Die Erntezeit von Juli bis Oktober ist für Wildtiere in Österreich eine der gefährlichsten Zeiten des Jahres. Während Landwirte und Jäger im Jagdrevier Großharras im Weinviertel, Niederösterreich, alles daran setzen, die heimische Fauna zu schützen, ist der Stress für viele Wildtiere immens. Doch wa
Die Erntezeit von Juli bis Oktober ist für Wildtiere in Österreich eine der gefährlichsten Zeiten des Jahres. Während Landwirte und Jäger im Jagdrevier Großharras im Weinviertel, Niederösterreich, alles daran setzen, die heimische Fauna zu schützen, ist der Stress für viele Wildtiere immens. Doch warum genau ist diese Zeit so kritisch und welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Tiere zu schützen?
In den Sommermonaten, wenn die Felder abgeerntet werden, verlieren viele Wildtiere plötzlich ihren Lebensraum. Die effizienten Erntemaschinen, die in der modernen Landwirtschaft eingesetzt werden, entfernen binnen kürzester Zeit die Deckung und Beschattung, die Tiere wie Rebhühner, Fasane und Hasen benötigen, um sich zu verstecken und zu schützen. Diese Tiere, die als Niederwild bezeichnet werden, sind besonders anfällig für den sogenannten Ernteschock. Ohne die schützende Vegetation sind sie leicht für Beutegreifer sichtbar und haben kaum Chancen, zu entkommen.
Der Ernteschock ist ein Phänomen, das auftritt, wenn Wildtiere plötzlich ihrer gewohnten Umgebung beraubt werden. Die Tiere sind gestresst und desorientiert, da ihre natürlichen Verstecke verschwinden. Dies erhöht ihre Anfälligkeit für Raubtiere. Zudem wird die Nahrungssuche erschwert, da nur wenige Rückstände auf den Feldern verbleiben, was vor allem für den Wintervorrat kritisch ist.
Um den Wildtieren zu helfen, haben Landwirte und der NÖ Landesjagdverband verschiedene Maßnahmen ergriffen. Zwischenfrüchte werden auf den abgeernteten Feldern gepflanzt, um den Tieren eine schnelle neue Deckung zu bieten. Diese Pflanzen bieten nicht nur Schutz, sondern auch Nahrung. Im Frühling werden zudem Brachflächen und Strauchreihen angelegt, um dauerhafte Unterschlüpfe zu schaffen. Sichere Wasserstellen sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil dieser Schutzmaßnahmen.
Die Beziehung zwischen Landwirtschaft und Wildtieren ist so alt wie der Ackerbau selbst. In der Vergangenheit war die Landwirtschaft weniger intensiv, und es gab mehr natürliche Lebensräume. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft verschwanden viele dieser Habitate. Heute sind Initiativen wie die im Jagdrevier Großharras entscheidend, um ein Gleichgewicht zwischen landwirtschaftlichen Erfordernissen und dem Schutz der Natur zu finden.
In anderen Bundesländern wie der Steiermark oder Oberösterreich sind ähnliche Herausforderungen zu beobachten. Die Maßnahmen unterscheiden sich jedoch je nach Region und den dort lebenden Tierarten. In der Steiermark beispielsweise kämpfen Winzer gegen die Rebzikade, während sich in Oberösterreich die Slowflower Bewegung für eine pestizidfreie Landwirtschaft einsetzt. Diese unterschiedlichen Schwerpunkte zeigen, dass es keine Einheitslösung gibt, sondern individuell angepasste Strategien notwendig sind.
Die Schutzmaßnahmen für Wildtiere haben auch Auswirkungen auf die Bürger. Zum einen tragen sie zum Erhalt der Biodiversität bei, was langfristig auch für die Landwirtschaft von Vorteil ist. Zum anderen fördern sie ein Bewusstsein für die Natur und deren Schutz. Immer mehr Menschen erkennen die Wichtigkeit eines nachhaltigen Umgangs mit der Umwelt.
Ein Experte für Wildtiermanagement erklärt: „Die Erntezeit stellt eine enorme Herausforderung dar, nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Landwirte. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam Lösungen finden, die sowohl die Produktivität der Landwirtschaft als auch den Schutz der Wildtiere gewährleisten.“
Ein weiterer Experte fügt hinzu: „Die Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft und Landwirten ist entscheidend. Nur so können wir sicherstellen, dass die Maßnahmen effektiv sind und die Tiere tatsächlich geschützt werden.“
In Zukunft wird es wichtig sein, die Schutzmaßnahmen weiter auszubauen und zu optimieren. Der Klimawandel und die zunehmende Urbanisierung stellen zusätzliche Herausforderungen dar, die innovative Lösungen erfordern. Technologien wie Drohnen könnten eingesetzt werden, um das Verhalten von Wildtieren zu überwachen und die Effektivität von Schutzmaßnahmen zu erhöhen.
Ein nachhaltiger Umgang mit der Natur ist nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern auch eine Notwendigkeit für die Zukunft der Landwirtschaft. Die Initiativen im Jagdrevier Großharras sind ein Beispiel dafür, wie Mensch und Natur im Einklang existieren können.
Die Erntezeit ist eine kritische Phase für Wildtiere, aber durch die Zusammenarbeit von Landwirten, Jägern und Naturschützern können wir sicherstellen, dass sie diese Zeit überstehen. Die Maßnahmen im Weinviertel sind ein Modell für andere Regionen und zeigen, dass ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur möglich ist.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Webseite des ORF Landesstudio Niederösterreich unter diesem Link.