Nach Goldpreisrallye steigt das Interesse an Edelmetall-Investments - doch auch unseriöse Anbieter wittern ihre Chance
Die Finanzmarktaufsicht rät zu Vorsicht beim Goldkauf. Neben echten Risiken locken auch Betrüger mit verlockenden Angeboten.
Der Goldpreis hat in den vergangenen Monaten neue Rekordwerte erreicht. Das Edelmetall gilt traditionell als "sicherer Hafen" in unsicheren Zeiten - ein Image, das gerade in der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage viele österreichische Anleger anzieht. Doch wo großes Interesse herrscht, sind auch unseriöse Anbieter nicht weit. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) warnt nun vor fragwürdigen Geschäftsmodellen im Goldhandel.
Obwohl der Goldhandel selbst nicht unter die Aufsicht der FMA fällt, häufen sich bei der Behörde Anfragen und Beschwerden von Verbrauchern. "Das gestiegene Interesse an Barren und Münzen ruft auch Betrüger auf den Plan", warnt die FMA in ihrer aktuellen Mitteilung. Besonders verdächtig seien außergewöhnliche Rabatte, unrealistische Lieferfristen und intransparente Geschäftsmodelle.
Die Verlockung ist verständlich: Nach den Kursschwankungen der ersten Wochen 2026 bleibt das Interesse an physischen Goldanlagen wie dem beliebten Wiener Philharmoniker ungebrochen hoch. Gold verspricht Wertstabilität in einer Zeit, in der traditionelle Anlagen von Inflation und politischen Unsicherheiten bedroht sind.
Doch auch bei seriösen Anbietern sollten Anleger genau rechnen. Gold bringt keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden mit sich. Stattdessen fallen verschiedene Kosten an, die die Rendite erheblich schmälern können:
"Diese Kosten fallen bei Gold besonders ins Gewicht und können die Rendite maßgeblich beeinflussen", betont die FMA. Anleger sollten daher nicht nur auf den reinen Goldpreis schauen, sondern alle Nebenkosten in ihre Kalkulation einbeziehen.
Wer physisches Gold erwirbt, muss sich auch Gedanken über die sichere Aufbewahrung machen. Ein Schließfach bei der Bank kostet jährlich zwischen 50 und 200 Euro, je nach Größe. Ein privater Tresor zu Hause sollte entsprechend versichert werden - was zusätzliche Kosten bedeutet. Auch der Transport größerer Goldmengen birgt Risiken.
Ein oft übersehener Aspekt beim Goldhandel sind die Geldwäsche-Bestimmungen. Gold ist aufgrund seiner Eigenschaften - anonym, hochkonzentriert, gut transportierbar und weltweit akzeptiert - leider auch für kriminelle Aktivitäten geeignet. Deshalb müssen Banken und Goldhändler beim An- und Verkauf bestimmte Sorgfaltspflichten einhalten.
Ab einer Transaktionssumme von 10.000 Euro (bei Goldhändlern) beziehungsweise 15.000 Euro (bei Finanzinstituten) greifen besondere Pflichten:
"Diese Pflichten bedeuten keinen Generalverdacht", stellt die FMA klar. "Sie dienen - wie Passkontrollen an der Grenze oder Sicherheitsscans am Flughafen - einfach dazu, es Kriminellen schwerer zu machen."
Für Goldanleger bedeutet das: Belege aufbewahren! Der einfachste Nachweis sind Kaufrechnungen. Doch auch wenn das Gold ein Geschenk war oder vor langer Zeit erworben wurde, lässt sich die Mittelherkunft dokumentieren:
Banken und Goldhändler müssen das Geldwäsche-Risiko einschätzen. Diese Bewertung fällt naturgemäß leichter, wenn die Kunden bereits bekannt sind - etwa bei der Hausbank. Problematisch wird es meist nur bei ungewöhnlich hohen Beträgen oder unbekannten Geschäftsbeziehungen.
Die FMA empfiehlt österreichischen Verbrauchern, beim Goldkauf auf mehrere Faktoren zu achten:
Etablierte Banken, bekannte Edelmetallhändler oder die Münze Österreich sind in der Regel vertrauenswürdige Anlaufstellen. Vorsicht ist bei unbekannten Online-Anbietern geboten, besonders wenn diese mit unrealistischen Preisvorteilen werben.
Seriöse Anbieter zeigen klar auf, wie sich der Preis zusammensetzt. Dazu gehören der aktuelle Goldpreis, Aufschläge, Mehrwertsteuer (bei Goldbarren) und eventuelle Versandkosten. Münzen wie der Philharmoniker sind übrigens von der Mehrwertsteuer befreit.
Gold ist ein knappes Gut. Unrealistisch kurze Lieferzeiten bei größeren Mengen können ein Warnsignal sein. Seriöse Händler informieren ehrlich über ihre Lagerbestände und Lieferzeiten.
Finanzexperten raten generell dazu, Gold nur als Beimischung zum Portfolio zu betrachten. Ein Anteil von fünf bis zehn Prozent des Gesamtvermögens gilt als angemessen. Gold sollte niemals die einzige Anlageform sein, da es keine laufenden Erträge abwirft und starken Preisschwankungen unterliegt.
Die aktuelle Kursrallye zeigt sowohl die Chancen als auch die Risiken des Goldhandels auf. Während das Edelmetall tatsächlich Schutz vor Inflation und politischen Krisen bieten kann, lockt der Hype auch unseriöse Anbieter an. Anleger sind daher gut beraten, sich gründlich zu informieren und nur mit vertrauenswürdigen Partnern zu handeln.
Die Finanzmarktaufsicht hat ihre Informationsreihe "Reden wir über Geld" um das Thema Geldwäsche-Aspekte im Goldhandel erweitert. Die Broschüre kann kostenlos von der FMA-Website heruntergeladen werden und bietet praktische Tipps für Verbraucher.
Zusätzlich stehen weitere Informationen zu Goldsparplänen und zur Vermittlung von Goldanlagen zur Verfügung. Diese Ressourcen helfen dabei, die komplexen Aspekte der Goldanlage besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Das Fazit der FMA ist klar: Gold kann durchaus eine sinnvolle Ergänzung des Portfolios sein - aber nur bei seriösen Anbietern und mit realistischen Erwartungen an Kosten und Rendite. In Zeiten des Goldbooms ist Vorsicht das beste Investment.