Kolm wirft Zehetner Realitätsverlust und Selbstzufriedenheit vor
FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm übt heftige Kritik am ORF-Auftritt der ÖVP-Staatssekretärin und fordert Reformen im Wirtschaftsbereich.
Die FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm hat den Auftritt von ÖVP-Staatssekretärin Claudia Plakolm-Forsthuber in der ORF-Pressestunde scharf kritisiert. Kolm bezeichnete die Darstellungen der Regierungsarbeit als "Dokument des völligen Realitätsverlusts" und warf der Staatssekretärin vor, völlig abgekoppelt von der Lebensrealität der österreichischen Wirtschaft zu agieren.
Besonders die "selbstzufriedene Darstellung der Regierungsarbeit" stößt bei der FPÖ-Politikerin auf Unverständnis. "Während die ÖVP-Staatssekretärin von 'guter Arbeit' und 'Aufschwung' fabuliert, kämpfen unsere Unternehmer mit einer Pleitewelle, explodierenden Kosten und einer Bürokratie-Lawine", so Kolm in ihrer Stellungnahme.
Die FPÖ-Wirtschaftssprecherin sieht in dem Auftritt eine "reine Showveranstaltung", die nicht die tatsächlichen Herausforderungen der österreichischen Wirtschaft widerspiegle. Ihrer Ansicht nach zeige dies exemplarisch, wie unnötig die Staatssekretariate in der aktuellen Regierung seien.
Besonders scharf kritisierte Kolm die Verteidigung des Wirtschaftskammer-Systems durch die ÖVP-Staatssekretärin. Die FPÖ-Politikerin sieht darin ein Zeichen dafür, wie sich die Volkspartei an "festgefahrenen Strukturen" festklammere.
"Während die ÖVP ihre Skandal-Kammer mit Postenschacher und überhöhten Gehältern verteidigt, sehen Fachleute bereits seit Langem die Notwendigkeit, die Kammerumlage 2 zur Senkung der Lohnnebenkosten abzuschaffen", erklärte Kolm. Die ÖVP blockiere jedoch jede echte Reform und halte an der Zwangsmitgliedschaft fest.
Nach Ansicht der FPÖ-Wirtschaftssprecherin ist die Wirtschaftskammer "kein Partner der Unternehmer, sondern ein Selbstbedienungsladen des Systems ÖVP". Diese Kritik reiht sich in die langjährige FPÖ-Linie ein, die eine grundlegende Reform der Kammersysteme fordert.
Statt "leerer Phrasen aus dem Elfenbeinturm" fordert die FPÖ konkrete Maßnahmen zur Entlastung der österreichischen Betriebe. Kolm konkretisierte die Forderungen ihrer Partei: "Das bedeutet: weg mit der Kammer-Zwangsmitgliedschaft und eine massive Senkung der Abgabenlast."
Die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen österreichische Unternehmen konfrontiert sind, umfassen nach Darstellung der FPÖ verschiedene Bereiche:
Die FPÖ-Wirtschaftssprecherin übte auch grundsätzliche Kritik an der aktuellen Regierungskonstellation. Kolm bezeichnete die aktuelle Koalition als "schwarz-rot-pinke Verlierer-Koalition" und sieht sie als "größten Klotz am Bein für unseren Arbeits- und Wirtschaftsstandort".
Diese Einschätzung spiegelt die grundsätzliche Opposition der FPÖ zur aktuellen Regierungspolitik wider. Die Partei fordert eine Abwahl der aktuellen Regierung und positioniert sich als Alternative für eine wirtschaftsfreundlichere Politik.
Ein besonderer Kritikpunkt der FPÖ betrifft die Existenz und Größe der aktuellen Regierung. Kolm bezeichnete die aktuelle Konstellation als "größte Regierung der Zweiten Republik" und stellte die Notwendigkeit der Staatssekretariate grundsätzlich in Frage.
Diese Kritik zielt auf die Kosteneffizienz der Regierungsarbeit ab und stellt die Frage nach der Verhältnismäßigkeit von Regierungsapparat und tatsächlicher Problemlösung für die Wirtschaft.
Mit ihrer Kritik positioniert sich die FPÖ klar als Vertreterin einer liberaleren Wirtschaftspolitik. Die Forderungen nach Abschaffung von Zwangsmitgliedschaften und Senkung der Abgabenlast entsprechen dem traditionellen FPÖ-Programm einer Entbürokratisierung und Entlastung der Wirtschaft.
Die Partei sieht sich als Anwalt der "hart arbeitenden Menschen" und der heimischen Unternehmer, die nach ihrer Darstellung unter der aktuellen Wirtschaftspolitik leiden.
Der Zeitpunkt der Kritik - direkt nach einem ORF-Auftritt der Staatssekretärin - zeigt die mediale Strategie der FPÖ auf. Die Partei nutzt prominente Medienauftritte von Regierungsmitgliedern systematisch für ihre Opposition und Alternativdarstellungen.
Die verwendete Sprache mit Begriffen wie "Elfenbeinturm", "Showveranstaltung" und "Selbstbedienungsladen" folgt dem typischen FPÖ-Kommunikationsstil, der auf emotionale Wirkung und klare Abgrenzung zur Regierungspolitik setzt.
Die scharfe Kritik der FPÖ reiht sich in eine Serie von oppositionellen Stellungnahmen zur aktuellen Wirtschaftspolitik ein. Ob und wie die ÖVP auf diese Vorwürfe reagieren wird, bleibt abzuwarten.
Die aufgeworfenen Fragen zur Reformbedürftigkeit des Kammersystems und zur Höhe der Abgabenlast werden voraussichtlich weiter Gegenstand der politischen Debatte bleiben. Besonders im Kontext der wirtschaftlichen Herausforderungen, denen sich Österreich aktuell gegenübersieht, dürften diese Themen an politischer Brisanz gewinnen.