Südtirolsprecher Ranzmaier verteidigt Namensverwendung und wirft LH-Stellvertreter Galateo mangelndes Geschichtsverständnis vor
Die FPÖ reagiert auf Kritik aus Südtirol am Tirol-Schriftzug in Antholz und bezeichnet die Aussagen als Angriff auf kulturelle Identität.
Eine Debatte um einen Tirol-Schriftzug in der Südtiroler Gemeinde Antholz sorgt derzeit für politische Spannungen zwischen Wien und Bozen. Der freiheitliche Südtirolsprecher Christofer Ranzmaier hat sich mit deutlichen Worten zu Äußerungen des Südtiroler Landeshauptmann-Stellvertreters Marco Galateo geäußert, der den Schriftzug offenbar kritisch kommentiert hatte.
In seiner Stellungnahme wies Ranzmaier die Kritik am Tirol-Schriftzug entschieden zurück. Der Name Tirol sei seit nahezu tausend Jahren der historische Name der Region und dürfe nicht als politischer Kampfbegriff missverstanden werden. "Wer diesen Namen als Provokation oder gar als Gefahr für das Zusammenleben bezeichnet, offenbart kein Verantwortungsbewusstsein, sondern ein fragwürdiges Geschichtsverständnis", so der FPÖ-Politiker.
Der freiheitliche Abgeordnete legte dem Südtiroler Politiker nahe, sich intensiver mit der Tiroler Geschichte auseinanderzusetzen. Dies solle sicherstellen, dass derartige Aussagen in Zukunft vermieden werden könnten.
Besonders scharf reagierte Ranzmaier auf die angebliche Aussage Galateos, der Schriftzug sei gegenüber Österreich "peinlich". Diese Einschätzung wies der FPÖ-Südtirolsprecher deutlich zurück und betonte die historische Verbindung zwischen Österreich und Südtirol.
"Österreich ist und bleibt trotz aller italienischen Relativierungsversuche die Schutzmacht Südtirols und historisch wie kulturell untrennbar mit Tirol verbunden", argumentierte Ranzmaier. Aus seiner Sicht sei nicht der Name Tirol peinlich, sondern vielmehr der Versuch, kulturelle Identität als diplomatisches Problem darzustellen.
Südtirol wurde nach dem Ersten Weltkrieg 1919 von Österreich an Italien abgetreten. Seitdem gibt es immer wieder Debatten um die kulturelle Identität der deutschsprachigen Bevölkerung in der autonomen Provinz. Österreich nimmt traditionell eine Schutzfunktion für die deutschsprachige und ladinische Minderheit in Südtirol wahr, was im Pariser Vertrag von 1946 zwischen Österreich und Italien festgehalten wurde.
Die Verwendung des Namens "Tirol" für die Region südlich des Brenners ist dabei seit jeher ein sensibles Thema in den österreichisch-italienischen Beziehungen. Während die deutschsprachige Bevölkerung die historische Verbindung zur ehemaligen Grafschaft Tirol betont, wird dies von italienischer Seite teilweise kritisch gesehen.
In seiner abschließenden Stellungnahme stellte Ranzmaier die Frage nach der Stabilität des Zusammenlebens in Südtirol. Ein friedliches Miteinander, das durch einen Schriftzug ins Wanken geraten könne, stehe auf "sehr wackeligen Beinen", so der FPÖ-Politiker.
"Geschichte verschwindet nicht, nur weil man ihren Namen nicht mehr sehen will. Tirol bleibt Tirol – sichtbar, selbstbewusst und geschichtsbewusst", betonte Ranzmaier. Er gratulierte in diesem Zusammenhang dem Südtiroler Schützenbund zu der Aktion, die offenbar für die Anbringung des Schriftzuges verantwortlich war.
Die FPÖ hat traditionell enge Verbindungen zu Südtirol und setzt sich seit Jahrzehnten für die Interessen der deutschsprachigen Bevölkerung in der Region ein. Die Partei betont regelmäßig die kulturelle und historische Verbundenheit zwischen Österreich und Südtirol.
Die aktuelle Debatte reiht sich in eine lange Geschichte von Auseinandersetzungen um Symbole und Bezeichnungen in Südtirol ein. Dabei stehen sich häufig Positionen gegenüber, die einerseits die historische Identität betonen und andererseits auf ein harmonisches Zusammenleben der verschiedenen Sprachgruppen in der Region abzielen.
Eine offizielle Reaktion von Landeshauptmann-Stellvertreter Marco Galateo auf die Kritik aus Wien lag zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht vor. Es bleibt abzuwarten, ob die Debatte um den Tirol-Schriftzug in Antholz weitere politische Kreise ziehen wird.
Die Diskussion zeigt einmal mehr, wie sensibel Fragen der kulturellen Identität und historischen Bezeichnungen in der Region Südtirol nach wie vor sind. Sowohl in Österreich als auch in Italien werden derartige Debatten aufmerksam verfolgt und politisch kommentiert.