Bildungssprecher Krauss sieht Kindeswohl durch religiöse Praktiken gefährdet
Wiener FPÖ-Politiker kritisiert zusammenbrechende Kinder während Ramadan im Unterricht und fordert Eingreifen der Stadtregierung.
Die FPÖ Wien macht auf ein kontrovers diskutiertes Thema an Wiener Schulen aufmerksam: Berichte über Kinder, die während der Ramadan-Zeit im Unterricht zusammenbrechen, sorgen für politische Diskussionen. Der Wiener FPÖ-Bildungssprecher und Klubobmann Maximilian Krauss sieht darin ein "Alarmsignal" und fordert Maßnahmen zum Schutz des Kindeswohls.
Krauss äußert sich besorgt über Situationen, in denen minderjährige Kinder während des islamischen Fastenmonats Ramadan im Schulunterricht gesundheitliche Probleme zeigen. "Wenn Eltern ihren minderjährigen Kindern das Fasten aufzwingen, obwohl diese gesundheitlich und altersbedingt gar nicht dazu verpflichtet sind, zeigt das vor allem eines: fehlende Integrationsbereitschaft auf dem Rücken der Schwächsten", kritisiert der FPÖ-Politiker.
Der Ramadan ist einer der fünf Säulen des Islam und beinhaltet das Fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Religiöse Autoritäten betonen jedoch, dass Kinder vor der Pubertät nicht zum Fasten verpflichtet sind und auch danach Ausnahmen für gesundheitliche Gründe gelten.
Laut Krauss entstehen durch fastende Kinder Probleme im Schulalltag, die über individuelle Gesundheitsaspekte hinausgehen. "Die Schule ist kein Ort für religiösen Gruppendruck, sondern für Bildung, Leistung und ein funktionierendes Miteinander", argumentiert er. Kinder, die "hungrig, dehydriert und konzentrationsunfähig im Klassenzimmer sitzen", würden nicht nur ihre eigene Gesundheit gefährden, sondern auch "der gesamten Klassengemeinschaft" schaden.
Diese Einschätzung wirft Fragen zur Balance zwischen religiöser Praxis und Bildungszielen auf. Pädagogen berichten unterschiedlich über ihre Erfahrungen mit fastenden Schülern - während manche keine gravierenden Probleme feststellen, schildern andere durchaus Konzentrationsschwierigkeiten oder Erschöpfungserscheinungen bei betroffenen Kindern.
Der FPÖ-Bildungssprecher richtet seine Kritik auch an die rot-pinke Wiener Stadtregierung. Diese sehe "einmal mehr tatenlos zu, statt klare Regeln im Sinne des Kindeswohls durchzusetzen". Krauss fordert eine aktivere Rolle der Politik bei der Regulierung religiöser Praktiken im Schulkontext.
"Integration bedeutet, unsere Werte und Prioritäten zu akzeptieren und dazu gehört, dass Bildung und Gesundheit über religiösen Ritualen stehen", so seine Position. Mit Verweis auf den Anteil muslimischer Kinder in Wiener Schulen - er spricht von 40 Prozent - sieht Krauss Handlungsbedarf: "Bei 40 Prozent muslimischer Kinder in den Schulen muss hier regulierend eingegriffen werden."
Die von Krauss angesprochene Problematik berührt verschiedene rechtliche und gesellschaftliche Bereiche. Österreich garantiert Religionsfreiheit, gleichzeitig steht das Kindeswohl unter besonderem Schutz. Schulen müssen zwischen der Respektierung religiöser Überzeugungen und der Sicherstellung eines funktionierenden Bildungsbetriebs navigieren.
Experten für Integrationsthemen weisen darauf hin, dass pauschale Regelungen schwierig umsetzbar sind, da individuelle Umstände berücksichtigt werden müssen. Manche Familien praktizieren das Fasten sehr strikt, während andere flexiblere Ansätze wählen, besonders bei jüngeren Kindern.
Während die FPÖ regulierende Eingriffe fordert, setzen andere Akteure auf Dialog und Aufklärung. Islamische Gemeinden betonen regelmäßig, dass das Fasten für Kinder nicht verpflichtend ist und Gesundheit Vorrang haben sollte. Viele Moscheevereine führen entsprechende Informationsveranstaltungen für Eltern durch.
Pädagogen schlagen oft praktische Lösungen vor: flexible Pausenregelungen, Gespräche mit Eltern über altersgerechte religiöse Praxis oder die Einbindung von Sozialarbeitern bei problematischen Fällen. Diese Ansätze zielen darauf ab, sowohl religiöse Bedürfnisse zu respektieren als auch das Kindeswohl zu gewährleisten.
Die Debatte um das Ramadan-Fasten an Schulen spiegelt größere gesellschaftliche Fragen wider: Wie kann Integration gelingen, ohne religiöse Identität zu unterdrücken? Welche Rolle sollte der Staat bei der Regulierung religiöser Praktiken spielen? Und wie können Schulen als neutrale Bildungsräume funktionieren, während sie gleichzeitig die Vielfalt ihrer Schülerschaft anerkennen?
Diese Fragen beschäftigen nicht nur Wien, sondern viele europäische Städte mit ähnlichen demografischen Entwicklungen. Lösungsansätze reichen von strengeren Regelungen bis hin zu verstärkten Dialogs- und Bildungsmaßnahmen für alle Beteiligten.
Die von Krauss angestoßene Diskussion zeigt den Bedarf für einen sachlichen und respektvollen Austausch zwischen allen Beteiligten - Eltern, Schulen, religiösen Gemeinden und Politik - um praktikable Lösungen zu finden, die sowohl das Kindeswohl als auch die religiöse Vielfalt berücksichtigen.