. Diese Batteriespeicher gelten als Schlüsseltechnologie für die Energiewende, da sie eine optimale Abstimmung von Stromerzeugung, Verbrauch und Speicherung ermöglichen.
EVN verfolgt ehrgeizige Ziele für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Bis 2030 sollen folgende Kapazitäten erreicht werden:
Eine gut abgesicherte Projektpipeline soll die Erreichung dieser Ziele gewährleisten. Derzeit arbeitet EVN in Österreich an der Errichtung beziehungsweise dem Repowering von vier Windparkprojekten und einer Photovoltaikanlage.
Neben der Energieversorgung bleibt die Trinkwasserversorgung in Niederösterreich ein zentraler Investitionsschwerpunkt. Die EVN Wasser, die für die Trinkwasserversorgung in Niederösterreich verantwortlich ist, wurde organisatorisch dem Segment Netze zugeordnet. In Reisenberg im Industrieviertel entsteht derzeit die achte Naturfilteranlage der EVN, deren Inbetriebnahme für den Sommer 2026 geplant ist.
Die Nettoverschuldung der EVN stieg zum 31. Dezember 2025 auf 1.326,5 Millionen Euro, verglichen mit 1.155,9 Millionen Euro Ende September 2025. Dieser Anstieg ist jedoch saisonal bedingt und resultiert aus stichtagsbedingt höheren Forderungen im operativen Energiegeschäft.
EVN legt großen Wert auf eine ausgezeichnete Bonität und arbeitet mit zwei internationalen Ratingagenturen zusammen. Das Unternehmen strebt Ratings im soliden A-Bereich an, um langfristig den Zugang zu Kapital zu attraktiven Bedingungen zu sichern. Diese solide Kapitalstruktur bildet eine gute Grundlage für die Umsetzung des umfassenden Investitionsprogramms.
EVN führt auch strukturelle Anpassungen durch: Das Umweltgeschäft wird ab dem Geschäftsjahr 2025/26 nicht mehr als eigenständiges Segment ausgewiesen. Zudem wurde im Juni 2025 ein Vertrag mit STRABAG zum Verkauf des internationalen Projektgeschäfts unterzeichnet. Das Closing dieser Transaktion wird bis Ende März 2026 erwartet.
Die EVN-Gruppe beschäftigte im Berichtszeitraum durchschnittlich 7.719 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verglichen mit 7.695 im Vorjahr. Kollektivvertragliche Anpassungen und die gestiegene Mitarbeiterzahl führten zu einem Anstieg des Personalaufwands um 3,8 Prozent auf 119,8 Millionen Euro.
EVN sieht sich verschiedenen Marktherausforderungen gegenüber. Der anhaltend starke Wettbewerb und die kontinuierlich steigende Eigenversorgung der Kunden durch Photovoltaikanlagen in Kombination mit Batteriespeichern wirken sich negativ auf den Stromabsatz aus. Die durchschnittlichen Spot-Großhandelspreise für Grundlaststrom lagen leicht unter dem Vorjahresniveau.
Besonders im Bereich der at-Equity einbezogenen Unternehmen zeigten sich Belastungen: Der Ergebnisanteil sank um mehr als die Hälfte auf 23,2 Millionen Euro. Auslöser waren geringere Ergebnisbeiträge insbesondere von der RAG, der Burgenland Energie sowie der Verbund Innkraftwerke.
Trotz der aktuellen Herausforderungen zeigt sich EVN zuversichtlich für das weitere Geschäftsjahr. Das Management bestätigt den Ausblick für das Geschäftsjahr 2025/26 und geht unter der Annahme eines stabilen regulatorischen und energiepolitischen Umfelds von einem EBITDA und einem Konzernergebnis etwa auf dem Niveau des Vorjahres aus.
Das Konzernergebnis wird dabei in einer Bandbreite von etwa 430 bis 480 Millionen Euro erwartet. Diese Prognose unterstreicht das Vertrauen des Managements in die langfristige Strategie und die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells.
Mit ihrem ambitionierten Investitionsprogramm positioniert sich EVN als verlässlicher Partner der österreichischen Energiewende. Die jährlichen Investitionen von etwa einer Milliarde Euro machen EVN zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region und tragen maßgeblich zur Transformation des Energiesystems bei.
Die EVN AG mit Sitz in Maria Enzersdorf ist ein führender Energieversorger in Niederösterreich und Südosteuropa. Das Unternehmen ist im ATX notiert und verfügt über eine solide Marktposition in den Bereichen Energieerzeugung, Netzbetrieb und Trinkwasserversorgung. Mit ihrer klaren Fokussierung auf erneuerbare Energien und Infrastrukturinvestitionen will EVN einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung der Zukunft leisten.