Am 29. Jänner 2026 öffnet eine neue Sonderausstellung im Haus der Geschichte Österreich ihre Tore, um ein bedeutendes, aber oft übersehenes Kapitel der österreichischen Geschichte zu beleuchten. Die Ausstellung mit dem Titel „Alles Arbeit. Frauen zwischen Erwerbs- und Sorgetätigkeit“ bietet einen ti
Am 29. Jänner 2026 öffnet eine neue Sonderausstellung im Haus der Geschichte Österreich ihre Tore, um ein bedeutendes, aber oft übersehenes Kapitel der österreichischen Geschichte zu beleuchten. Die Ausstellung mit dem Titel „Alles Arbeit. Frauen zwischen Erwerbs- und Sorgetätigkeit“ bietet einen tiefen Einblick in das Leben von Frauen in der Steiermark der Nachkriegszeit. Diese Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Museum für Geschichte in Graz entstand, zeigt auf, wie sich Rollenbilder und die Wahrnehmung von Frauenarbeit im Laufe der Jahrzehnte verändert haben.
Die Nachkriegszeit in Österreich war geprägt von einem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung, der jedoch nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erfasste. Besonders Frauen waren oft in prekären Arbeitsverhältnissen tätig, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum Beachtung fanden. Die Ausstellung nutzt das Archiv der Grazer Pressefotoagentur Blaschka, um die unsichtbare Arbeit der Frauen in dieser Zeit sichtbar zu machen. Begriffe wie Pflegenotstand, Gender Pay Gap und Teilzeitfalle werden in einen historischen Kontext gesetzt und zeigen, dass diese Herausforderungen tief verwurzelt sind.
Die Geschichte der Frauenarbeit in Österreich ist komplex und vielschichtig. Bereits in der Nachkriegszeit waren viele Frauen gezwungen, den Lebensunterhalt für ihre Familien zu sichern, während ihre männlichen Angehörigen im Krieg gefallen waren oder traumatisiert zurückkehrten. In der Steiermark, einem der am stärksten von der industriellen Revolution geprägten Bundesländer, waren Frauen oft in der Textilindustrie oder in der Landwirtschaft tätig. Diese Arbeiten wurden jedoch selten als gleichwertig mit der Erwerbsarbeit der Männer angesehen.
Im Vergleich zu anderen Bundesländern wie Wien oder Oberösterreich, wo der Dienstleistungssektor stärker ausgeprägt war, blieb die Steiermark lange Zeit agrarisch geprägt. In Deutschland und der Schweiz waren ähnliche Entwicklungen zu beobachten, wobei die Industrialisierung in diesen Ländern schneller voranschritt. Frauen in der Schweiz hatten beispielsweise bereits 1971 das Wahlrecht, während in Österreich erst 1975 das Gleichbehandlungsgesetz in Kraft trat.
Die Ausstellung zeigt eindrücklich, wie die historischen Ungleichheiten bis heute nachwirken. Der Gender Pay Gap ist in Österreich nach wie vor ein Thema, das Frauen im Berufsleben benachteiligt. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, oft aus familiären Gründen, was ihre Karrierechancen einschränkt. Ein Beispiel dafür ist die Pflegebranche, in der Frauen überproportional vertreten sind, jedoch oft in schlecht bezahlten Positionen arbeiten.
Statistiken zeigen, dass der Anteil der Frauen in Teilzeitbeschäftigung in Österreich bei über 45 % liegt, während Männer nur zu etwa 10 % in Teilzeit arbeiten. Der Gender Pay Gap beträgt in Österreich rund 19 %, was bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt 19 % weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit, historische Ungleichheiten zu adressieren und Lösungen zu finden.
Experten sind sich einig, dass die Gleichstellung der Geschlechter in der Arbeitswelt nur durch gezielte politische Maßnahmen erreicht werden kann. Dazu gehören unter anderem die Förderung von Frauen in Führungspositionen und die Schaffung von Anreizen für Männer, mehr Verantwortung im familiären Bereich zu übernehmen. Die Ausstellung lädt Besucher*innen ein, über diese Themen nachzudenken und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft der Arbeit zu beteiligen.
Die Ausstellung „Alles Arbeit. Frauen zwischen Erwerbs- und Sorgetätigkeit“ bietet nicht nur einen historischen Rückblick, sondern auch eine Plattform für aktuelle gesellschaftliche Debatten. Sie fordert uns auf, Rollenbilder zu hinterfragen und neue Wege für eine gerechtere Zukunft zu finden. Interessierte sind eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und sich selbst ein Bild von der Bedeutung der Frauenarbeit in der Steiermark zu machen.
Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Website des Hauses der Geschichte Österreich.