Parlamentarische Anfrage enthüllt Details zum "eurotours"-Programm des Bundeskanzleramts – Kosten von über 371.000 Euro seit Programmstart
FPÖ-Mediensprecher Hafenecker kritisiert vom Kanzleramt finanzierte Recherchereisen für Journalisten und fordert die sofortige Einstellung des Programms.
Das vom Bundeskanzleramt finanzierte Programm "eurotours" steht im Zentrum einer politischen Kontroverse. FPÖ-Generalsekretär und Mediensprecher Christian Hafenecker fordert nach Auswertung einer parlamentarischen Anfrage die sofortige Einstellung des Projekts, das jungen Journalisten mehrtägige Recherchereisen in EU-Länder und Westbalkan-Staaten ermöglicht.
Bei "eurotours" handelt es sich um ein Förderprogramm des Bundeskanzleramts, das jungen Medienschaffenden die Möglichkeit bietet, zu Themen von "europaweiter Relevanz" in verschiedenen europäischen Ländern zu recherchieren. Die Reisekosten werden dabei aus öffentlichen Mitteln bestritten.
Laut der Anfragebeantwortung an den freiheitlichen Abgeordneten haben seit dem Start des Programms insgesamt 245 Medienvertreter an den Recherchereisen teilgenommen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf mehr als 371.000 Euro. Allein im vergangenen Jahr wurden 55.000 Euro für 34 Teilnehmer aufgewendet.
Hafenecker kritisiert insbesondere den Bewerbungsprozess für das Programm als intransparent. Journalisten, die an eurotours teilnehmen möchten, müssen ihrer Bewerbung eine "Unterstützungserklärung" ihrer Chefredaktion beilegen. Anschließend entscheidet eine Jury über die Teilnahme, der auch Vertreter des Bundeskanzleramts angehören.
"Auch über das jährliche Thema entscheidet das Bundeskanzleramt", betont der FPÖ-Mediensprecher. Diese Konstellation sei aus seiner Sicht "höchst problematisch" für die Medienfreiheit, da staatliche Stellen damit Einfluss auf journalistische Inhalte nehmen könnten.
Als Beispiele für die thematische Ausrichtung des Programms nennt Hafenecker konkrete Recherchereisen aus dem Jahr 2025:
Der FPÖ-Politiker bezeichnet diese Themensetzung als "links-woke Belangberichterstattung zu Themen, die für den Großteil der Österreicher überhaupt keine Relevanz haben".
Die Kritik an eurotours berührt eine grundsätzliche Frage der österreichischen Medienpolitik: Inwieweit darf oder soll der Staat journalistische Arbeit finanziell unterstützen, ohne dabei die redaktionelle Unabhängigkeit zu gefährden?
Hafenecker sieht in dem Programm einen Teil einer "demokratiepolitisch schwerst bedenklichen Medienkontrollstrategie". Das Bundeskanzleramt betreibe damit "Regierungslobbying bei jungen Journalisten". Was als "harmloses Weiterbildungsprojekt" verkauft werde, sei in Wahrheit ein Instrument zur Beeinflussung der Berichterstattung.
"Es kann und darf nicht Aufgabe des Bundeskanzleramts oder sonst einer Regierungsstelle sein, Medienschaffenden derartige Recherchereisen zu finanzieren", so der Abgeordnete. Journalismus müsse stets eine "kritische Distanz zu Regierung, Staat und Macht" wahren. Das Programm fördere hingegen eine "Erziehung zur Hofberichterstattung".
Die Debatte um eurotours fügt sich in eine breitere Diskussion über die Medienförderung in Österreich ein. Der Staat unterstützt heimische Medien auf verschiedenen Wegen – von der Presseförderung über Inseratenbudgets bis hin zu Weiterbildungsprogrammen wie eurotours.
Kritiker bemängeln seit Jahren, dass diese Förderungen nicht transparent genug vergeben werden und politische Einflussnahme ermöglichen. Befürworter argumentieren hingegen, dass staatliche Unterstützung notwendig sei, um die Medienvielfalt in einem kleinen Markt wie Österreich zu erhalten.
Das Bundeskanzleramt ist in Österreich traditionell für weite Teile der Medienpolitik zuständig. Diese Zuständigkeit wird von Oppositionsparteien regelmäßig kritisiert, da sie eine zu große Nähe zwischen Regierung und Medien begünstige.
Mit der parlamentarischen Anfrage zu eurotours versucht die FPÖ nun, mehr Transparenz über die konkreten Fördermaßnahmen des Kanzleramts herzustellen. Die veröffentlichten Zahlen – 245 Teilnehmer und mehr als 371.000 Euro Gesamtkosten – liefern erstmals einen detaillierten Einblick in das Programm.
Die Wortwahl Hafeneckers – "linke Lustreisen", "links-woke Belangberichterstattung" – macht deutlich, dass die Kritik am eurotours-Programm auch eine kulturpolitische Komponente hat. Die FPÖ positioniert sich damit gegen eine Themensetzung, die sie als einseitig progressiv wahrnimmt.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Themen aus Sicht der Freiheitlichen förderungswürdig wären – oder ob sie staatlich finanzierte Journalistenreisen grundsätzlich ablehnen. Die Forderung nach dem "sofortigen Aus" für eurotours deutet auf Letzteres hin.
Die parlamentarische Anfrage und die darauf folgende öffentliche Kritik setzen das Bundeskanzleramt unter Rechtfertigungsdruck. Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich die Regierung zu den Vorwürfen äußert.
Grundsätzlich wirft der Fall eurotours Fragen auf, die über das konkrete Programm hinausgehen: Wie kann Medienförderung gestaltet werden, ohne die journalistische Unabhängigkeit zu gefährden? Wer sollte über förderungswürdige Themen entscheiden? Und wie viel Transparenz ist bei der Vergabe öffentlicher Mittel an Medien notwendig?
Diese Debatte wird Österreich auch in den kommenden Monaten beschäftigen – unabhängig davon, wie sich das Schicksal von eurotours entwickelt.