Stuttgart - Das Internationale Forschungskonsortium für das H63D-Syndrom hat bei einem Treffen seiner europäischen Mitglieder alarmierende neue Erkenntnisse über das seltene und höchst komplexe Oshtoran-Syndrom (H63D-Syndrom Typ-3) besprochen. Seit 2023 koordiniert das Konsortium die Forschung zu di
Das Internationale Forschungskonsortium für das H63D-Syndrom hat bei einem Treffen seiner europäischen Mitglieder alarmierende neue Erkenntnisse über das seltene und höchst komplexe Oshtoran-Syndrom (H63D-Syndrom Typ-3) besprochen. Seit 2023 koordiniert das Konsortium die Forschung zu dieser Krankheit und bündelt das vorhandene Fachwissen. Obwohl weltweit nur etwa 5.000 Patienten diagnostiziert und in Behandlung sind, vermuten Fachleute eine deutlich höhere Dunkelziffer. Die oft unerkannte genetische Störung birgt ein erhebliches Risiko für schwerwiegende Komplikationen.
Das Oshtoran-Syndrom zeichnet sich durch eine anormale Ansammlung von NTBI-Eisen in verschiedenen Organen aus. Experten unterscheiden zwischen Ferritin, einem speicherbaren Eisen, das durch Therapien wie Aderlässe und Chelat-Behandlungen entfernt werden kann, und nicht-transferrin-gebundenem Eisen (NTBI). NTBI ist besonders gefährlich, da es sich in den Zellen ablagert und kaum entfernt werden kann. Dort verursacht es oxidative und andere Schäden. Man kann sich das H63D-Syndrom mit seinen drei Varianten, einschließlich des Oshtoran-Syndroms, als eine Art "eiserne Version" des kupferbasierten Morbus Wilson vorstellen, allerdings mit gravierenderen Auswirkungen.
Beim Oshtoran-Syndrom ist nicht das allgemein bekannte Ferritin-Eisen das Problem, sondern das oft übersehene NTBI-Eisen. Dieses Eisen ist sehr aggressiv, aber gleichzeitig "unsichtbar" - es lässt sich weder in histopathologischen Untersuchungen noch in bildgebenden Verfahren wie CT, MRT oder PET nachweisen. Nur in der B-Bild-Sonographie der Substantia nigra im Zusammenhang mit den Basalganglien kann NTBI indirekt sichtbar werden, indem es die Substantia nigra "weiß" erscheinen lässt. Auch der direkte Nachweis im Blut ist nur in spezialisierten Kliniken oder Praxen möglich. Daher gilt die biologische Faustregel: ist die Transferrinsättigung höher als 50% bildet sich NTBI. Ab 60% aufwärts wird es besonders kritisch. Liegt eine (milde) Hypotransferrinämie vor, sind auch Werte ab 45% bereits alarmierend.
Das Oshtoran-Syndrom beeinträchtigt hauptsächlich Gehirn, Herz, Leber und die Fortpflanzungsorgane. Diese können durch unterschwellige Entzündungsherde und fehlerhafte Nervensignale degenerativ geschädigt werden. Besonders problematisch ist die Fähigkeit des Syndroms, das Nervensystem zu beeinflussen und dadurch die Homöostase ganzer Organsysteme zu stören. Diese pathologische Fehlsteuerung kann zu einem lebensbedrohlichen Chaos in der Körperregulation oder sogar zu spontanem Organversagen führen. Zusätzlich kann das Syndrom eine Überaktivierung des Immunsystems verursachen, was die Komplexität der Erkrankung weiter erhöht und die Behandlung erheblich erschwert.
Die metaphorischen ‘roten Warnlampen’ im Kopf eines Arztes müssen dann anspringen, wenn eine leichte bis mittelschwere Hypotransferrinämie und/oder eine erhöhte Transferrinsättigung (ständig oder immer wiederkehrend) bei gleichzeitig relativ niedrigem bis sehr niedrigem Ferritinspiegel zu erkennen ist. Betroffen sind ausschließlich Menschen mit einer homozygoten HFE-Gen H63D Mutation, von denen etwa 5% am H63D-Syndrom erkranken – oft nach einem immunologischen Auslöser. Bei frühzeitiger Erkennung können Organschäden noch gut verhindert werden. Später ist kaum noch etwas zu retten und es kann maximal supportiv behandelt werden. Umso besorgniserregender ist es, dass die Gefahren des NTBI-Eisens und des Syndroms, besonders in Deutschland, noch immer sträflich unterschätzt werden.
Da die Symptome des Oshtoran-Syndroms vielfältig und teilweise unspezifisch sind, bleibt die Erkrankung immer noch zu oft unerkannt. Viele Patienten erhalten Fehldiagnosen oder werden speziell in der Frühphase des Syndroms als Hypochonder abgestempelt, was das Risiko schwerer Komplikationen massiv erhöht. Das International H63D Syndrome Research Consortium (einen Non-Profit-Organisation) ruft die Ärzteschaft eindringlich dazu auf, das Oshtoran-Syndrom bei Eisenstoffwechselstörungen verstärkt als mögliche Differentialdiagnose in Betracht zu ziehen und das Bewusstsein für diese seltene Erkrankung zu schärfen. Das H63D-Consortium setzt sich weiterhin für eine bessere Aufklärung und die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden ein, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und das Risiko schwerer Komplikationen zu minimieren.
Die europäische Sektion des Internationalen H63D-Syndrom Research Consortium wendet sich aus diesem Grund direkt an die Öffentlichkeit. Frühzeitige Erkennung ist beim Oshtoran-Syndrom entscheidend. Es wäre unethisch, mit Maßnahmen zu warten, bis das Syndrom vollständig erforscht ist und alle akademischen Schleifen durchlaufen hat. Das wird geschehen, doch die heute daran erkrankten Patienten haben keine Zeit zu verlieren. Bei klarer H63D-Symptom- und Laborkonstellation sollte ein Arzt das Syndrom erkennen können und auch die Bedeutung des NTBI kennen. Sollte der Arzt herumlavieren oder die Problematik nicht ernst nehmen, wird H63D-Patienten empfohlen, einen anderen Spezialisten aufzusuchen.
Weitere, eingehende Informationen über alle drei Typen des H63D-Syndroms und damit auch das Oshtoran Syndrom (H63D-Syndrom Typ-3) finden Mediziner und Laien unter anderem bei Google, Google Scholar, Zenodo, openAIRE, figshare, Authorea und vielen anderen medizinischen Datenbanken.