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FPÖ fordert Sprit-Entlastung: 44 Cent weniger pro Liter Benzin

22. März 2026 um 11:02
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Die Spritpreise erreichen neue Rekordwerte und belasten österreichische Haushalte zunehmend. Während die Bundesregierung eine begrenzte Preisbremse von 10 Cent plant, präsentiert die FPÖ ein deutli...

Die Spritpreise erreichen neue Rekordwerte und belasten österreichische Haushalte zunehmend. Während die Bundesregierung eine begrenzte Preisbremse von 10 Cent plant, präsentiert die FPÖ ein deutlich weitergehendes Entlastungsmodell. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz kritisierte am heutigen Freitag die geplanten Maßnahmen der Regierung scharf und forderte die Umsetzung des freiheitlichen Alternativplans noch vor der Sondersitzung des Nationalrats am kommenden Montag.

Freiheitlicher Entlastungsplan verspricht drastische Preissenkungen

Das von FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl entwickelte Konzept basiert auf zwei zentralen Elementen: einer Halbierung der Mineralölsteuer und der kompletten Abschaffung der CO2-Steuer auf Treibstoffe. Diese Kombination würde laut Schnedlitz eine sofortige Preisreduktion von 44 Cent pro Liter Benzin und 40 Cent pro Liter Diesel bewirken.

Die Mineralölsteuer ist eine Verbrauchssteuer, die in Österreich auf alle Mineralölerzeugnisse erhoben wird. Derzeit beträgt sie für Benzin 48,2 Cent pro Liter und für Diesel 39,7 Cent pro Liter. Eine Halbierung würde bedeuten, dass Benzin um etwa 24 Cent und Diesel um rund 20 Cent günstiger würde. Die CO2-Steuer, auch als CO2-Bepreisung bekannt, wurde 2022 in Österreich eingeführt und verteuert fossile Brennstoffe je nach ihrem CO2-Gehalt. Sie beträgt derzeit 30 Euro pro Tonne CO2 und soll schrittweise auf 55 Euro bis 2025 ansteigen.

Vergleich mit anderen europäischen Ländern

Im europäischen Vergleich liegen die österreichischen Spritpreise derzeit im oberen Mittelfeld. Deutschland kämpft mit ähnlich hohen Preisen, während Länder wie Polen oder Tschechien deutlich günstigere Treibstoffpreise aufweisen. Die Schweiz hingegen hat traditionell noch höhere Preise als Österreich, was hauptsächlich an der starken Währung und hohen Steuern liegt. Frankreich experimentierte bereits 2018 mit einer temporären Senkung der Treibstoffsteuern als Reaktion auf die Gelbwesten-Proteste, kehrte jedoch später zu den ursprünglichen Sätzen zurück.

Finanzierung durch Umschichtung der Ukraine-Hilfen

Die Gesamtkosten für das freiheitliche Entlastungspaket beziffert Schnedlitz auf 3,4 Milliarden Euro jährlich. Als Finanzierungsquelle schlägt die FPÖ vor, die österreichischen Haftungen für EU-Kredite an die Ukraine zu streichen. Österreich übernimmt dabei Garantien in Höhe von 2,4 Milliarden Euro für den 90-Milliarden-Euro-Kredit der Europäischen Union an die Ukraine.

Die EU-Makrofinanzhilfe für die Ukraine ist ein Kreditprogramm, bei dem die Mitgliedstaaten entsprechend ihrem Anteil am EU-Haushalt haften. Österreichs Anteil beträgt etwa 2,7 Prozent des EU-Haushalts, was bei dem 90-Milliarden-Paket zu Haftungen von rund 2,4 Milliarden Euro führt. Diese Kredite werden normalerweise von der Ukraine zurückgezahlt, können aber bei Zahlungsausfall auf die Mitgliedstaaten übertragen werden.

Zusätzliche Finanzierungsquellen

Die verbleibende Milliarde Euro will die FPÖ durch Einsparungen bei klimapolitischen Förderungen aufbringen. Österreich gibt jährlich mehrere Milliarden Euro für Klimaschutzmaßnahmen aus, darunter Förderungen für erneuerbare Energien, Gebäudesanierung und Elektromobilität. Schnedlitz bezeichnet diese als "grünideologisch motivierten Klima-Förderdschungel" und sieht hier erhebliches Einsparpotenzial.

Auswirkungen auf die österreichische Bevölkerung

Die vorgeschlagenen Maßnahmen hätten erhebliche Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen. Besonders Pendler in ländlichen Gebieten würden profitieren, da sie oft lange Arbeitswege zurücklegen müssen und keine Alternative zum Auto haben. Ein Pendler, der täglich 50 Kilometer zur Arbeit fährt und dabei etwa 4 Liter Benzin verbraucht, würde bei dem FPÖ-Plan täglich 1,76 Euro sparen – das sind über 450 Euro im Jahr.

Transportunternehmen und Spediteure könnten ihre Kosten deutlich senken. Ein Lkw, der täglich 200 Liter Diesel verbraucht, würde bei 40 Cent Ersparnis pro Liter täglich 80 Euro weniger für Treibstoff ausgeben. Das entspricht jährlichen Einsparungen von fast 30.000 Euro pro Fahrzeug.

Auch Privathaushalte würden spürbar entlastet. Eine vierköpfige Familie, die monatlich etwa 120 Liter Benzin verbraucht, könnte bei dem vorgeschlagenen Modell monatlich über 50 Euro sparen. Das entspricht jährlichen Einsparungen von mehr als 600 Euro.

Regionale Unterschiede in Österreich

Die Entlastung würde nicht alle Bundesländer gleich treffen. In Wien, wo viele Menschen öffentliche Verkehrsmittel nutzen, wären die direkten Auswirkungen geringer als in Vorarlberg oder Kärnten, wo längere Pendelstrecken üblich sind. Grenzregionen zu Deutschland und der Schweiz könnten zusätzlich vom sogenannten "umgekehrten Tanktourismus" profitieren, wenn Ausländer vermehrt in Österreich tanken würden.

Kritik am Regierungsplan

Die von der Bundesregierung geplante Spritpreisbremse sieht eine Deckelung bei 1,50 Euro pro Liter Benzin vor, was bei den aktuellen Preisen einer Entlastung von etwa 10 Cent entspricht. Schnedlitz kritisiert jedoch, dass in der Praxis nur etwa 5 Cent bei den Verbrauchern ankommen würden, da Tankstellen und Zwischenhändler einen Teil der Differenz als zusätzliche Marge einbehalten könnten.

Ähnliche Erfahrungen machte Deutschland mit dem sogenannten "Tankrabatt" im Sommer 2022. Dort wurde die Energiesteuer auf Benzin um 29,55 Cent und auf Diesel um 14,04 Cent gesenkt. Studien zeigten jedoch, dass nur etwa 70-80 Prozent der Steuersenkung tatsächlich an die Verbraucher weitergegeben wurden.

Internationale Beispiele für Treibstoffsubventionen

Verschiedene Länder haben in den vergangenen Jahren unterschiedliche Ansätze zur Treibstoffpreisregulierung verfolgt. Ungarn deckelte die Spritpreise administrativ, was jedoch zu Versorgungsengpässen führte. Polen senkte temporär die Kraftstoffsteuern, kehrte aber später zu den ursprünglichen Sätzen zurück. Belgien führte eine automatische Preisbremse ein, die bei bestimmten Preisniveaus greift.

Wirtschaftliche Folgen und Inflationsauswirkungen

Niedrigere Treibstoffpreise hätten weitreichende volkswirtschaftliche Effekte. Da Transportkosten einen wesentlichen Faktor bei der Preisbildung vieler Güter darstellen, könnten sinkende Spritpreise die allgemeine Inflation dämpfen. Die österreichische Inflationsrate lag zuletzt bei etwa 4,3 Prozent, wobei Energie einen erheblichen Beitrag leistet.

Besonders Logistikunternehmen und der Einzelhandel würden von niedrigeren Transportkosten profitieren. Diese Ersparnisse könnten teilweise an die Verbraucher weitergegeben werden und so die Preise für Lebensmittel und andere Waren stabilisieren. Wirtschaftsexperten schätzen, dass eine Senkung der Treibstoffpreise um 40 Cent die Gesamtinflation um etwa 0,5 bis 0,8 Prozentpunkte reduzieren könnte.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Niedrigere Mobilitätskosten könnten auch positive Arbeitsmarkteffekte haben. Arbeitnehmer wären eher bereit, weitere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, was den Radius möglicher Arbeitsplätze erweitert. Dies könnte besonders in ländlichen Gebieten zu einer besseren Arbeitsmarktdynamik führen und Fachkräfteengpässe in bestimmten Regionen mildern.

Umwelt- und klimapolitische Dimension

Das FPÖ-Modell steht im direkten Gegensatz zu den klimapolitischen Zielen der EU und Österreichs. Die CO2-Bepreisung wurde eingeführt, um Anreize für den Umstieg auf klimafreundlichere Verkehrsmittel zu schaffen. Eine Abschaffung würde diesen Lenkungseffekt eliminieren und könnte zu einem Anstieg des Treibstoffverbrauchs führen.

Österreich hat sich im Rahmen des European Green Deal verpflichtet, bis 2040 klimaneutral zu werden. Der Verkehrssektor ist für etwa 30 Prozent der nationalen CO2-Emissionen verantwortlich. Umweltorganisationen warnen, dass günstigere Treibstoffpreise kontraproduktiv für die Klimaziele seien und den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel sowie alternative Antriebe bremsen könnten.

Politische Reaktionen und Ausblick

Die Regierungsparteien ÖVP und Grüne sowie die Oppositionsparteien SPÖ und NEOS haben sich bislang nicht öffentlich zu dem FPÖ-Vorschlag geäußert. Die Sondersitzung des Nationalrats am Montag wird zeigen, ob und wie die anderen Parteien auf das freiheitliche Alternativmodell reagieren.

Politikwissenschaftler sehen in dem Vorstoß einen typischen populistischen Ansatz, der kurzfristige Entlastung gegen langfristige Klimaziele stellt. Die FPÖ versucht damit, sich als einzige Partei zu positionieren, die konsequent für niedrigere Lebenshaltungskosten eintritt, während sie anderen Parteien vorwirft, die Interessen ausländischer Akteure über die der österreichischen Bevölkerung zu stellen.

Europarechtliche Hürden

Eine vollständige Umsetzung des FPÖ-Plans könnte auf europarechtliche Hindernisse stoßen. Die EU-Energiesteuerrichtlinie legt Mindeststeuersätze für Kraftstoffe fest, die nicht unterschritten werden dürfen. Für Benzin beträgt der Mindestsatz 35,9 Cent pro Liter, für Diesel 33,0 Cent. Eine Halbierung der österreichischen Mineralölsteuer würde diese Grenzwerte unterschreiten und wäre nur mit einer Ausnahmeregelung oder Änderung der EU-Richtlinie möglich.

Die Zukunft der Treibstoffpreise in Österreich bleibt ungewiss. Während die FPÖ mit ihrem radikalen Entlastungsmodell Aufmerksamkeit erregt, müssen realistische Lösungen die Balance zwischen sozialer Entlastung, Klimaschutz und europarechtlichen Vorgaben finden. Die kommende Nationalratssitzung wird zeigen, ob die etablierten Parteien bereit sind, ihre bisherige Linie zu überdenken oder ob sie an den moderateren Ansätzen festhalten werden.

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