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FPÖ fordert Halbierung der Mineralölsteuer statt neuer Studien

4. April 2026 um 09:17
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Die österreichische Bundesregierung gerät erneut wegen ihrer Spritpreispolitik unter Beschuss. FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker kritisiert scharf die jüngste Ankündigung von ÖVP-Wirtschafts...

Die österreichische Bundesregierung gerät erneut wegen ihrer Spritpreispolitik unter Beschuss. FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker kritisiert scharf die jüngste Ankündigung von ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Kocher, eine Untersuchung der internationalen Rohölpreise in Auftrag zu geben. Diese Maßnahme sei nach dem Scheitern der sogenannten Spritpreisbremse ein weiterer Beweis für die Handlungsunfähigkeit der Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS.

Spritpreise belasten österreichische Haushalte massiv

Die aktuellen Treibstoffpreise stellen für viele österreichische Familien eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Ein Liter Super kostet derzeit durchschnittlich 1,45 Euro, Diesel liegt bei etwa 1,38 Euro. Für eine vierköpfige Familie mit durchschnittlichem Fahrverhalten von 15.000 Kilometern jährlich bedeutet dies Mehrkosten von rund 800 Euro gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sind Pendler in ländlichen Gebieten, die auf ihr Auto angewiesen sind und keine Alternative zum öffentlichen Verkehr haben.

Die Mineralölsteuer ist eine Verbrauchssteuer, die auf jeden Liter Kraftstoff erhoben wird. In Österreich beträgt sie derzeit 48,2 Cent pro Liter Benzin und 39,7 Cent pro Liter Diesel. Diese Steuer wurde ursprünglich 1931 eingeführt und dient der Finanzierung der Straßeninfrastruktur. Zusätzlich kommt die CO2-Steuer hinzu, die seit Oktober 2022 schrittweise eingeführt wird und derzeit 30 Euro pro Tonne CO2 beträgt. Dies entspricht etwa 6,6 Cent pro Liter Benzin und 7,5 Cent pro Liter Diesel.

Gescheiterte Spritpreisbremse als Vorgänger

Die im Mai 2022 eingeführte Spritpreisbremse sollte die Belastung der Autofahrer reduzieren. Die Maßnahme sah vor, dass der Staat bei einem Literpreis von über 1,50 Euro für Super einen Teil der Kosten übernimmt. In der Praxis erwies sich diese Regelung jedoch als weitgehend wirkungslos. Die Preise sanken nur minimal und kurzfristig, da Mineralölkonzerne ihre Margen entsprechend anpassten. Experten bezeichneten die Maßnahme von Beginn an als ungeeignet, da sie nicht an den strukturellen Ursachen der hohen Preise ansetzte.

Die Bundesregierung gab für diese ineffektive Maßnahme mehrere Millionen Euro aus, ohne dass sich für die Verbraucher eine spürbare Entlastung ergab. Hafenecker sieht darin einen klaren Beweis für die falsche Herangehensweise der Regierung: "Anstatt Symptome zu bekämpfen, müssen die Ursachen angegangen werden."

Internationale Vergleiche zeigen österreichische Besonderheiten

Ein Blick auf die Nachbarländer verdeutlicht die österreichische Situation. In Deutschland liegt die Mineralölsteuer bei 65,45 Cent pro Liter Benzin und damit deutlich höher als in Österreich. Die Schweiz erhebt 73,12 Rappen (etwa 75 Cent) pro Liter. Allerdings sind die Bruttolöhne in beiden Ländern auch entsprechend höher. In Italien beträgt die Mineralölsteuer 72,8 Cent pro Liter Benzin, in Frankreich 68,3 Cent.

Interessant ist der Vergleich mit osteuropäischen EU-Ländern: In Ungarn liegt die Steuer bei nur 36,8 Cent pro Liter, in der Slowakei bei 35,9 Cent. Diese Unterschiede führen zu einem ausgeprägten Tanktourismus, von dem besonders Grenzregionen betroffen sind. Österreichische Autofahrer fahren teilweise 50 Kilometer oder mehr, um in Nachbarländern günstiger zu tanken.

Steuerbelastung als Hauptfaktor

Die Zusammensetzung des Spritpreises zeigt deutlich den staatlichen Anteil. Von 1,45 Euro pro Liter Super entfallen etwa:

  • 48,2 Cent auf die Mineralölsteuer
  • 6,6 Cent auf die CO2-Steuer
  • 24 Cent auf die Mehrwertsteuer (20 Prozent)
  • Etwa 66 Cent auf den Rohölpreis, Raffineriekosten und Handelsspannen

Somit beträgt der staatliche Anteil am Spritpreis mehr als die Hälfte des Endpreises. Diese hohe Steuerbelastung macht Österreich zu einem der teuersten Tankländer Europas, obwohl die Rohölpreise international bestimmt werden.

FPÖ-Forderungen im Detail

Die Freiheitliche Partei schlägt konkrete Maßnahmen vor, um die Belastung der Autofahrer zu reduzieren. Die Halbierung der Mineralölsteuer würde eine Ersparnis von etwa 24 Cent pro Liter Benzin und 20 Cent pro Liter Diesel bedeuten. Für den durchschnittlichen Autofahrer mit einem Jahresverbrauch von 1.200 Litern würde dies eine Entlastung von rund 290 Euro bedeuten.

Die vollständige Abschaffung der CO2-Steuer würde zusätzliche 6,6 Cent pro Liter Benzin einsparen. Diese Steuer ist Teil des nationalen Emissionshandelssystems und soll Anreize für klimafreundlicheres Verhalten schaffen. Kritiker argumentieren jedoch, dass sie sozial ungerecht sei, da sie Menschen mit niedrigem Einkommen überproportional belaste, die oft keine Alternative zum Auto haben.

Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen

Die hohen Spritpreise treffen nicht alle Österreicher gleich hart. Besonders betroffen sind:

Pendler in ländlichen Gebieten: Viele Menschen in kleineren Gemeinden sind auf das Auto angewiesen, da der öffentliche Verkehr unzureichend ausgebaut ist. Ein Pendler, der täglich 50 Kilometer zur Arbeit fährt, gibt monatlich etwa 240 Euro nur für Sprit aus.

Niedrigverdiener: Während wohlhabende Haushalte die höheren Kosten verkraften können, müssen Geringverdiener oft andere Ausgaben kürzen. Studien zeigen, dass Haushalte mit niedrigem Einkommen bis zu 15 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Mobilität ausgeben.

Gewerbetreibende: Handwerker, Lieferdienste und andere mobile Dienstleister sind von den hohen Spritpreisen besonders betroffen, da sie diese Kosten oft nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben können.

Regierungsreaktion und politische Debatte

Die Bundesregierung verteidigt ihre Herangehensweise mit dem Verweis auf internationale Marktmechanismen und die Notwendigkeit der Energiewende. Wirtschaftsminister Martin Kocher argumentiert, dass nationale Alleingänge bei der Steuersenkung EU-rechtlich problematisch sein könnten und den Binnenmarkt verzerren würden.

Die angekündigte Untersuchung der Rohölpreise soll Transparenz in die Preisbildung bringen und mögliche Marktverzerrungen aufdecken. Kritiker sehen darin jedoch nur einen Versuch, von der eigenen Verantwortung abzulenken. Die Opposition fordert stattdessen sofortige Maßnahmen zur Entlastung der Bevölkerung.

Europäische Dimension der Spritpreispolitik

Die österreichische Spritpreispolitik steht im Kontext der europäischen Klimaziele und der Energiewende. Die EU hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden, was eine Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe erfordert. Höhere Preise sollen Anreize für den Umstieg auf alternative Antriebe und öffentliche Verkehrsmittel schaffen.

Gleichzeitig zeigen andere EU-Länder, dass temporäre Steuersenkungen möglich sind. Frankreich, Deutschland und Italien haben während der Energiekrise 2022 ihre Mineralölsteuern zeitweise reduziert, um die Bevölkerung zu entlasten.

Wirtschaftliche Folgen der hohen Spritpreise

Die steigenden Energiekosten haben weitreichende volkswirtschaftliche Auswirkungen. Sie treiben die Inflation an und schmälern die Kaufkraft der Verbraucher. Gleichzeitig leiden energieintensive Branchen unter den höheren Kosten. Transport- und Logistikunternehmen geben die Mehrkosten an ihre Kunden weiter, was sich letztendlich in höheren Preisen für Waren und Dienstleistungen niederschlägt.

Die österreichische Industrie warnt vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber Ländern mit niedrigeren Energiekosten. Besonders exportorientierte Unternehmen sehen ihre Position auf dem Weltmarkt gefährdet.

Zukunftsszenarien und Lösungsansätze

Die weitere Entwicklung der Spritpreise hängt von verschiedenen Faktoren ab. International spielen geopolitische Spannungen, die OPEC-Politik und die globale Konjunkturentwicklung eine Rolle. National sind die Klimaziele und die Verkehrswende entscheidend.

Experten erwarten, dass die Preise mittelfristig auf hohem Niveau bleiben werden. Die CO2-Steuer soll bis 2025 auf 55 Euro pro Tonne steigen, was die Belastung weiter erhöhen wird. Gleichzeitig investiert die Regierung in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Förderung von Elektrofahrzeugen.

Alternative Lösungsansätze könnten eine sozial gestaffelte Entlastung sein, bei der nur niedrige Einkommen von Steuersenkungen profitieren. Auch eine kilometerabhängige Maut als Ersatz für die Mineralölsteuer wird diskutiert, um eine gerechtere Verteilung der Infrastrukturkosten zu erreichen.

Fazit: Spannungsfeld zwischen Entlastung und Klimazielen

Die Debatte um die Spritpreise verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen sozialer Gerechtigkeit und Klimaschutz. Während die Opposition schnelle Entlastung fordert, argumentiert die Regierung mit langfristigen Zielen und internationalen Verpflichtungen. Die angekündigte Untersuchung wird zeigen müssen, ob sie zu konkreten Verbesserungen für die Verbraucher führt oder nur Zeit gewinnen soll. Klar ist: Die österreichischen Autofahrer erwarten mehr als nur weitere Studien – sie brauchen spürbare Entlastung in einer Zeit steigender Lebenshaltungskosten.

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