2,6 Milliarden Euro für Schlüsseltechnologien sollen Forschungsstandort stärken
Der neue FTI-Pakt schafft Planungssicherheit für Österreichs Forschung. WKÖ sieht großes Potenzial für Wirtschaftswachstum.
Österreich setzt einen bedeutenden Schritt zur Stärkung seines Forschungs- und Innovationsstandorts: Der Ministerrat hat den FTI-Pakt 2027-2029 beschlossen, der mit 2,6 Milliarden Euro für die Schlüsseltechnologieoffensive der Industriestrategie 2035 dotiert ist. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) bewertet diese Entscheidung als wichtigen Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Standorts.
"Der heutige Ministerratsbeschluss zum FTI-Pakt 2027–2029 ist ein wichtiger Schritt, um Planungssicherheit für den Forschungs- und Innovationsstandort Österreich zu schaffen", betont WKÖ-Präsidentin Martha Schultz. Die Entscheidung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, da sich die globale Wirtschaft zunehmend auf technologische Innovation und Digitalisierung ausrichtet.
Entscheidend für den Erfolg des Pakts sei laut Schultz ein ausgewogener Policy-Mix, der alle Säulen des österreichischen Forschungssystems angemessen berücksichtigt. Dies umfasst sowohl die Grundlagenforschung als auch die angewandte, unternehmensnahe Forschung und Entwicklung.
Die WKÖ-Präsidentin hebt die Bedeutung des Zusammenspiels verschiedener Forschungsbereiche hervor: "Grundlagenforschung schafft neues Wissen, angewandte Forschung macht es wirtschaftlich nutzbar. Erst das Zusammenspiel beider Bereiche sorgt dafür, dass Innovation und Wertschöpfung entstehen und Unternehmen international wettbewerbsfähig bleiben."
Diese Strategie reflektiert die Erkenntnis, dass nachhaltige Innovation nicht nur von theoretischen Durchbrüchen, sondern auch von deren praktischer Umsetzung abhängt. Österreichische Unternehmen können so von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren und diese in marktfähige Produkte und Dienstleistungen umwandeln.
Die Zahlen sprechen für die Effektivität der österreichischen Forschungsförderung: Knapp zwei Drittel der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben stammen aus der Wirtschaft. Dies zeigt das hohe Engagement des Privatsektors in die Zukunft des Standorts.
Besonders bemerkenswert ist die Multiplikatorwirkung der öffentlichen Förderung. Jeder Euro an angewandter Forschungsförderung löst zusätzliche private Investitionen aus und erhöht damit unmittelbar die F&E-Ausgaben des Unternehmenssektors. Die FFG-Basisprogramme zeigen hier besonders deutliche Erfolge.
Die Statistiken der FFG-Basisprogramme verdeutlichen die Hebelwirkung der öffentlichen Förderung:
"Dieses Potenzial für Wirtschaftswachstum und Produktivität müssen wir konsequent nutzen", betont Schultz. Die Zahlen belegen, dass öffentliche Forschungsförderung nicht nur als Kostenfaktor zu sehen ist, sondern als strategische Investition mit messbarem Return on Investment.
Die österreichische Regierung hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Die F&E-Quote soll bis 2030 auf über 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Dies würde Österreich in die Spitzengruppe der innovativsten Länder weltweit katapultieren.
Martha Schultz sieht den FTI-Pakt als wichtigen Baustein zur Erreichung dieses Ziels: "Ziel müssen Förderinstrumente sein, die eine Erreichung der im Regierungsprogramm verankerten F&E-Quote von über 4 Prozent bis 2030 realistisch ermöglichen."
Eine F&E-Quote von über 4 Prozent würde Österreich international sehr gut positionieren. Derzeit liegen nur wenige Länder wie Südkorea, Israel oder die Schweiz in diesem Bereich. Für Österreich würde dies bedeuten, sich endgültig als Hochtechnologie-Standort zu etablieren.
Der FTI-Pakt ist eng mit der Industriestrategie 2035 verzahnt. Die 2,6 Milliarden Euro fließen gezielt in die Schlüsseltechnologieoffensive, die österreichische Unternehmen in zukunftsentscheidenden Bereichen stärken soll.
Diese Strategie zielt darauf ab, Österreich in kritischen Technologiebereichen weniger abhängig von Importen zu machen und gleichzeitig Export-Champions zu entwickeln. Bereiche wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Biotechnologie und Materialwissenschaften stehen dabei im Mittelpunkt.
Neben dem FTI-Pakt drängt die WKÖ auf die rasche Umsetzung weiterer Maßnahmen. Konkret geht es um die im Regierungsprogramm vorgesehene Verlängerung des Fonds Zukunft Österreich bis 2030 mit einer jährlichen Dotierung von 200 Millionen Euro.
"Nun gilt es, auch die im Regierungsprogramm vorgesehene Verlängerung des Fonds Zukunft Österreich bis 2030 samt Dotierung von 200 Millionen Euro pro Jahr rasch umzusetzen und damit den Forschungs- und Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken", fordert Schultz.
Die Kombination aus FTI-Pakt und dem verlängerten Fonds Zukunft Österreich würde eine umfassende Finanzierungsarchitektur schaffen:
Der beschlossene FTI-Pakt steht vor verschiedenen Herausforderungen. Die Verteilung der Mittel muss ausgewogen erfolgen, um sowohl etablierte Forschungseinrichtungen als auch innovative Start-ups zu unterstützen. Gleichzeitig gilt es, internationale Kooperationen zu stärken und österreichische Forschung global sichtbar zu machen.
Die Chancen überwiegen jedoch deutlich: Mit der richtigen Umsetzung kann Österreich seine Position als Innovationsstandort in Europa ausbauen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen stärken.
Der FTI-Pakt 2027-2029 ist mehr als nur ein Finanzierungsinstrument. Er stellt die Weichen für einen nachhaltigen Strukturwandel der österreichischen Wirtschaft hin zu höherer Wertschöpfung und Innovation.
Die erfolgreiche Umsetzung wird zeigen, ob Österreich den Sprung in die Liga der führenden Innovationsnationen schaffen kann. Die Voraussetzungen sind jedenfalls geschaffen – nun kommt es auf die konkrete Umsetzung und die Bereitschaft aller Beteiligten an, diesen ambitionierten Weg gemeinsam zu gehen.
Für österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen eröffnet der FTI-Pakt neue Möglichkeiten zur Entwicklung zukunftsweisender Technologien und zur Stärkung ihrer internationalen Wettbewerbsposition. Die Zeit bis 2030 wird entscheidend sein, um die gesteckten Ziele zu erreichen und Österreich als Innovationsstandort nachhaltig zu positionieren.